ab und warf den Tribut derselben, fünfhundert Silber- minen 110), welche ihm verächtlich klein erschien, mit eignen Händen unter die Soldaten aus.
An demselben Orte kam ihm auch die Nachricht zu, daß die Memphiten bei der Ankunft seiner Gesandtschaft schaarenweis herbeigeströmt wären, das Schiff in den Grund gebohrt und die Fahrgäste desselben, ohne Unter- schied, wie rohes Fleisch, in Stücke gerissen und in die Festung geschleift hätten 111). Kambyses rief, sobald er dieß gehört hatte, zornig aus: "So sollen denn, beim Mithra, für jeden dieser gemordeten Männer zehn Be- wohner von Memphis zu Tode gehen!" -- Zwei Tage später hielt er mit seinem Heere vor den Thoren der Riesenstadt. Die Belagerung derselben dauerte nur kurze Zeit, denn die Besatzung war viel zu klein für die Größe des Platzes, und die Bürgerschaft entmuthigt von der furchtbaren pelusinischen Niederlage.
König Psamtik selbst zog dem Könige mit seinen vor- nehmsten Hofbeamten entgegen. Der unglückliche Mann erschien in zerrissenen Kleidern und hatte alle Zeichen der Trauer angelegt. Kambyses empfing denselben mit kaltem Schweigen und befahl, ihn sammt seinem Gefolge festzu- nehmen und abzuführen. Die Wittwe des Amasis, Ladike, welche gleichfalls erschienen war, wnrde mit Rücksicht be- handelt und auf Verwenden des Phanes, gegen den sie sich immer huldreich bewiesen hatte, unter sichrer Bedeckung in ihre Heimat Kyrene zurückgeschickt, woselbst sie bis zum Sturze ihres Neffen Arkesilaos III. und der Flucht ihrer Schwester Pheretime verblieb. Dann siedelte sie nach Anthylla, der ihr in Aegypten gehörenden Stadt, über 112), lebte dort still und einsam und starb in hohem Alter.
Kambyses verschmähte es, den an ihm verübten Be-
Ebers, Eine ägyptische Königstochter. III. 11
ab und warf den Tribut derſelben, fünfhundert Silber- minen 110), welche ihm verächtlich klein erſchien, mit eignen Händen unter die Soldaten aus.
An demſelben Orte kam ihm auch die Nachricht zu, daß die Memphiten bei der Ankunft ſeiner Geſandtſchaft ſchaarenweis herbeigeſtrömt wären, das Schiff in den Grund gebohrt und die Fahrgäſte deſſelben, ohne Unter- ſchied, wie rohes Fleiſch, in Stücke geriſſen und in die Feſtung geſchleift hätten 111). Kambyſes rief, ſobald er dieß gehört hatte, zornig aus: „So ſollen denn, beim Mithra, für jeden dieſer gemordeten Männer zehn Be- wohner von Memphis zu Tode gehen!“ — Zwei Tage ſpäter hielt er mit ſeinem Heere vor den Thoren der Rieſenſtadt. Die Belagerung derſelben dauerte nur kurze Zeit, denn die Beſatzung war viel zu klein für die Größe des Platzes, und die Bürgerſchaft entmuthigt von der furchtbaren peluſiniſchen Niederlage.
König Pſamtik ſelbſt zog dem Könige mit ſeinen vor- nehmſten Hofbeamten entgegen. Der unglückliche Mann erſchien in zerriſſenen Kleidern und hatte alle Zeichen der Trauer angelegt. Kambyſes empfing denſelben mit kaltem Schweigen und befahl, ihn ſammt ſeinem Gefolge feſtzu- nehmen und abzuführen. Die Wittwe des Amaſis, Ladike, welche gleichfalls erſchienen war, wnrde mit Rückſicht be- handelt und auf Verwenden des Phanes, gegen den ſie ſich immer huldreich bewieſen hatte, unter ſichrer Bedeckung in ihre Heimat Kyrene zurückgeſchickt, woſelbſt ſie bis zum Sturze ihres Neffen Arkeſilaos III. und der Flucht ihrer Schweſter Pheretime verblieb. Dann ſiedelte ſie nach Anthylla, der ihr in Aegypten gehörenden Stadt, über 112), lebte dort ſtill und einſam und ſtarb in hohem Alter.
Kambyſes verſchmähte es, den an ihm verübten Be-
Ebers, Eine ägyptiſche Königstochter. III. 11
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ab und warf den Tribut derſelben, fünfhundert Silber-
minen 110), welche ihm verächtlich klein erſchien, mit eignen
Händen unter die Soldaten aus.
An demſelben Orte kam ihm auch die Nachricht zu,
daß die Memphiten bei der Ankunft ſeiner Geſandtſchaft
ſchaarenweis herbeigeſtrömt wären, das Schiff in den
Grund gebohrt und die Fahrgäſte deſſelben, ohne Unter-
ſchied, wie rohes Fleiſch, in Stücke geriſſen und in die
Feſtung geſchleift hätten 111). Kambyſes rief, ſobald er
dieß gehört hatte, zornig aus: „So ſollen denn, beim
Mithra, für jeden dieſer gemordeten Männer zehn Be-
wohner von Memphis zu Tode gehen!“ — Zwei Tage
ſpäter hielt er mit ſeinem Heere vor den Thoren der
Rieſenſtadt. Die Belagerung derſelben dauerte nur kurze
Zeit, denn die Beſatzung war viel zu klein für die Größe
des Platzes, und die Bürgerſchaft entmuthigt von der
furchtbaren peluſiniſchen Niederlage.
König Pſamtik ſelbſt zog dem Könige mit ſeinen vor-
nehmſten Hofbeamten entgegen. Der unglückliche Mann
erſchien in zerriſſenen Kleidern und hatte alle Zeichen der
Trauer angelegt. Kambyſes empfing denſelben mit kaltem
Schweigen und befahl, ihn ſammt ſeinem Gefolge feſtzu-
nehmen und abzuführen. Die Wittwe des Amaſis, Ladike,
welche gleichfalls erſchienen war, wnrde mit Rückſicht be-
handelt und auf Verwenden des Phanes, gegen den ſie
ſich immer huldreich bewieſen hatte, unter ſichrer Bedeckung
in ihre Heimat Kyrene zurückgeſchickt, woſelbſt ſie bis zum
Sturze ihres Neffen Arkeſilaos III. und der Flucht ihrer
Schweſter Pheretime verblieb. Dann ſiedelte ſie nach
Anthylla, der ihr in Aegypten gehörenden Stadt, über 112),
lebte dort ſtill und einſam und ſtarb in hohem Alter.
Kambyſes verſchmähte es, den an ihm verübten Be-
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Ebers, Georg: Eine Aegyptische Königstochter. Bd. 3. Stuttgart, 1864, S. 161. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/ebers_koenigstochter03_1864/171>, abgerufen am 23.09.2024.
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