Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Ebeling, Johann Justus: Andächtige Betrachtungen aus dem Buche der Natur und Schrift. Bd. 3. Hildesheim, 1747.

Bild:
<< vorherige Seite
Die thörigte Religion der eingebildeten Klugen.
Die
thörigte Religion der eingebil-
deten Klugen.
[Abbildung]
Die da freie Geister sind, wollen sich mit
Macht befleissen,

Durch den albern Aberwiz klug, scharf-
sichtige zu heissen;

Darum sind auch jezt bekandt die nun die Religi-
on,

Durch die Klugheit ganz verstelln und ihr bringen
Schimpf und Hohn.

Diese baun des Glaubensgrund auf so leicht und
mürbe Stüzen,

Daß sie ihn vielmehr zerstöhrn, wenn sie scheinen ihn
zu schüzzen.

Eine wahre Gottesfurcht wird von ihnen nicht er-
kandt,

Sondern unter heilgen Schein gar aus aller Welt
verbannt,

Was dem Fleische nicht gefällt und die wilde Nei-
gung zäumet,

Heisset heilge Einfalt nur die der Aberglaube träu-
met.

Diese Klugen glauben nichts, nehmen nichts als
Warheit an,

Als
Die thoͤrigte Religion der eingebildeten Klugen.
Die
thoͤrigte Religion der eingebil-
deten Klugen.
[Abbildung]
Die da freie Geiſter ſind, wollen ſich mit
Macht befleiſſen,

Durch den albern Aberwiz klug, ſcharf-
ſichtige zu heiſſen;

Darum ſind auch jezt bekandt die nun die Religi-
on,

Durch die Klugheit ganz verſtelln und ihr bringen
Schimpf und Hohn.

Dieſe baun des Glaubensgrund auf ſo leicht und
muͤrbe Stuͤzen,

Daß ſie ihn vielmehr zerſtoͤhrn, wenn ſie ſcheinen ihn
zu ſchuͤzzen.

Eine wahre Gottesfurcht wird von ihnen nicht er-
kandt,

Sondern unter heilgen Schein gar aus aller Welt
verbannt,

Was dem Fleiſche nicht gefaͤllt und die wilde Nei-
gung zaͤumet,

Heiſſet heilge Einfalt nur die der Aberglaube traͤu-
met.

Dieſe Klugen glauben nichts, nehmen nichts als
Warheit an,

Als
<TEI>
  <text>
    <body>
      <pb facs="#f0363" n="351"/>
      <fw place="top" type="header">Die tho&#x0364;rigte Religion der eingebildeten Klugen.</fw><lb/>
      <div n="1">
        <head> <hi rendition="#b">Die<lb/>
tho&#x0364;rigte Religion der eingebil-<lb/>
deten Klugen.</hi> </head><lb/>
        <lg type="poem">
          <figure/>
          <l><hi rendition="#in">D</hi>ie da freie Gei&#x017F;ter &#x017F;ind, wollen &#x017F;ich mit<lb/><hi rendition="#et">Macht beflei&#x017F;&#x017F;en,</hi></l><lb/>
          <l>Durch den albern Aberwiz klug, &#x017F;charf-<lb/><hi rendition="#et">&#x017F;ichtige zu hei&#x017F;&#x017F;en;</hi></l><lb/>
          <l>Darum &#x017F;ind auch jezt bekandt die nun die Religi-<lb/><hi rendition="#et">on,</hi></l><lb/>
          <l>Durch die Klugheit ganz ver&#x017F;telln und ihr bringen<lb/><hi rendition="#et">Schimpf und Hohn.</hi></l><lb/>
          <l>Die&#x017F;e baun des Glaubensgrund auf &#x017F;o leicht und<lb/><hi rendition="#et">mu&#x0364;rbe Stu&#x0364;zen,</hi></l><lb/>
          <l>Daß &#x017F;ie ihn vielmehr zer&#x017F;to&#x0364;hrn, wenn &#x017F;ie &#x017F;cheinen ihn<lb/><hi rendition="#et">zu &#x017F;chu&#x0364;zzen.</hi></l><lb/>
          <l>Eine wahre Gottesfurcht wird von ihnen nicht er-<lb/><hi rendition="#et">kandt,</hi></l><lb/>
          <l>Sondern unter heilgen Schein gar aus aller Welt<lb/><hi rendition="#et">verbannt,</hi></l><lb/>
          <l>Was dem Flei&#x017F;che nicht gefa&#x0364;llt und die wilde Nei-<lb/><hi rendition="#et">gung za&#x0364;umet,</hi></l><lb/>
          <l>Hei&#x017F;&#x017F;et heilge Einfalt nur die der Aberglaube tra&#x0364;u-<lb/><hi rendition="#et">met.</hi></l><lb/>
          <l>Die&#x017F;e Klugen glauben nichts, nehmen nichts als<lb/><hi rendition="#et">Warheit an,</hi></l><lb/>
          <fw place="bottom" type="catch">Als</fw><lb/>
        </lg>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[351/0363] Die thoͤrigte Religion der eingebildeten Klugen. Die thoͤrigte Religion der eingebil- deten Klugen. [Abbildung] Die da freie Geiſter ſind, wollen ſich mit Macht befleiſſen, Durch den albern Aberwiz klug, ſcharf- ſichtige zu heiſſen; Darum ſind auch jezt bekandt die nun die Religi- on, Durch die Klugheit ganz verſtelln und ihr bringen Schimpf und Hohn. Dieſe baun des Glaubensgrund auf ſo leicht und muͤrbe Stuͤzen, Daß ſie ihn vielmehr zerſtoͤhrn, wenn ſie ſcheinen ihn zu ſchuͤzzen. Eine wahre Gottesfurcht wird von ihnen nicht er- kandt, Sondern unter heilgen Schein gar aus aller Welt verbannt, Was dem Fleiſche nicht gefaͤllt und die wilde Nei- gung zaͤumet, Heiſſet heilge Einfalt nur die der Aberglaube traͤu- met. Dieſe Klugen glauben nichts, nehmen nichts als Warheit an, Als

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/ebeling_betrachtungen03_1747
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/ebeling_betrachtungen03_1747/363
Zitationshilfe: Ebeling, Johann Justus: Andächtige Betrachtungen aus dem Buche der Natur und Schrift. Bd. 3. Hildesheim, 1747, S. 351. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/ebeling_betrachtungen03_1747/363>, abgerufen am 06.05.2021.