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Ebeling, Johann Justus: Andächtige Betrachtungen aus dem Buche der Natur und Schrift. Bd. 2. Hildesheim, 1747.

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Die Gedult.
Die Gedult.
Sprichw. Sal. c. XVI. 32.
Ein Geduldiger ist besser, denn ein Star-
ker und der seines Muths Herr ist,
denn der Städte gewinnet.

[Abbildung]
Gedult ist eine seltne Tugend,
Beim grauen Alter, bei der Jugend
Und wird daher ein Kraut genennt,
Das nicht ein jeder Garten kennt.
Ein solch Gemüt das Leiden, Plagen,
Ohn Murren, ruhig kan ertragen,
Jst warlich in der eitlen Welt,
Ein vollenkomner, grosser Held.
Wer GOtt und Nächsten recht will lieben,
Der muß auch diese Tugend üben;
Die Welt gleicht einem Labirinth,
Darin viel Dornen-Hekken sind:
Und wollen wir da Rosen brechen;
So werden uns auch Dornen stechen:
Allein der Menschen Eigensin,
Verlangt ohn Schaden den Gewin.
Wir wollen unsern schnöden Willen,
Die Regung der Begierden stillen,
Und
Die Gedult.
Die Gedult.
Sprichw. Sal. c. XVI. 32.
Ein Geduldiger iſt beſſer, denn ein Star-
ker und der ſeines Muths Herr iſt,
denn der Staͤdte gewinnet.

[Abbildung]
Gedult iſt eine ſeltne Tugend,
Beim grauen Alter, bei der Jugend
Und wird daher ein Kraut genennt,
Das nicht ein jeder Garten kennt.
Ein ſolch Gemuͤt das Leiden, Plagen,
Ohn Murren, ruhig kan ertragen,
Jſt warlich in der eitlen Welt,
Ein vollenkomner, groſſer Held.
Wer GOtt und Naͤchſten recht will lieben,
Der muß auch dieſe Tugend uͤben;
Die Welt gleicht einem Labirinth,
Darin viel Dornen-Hekken ſind:
Und wollen wir da Roſen brechen;
So werden uns auch Dornen ſtechen:
Allein der Menſchen Eigenſin,
Verlangt ohn Schaden den Gewin.
Wir wollen unſern ſchnoͤden Willen,
Die Regung der Begierden ſtillen,
Und
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[322/0334] Die Gedult. Die Gedult. Sprichw. Sal. c. XVI. 32. Ein Geduldiger iſt beſſer, denn ein Star- ker und der ſeines Muths Herr iſt, denn der Staͤdte gewinnet. [Abbildung] Gedult iſt eine ſeltne Tugend, Beim grauen Alter, bei der Jugend Und wird daher ein Kraut genennt, Das nicht ein jeder Garten kennt. Ein ſolch Gemuͤt das Leiden, Plagen, Ohn Murren, ruhig kan ertragen, Jſt warlich in der eitlen Welt, Ein vollenkomner, groſſer Held. Wer GOtt und Naͤchſten recht will lieben, Der muß auch dieſe Tugend uͤben; Die Welt gleicht einem Labirinth, Darin viel Dornen-Hekken ſind: Und wollen wir da Roſen brechen; So werden uns auch Dornen ſtechen: Allein der Menſchen Eigenſin, Verlangt ohn Schaden den Gewin. Wir wollen unſern ſchnoͤden Willen, Die Regung der Begierden ſtillen, Und

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Zitationshilfe: Ebeling, Johann Justus: Andächtige Betrachtungen aus dem Buche der Natur und Schrift. Bd. 2. Hildesheim, 1747, S. 322. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/ebeling_betrachtungen02_1747/334>, abgerufen am 11.05.2021.