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Eckarth, Friedrich: Chronica Oder Historische Beschreibung Des Dorffes Herwigsdorff. 1737.

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Anno 1736. sahe es abermahl gar schlecht aus, weil die Mittel-Saat verdorben, dazu kam im Sommer eine grosse Nässe, daher alles sehr theuer, und grosse Noth unter den armen Leuten war, weil auch nichts zuverdienen war. Das Leinwand machen wahr sehr schlecht, und kriegten die Lohnweber nur ein schlechtes Lohn, das Ruhe Garn galt das Stück nur 5. bis 6. gl. und der Flachs war dabey theuer, also war das Hungerleyden gar gemein, weil alles zu viel koste, was man ins Maul steckte. Der Scheffel Korn galt zu Ausgang des Jahres 4. thl. Waitzen 4. thl. 6. gl. Gerste 2. thl. 16. gl. Erbsen 3. thl. 16. gl. Hafer 1. thl. 8. gl. Ein Messel Waitzen weisses Mehl galt 2. Kgl. Schrott-Mehl 1. gl. Mittel-Mehl 8. pf. Rocken-Mehl 5. Kays. Kreutzer. Gersten-Mehl 4. Kayser Kreutzer.

Anno 1737. war das Elend noch grösser, dieweil der Verdienst noch schlechter war, und die Lebens Mittel stiegen auch noch höher, daher man leicht erachten kan, wie es bey den Armuth ausgesehen hat, sie kauften in den Mühlen, das so genannte Steinaß, daß sonst die Schweine kriegen, gantz auf, und buchen dasselbe und kochten Suppen und Pappen drauß. Ein Scheffel Korn galt 4. thl. 3 gl. Waitzen 4. thl. 7. gl. Gerste 3. thl. Erbsen 3. thl. 16. gl. Hafer. 1. thl. 14. gl. ein Viertel Lein, galt 1. thl. 4. bis 6. gl. Ein Messel Waitzen weisses Mehl galt hier 1. gl. 9. pf. Ein 3. gl. Brod wug 4. biß 4 1/3 Pf. etc. Anitzo hoffet ein jedes daß es wieder wohlfeiler werden wird. Zumahl das liebe Korn biß 16. gl. schon abgeschlagen hat, und auch die Erndte angehet, nun der liebe GOtt erbarme sich unser aller, und gebe uns aus Gnaden eine geseegnete Erndte, und lasse es uns in Friede und Ruhe geniessen.    den 23. Jul. 1737.

X. Kalte Winter.

Anno 1683. den 14. Jan. legte es den ersten Schnee, er fiel häuffig mit Wind und Ungestüm, lag biß den 21. Martz da er häuffig wieder fort gieng. Gr.

Anno 1689. im Jan. war fast ein unerträgliches Winter-Wetter von Kälte Schnee, und Wind. Gr.

Anno 1695. die letzte Woche des Martii hat es zum erstenmahl getauet, und der alte Schnee ein wenig abgegangen, welcher den gantzen Winter gelegen, und 14. Tage vor Weyhnachten sich hat angefangen, und ein standhafter Winter gewesen. Eckarth.

Anno 1736. sahe es abermahl gar schlecht aus, weil die Mittel-Saat verdorben, dazu kam im Sommer eine grosse Nässe, daher alles sehr theuer, und grosse Noth unter den armen Leuten war, weil auch nichts zuverdienen war. Das Leinwand machen wahr sehr schlecht, und kriegten die Lohnweber nur ein schlechtes Lohn, das Ruhe Garn galt das Stück nur 5. bis 6. gl. und der Flachs war dabey theuer, also war das Hungerleyden gar gemein, weil alles zu viel koste, was man ins Maul steckte. Der Scheffel Korn galt zu Ausgang des Jahres 4. thl. Waitzen 4. thl. 6. gl. Gerste 2. thl. 16. gl. Erbsen 3. thl. 16. gl. Hafer 1. thl. 8. gl. Ein Messel Waitzen weisses Mehl galt 2. Kgl. Schrott-Mehl 1. gl. Mittel-Mehl 8. pf. Rocken-Mehl 5. Kays. Kreutzer. Gersten-Mehl 4. Kayser Kreutzer.

Anno 1737. war das Elend noch grösser, dieweil der Verdienst noch schlechter war, und die Lebens Mittel stiegen auch noch höher, daher man leicht erachten kan, wie es bey den Armuth ausgesehen hat, sie kauften in den Mühlen, das so genannte Steinaß, daß sonst die Schweine kriegen, gantz auf, und buchen dasselbe und kochten Suppen und Pappen drauß. Ein Scheffel Korn galt 4. thl. 3 gl. Waitzen 4. thl. 7. gl. Gerste 3. thl. Erbsen 3. thl. 16. gl. Hafer. 1. thl. 14. gl. ein Viertel Lein, galt 1. thl. 4. bis 6. gl. Ein Messel Waitzen weisses Mehl galt hier 1. gl. 9. pf. Ein 3. gl. Brod wug 4. biß 4⅓ Pf. etc. Anitzo hoffet ein jedes daß es wieder wohlfeiler werden wird. Zumahl das liebe Korn biß 16. gl. schon abgeschlagen hat, und auch die Erndte angehet, nun der liebe GOtt erbarme sich unser aller, und gebe uns aus Gnaden eine geseegnete Erndte, und lasse es uns in Friede und Ruhe geniessen.    den 23. Jul. 1737.

X. Kalte Winter.

Anno 1683. den 14. Jan. legte es den ersten Schnee, er fiel häuffig mit Wind und Ungestüm, lag biß den 21. Martz da er häuffig wieder fort gieng. Gr.

Anno 1689. im Jan. war fast ein unerträgliches Winter-Wetter von Kälte Schnee, und Wind. Gr.

Anno 1695. die letzte Woche des Martii hat es zum erstenmahl getauet, und der alte Schnee ein wenig abgegangen, welcher den gantzen Winter gelegen, und 14. Tage vor Weyhnachten sich hat angefangen, und ein standhafter Winter gewesen. Eckarth.

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[140/0144] Anno 1736. sahe es abermahl gar schlecht aus, weil die Mittel-Saat verdorben, dazu kam im Sommer eine grosse Nässe, daher alles sehr theuer, und grosse Noth unter den armen Leuten war, weil auch nichts zuverdienen war. Das Leinwand machen wahr sehr schlecht, und kriegten die Lohnweber nur ein schlechtes Lohn, das Ruhe Garn galt das Stück nur 5. bis 6. gl. und der Flachs war dabey theuer, also war das Hungerleyden gar gemein, weil alles zu viel koste, was man ins Maul steckte. Der Scheffel Korn galt zu Ausgang des Jahres 4. thl. Waitzen 4. thl. 6. gl. Gerste 2. thl. 16. gl. Erbsen 3. thl. 16. gl. Hafer 1. thl. 8. gl. Ein Messel Waitzen weisses Mehl galt 2. Kgl. Schrott-Mehl 1. gl. Mittel-Mehl 8. pf. Rocken-Mehl 5. Kays. Kreutzer. Gersten-Mehl 4. Kayser Kreutzer. Anno 1737. war das Elend noch grösser, dieweil der Verdienst noch schlechter war, und die Lebens Mittel stiegen auch noch höher, daher man leicht erachten kan, wie es bey den Armuth ausgesehen hat, sie kauften in den Mühlen, das so genannte Steinaß, daß sonst die Schweine kriegen, gantz auf, und buchen dasselbe und kochten Suppen und Pappen drauß. Ein Scheffel Korn galt 4. thl. 3 gl. Waitzen 4. thl. 7. gl. Gerste 3. thl. Erbsen 3. thl. 16. gl. Hafer. 1. thl. 14. gl. ein Viertel Lein, galt 1. thl. 4. bis 6. gl. Ein Messel Waitzen weisses Mehl galt hier 1. gl. 9. pf. Ein 3. gl. Brod wug 4. biß 4⅓ Pf. etc. Anitzo hoffet ein jedes daß es wieder wohlfeiler werden wird. Zumahl das liebe Korn biß 16. gl. schon abgeschlagen hat, und auch die Erndte angehet, nun der liebe GOtt erbarme sich unser aller, und gebe uns aus Gnaden eine geseegnete Erndte, und lasse es uns in Friede und Ruhe geniessen. den 23. Jul. 1737. X. Kalte Winter. Anno 1683. den 14. Jan. legte es den ersten Schnee, er fiel häuffig mit Wind und Ungestüm, lag biß den 21. Martz da er häuffig wieder fort gieng. Gr. Anno 1689. im Jan. war fast ein unerträgliches Winter-Wetter von Kälte Schnee, und Wind. Gr. Anno 1695. die letzte Woche des Martii hat es zum erstenmahl getauet, und der alte Schnee ein wenig abgegangen, welcher den gantzen Winter gelegen, und 14. Tage vor Weyhnachten sich hat angefangen, und ein standhafter Winter gewesen. Eckarth.

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Zitationshilfe: Eckarth, Friedrich: Chronica Oder Historische Beschreibung Des Dorffes Herwigsdorff. 1737, S. 140. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/eckarth_chronica_1737/144>, abgerufen am 15.04.2021.