Varnhagen von Ense, Karl August: Reiz und Liebe. In: Deutscher Novellenschatz. Hrsg. von Paul Heyse und Hermann Kurz. Bd. 15. 2. Aufl. Berlin, [1910], S. 1–79. In: Weitin, Thomas (Hrsg.): Volldigitalisiertes Korpus. Der Deutsche Novellenschatz. Darmstadt/Konstanz, 2016.hatte, trat jetzt an meine Seite, und sagte, wir wollten nach Hause fahren. Ich war es gern zufrieden und folgte ihm nach einem flüchtigen Abschied, den ich von der Gesellschaft nahm, zu dem Wagen. Als wir auf den Platz traten, wo die Kutscher standen und warteten, grüßte mich einer derselben ganz vertraulich und ries mich um ein Trinkgeld an, ich aber sagte verdrießlich zu Anton: Was will der Kerl von mir, ich kenne ihn nicht! -- O, versetzte der Kutscher behaglich, ich kenne den Herrn sehr wohl, ich habe Sie ja einmal Abends mit Madam Braun nach Hause gefahren. -- Eugeniens Name fiel mir aufs Herz, ich stand still und fragte, wann und wo das geschehen wäre? Es ergab sich, daß dies derselbe Kutscher war, der an jenem ersten Abend, als ich Eugenien aus dem Schauspiel in das Gedränge gebracht halte, seinen Wagen mit auffallender Bereitwilligkeit meiner Verfügung überlassen hatte. -- Ich habe Madam oft genug so gut wie meinen Herrn gefahren, sagte er, und ihr Haus kenne ich wie meines, aber mein Herr, der hatte den Tag warten müssen, und machte einen schönen Lärm. -- Mir klärte sich Alles auf. Bei wem dienst du? fragte ich hastig. -- Beim Baron Lauenstädt, sagte der Kutscher, aber heute fahre ich seinen Bruder, denn er selbst ist die ganze Zeit verreis't gewesen und soll erst morgen wiederkommen. -- Ich drückte ihm eiligst einige Zettel in die Hand und warf mich mit Anton in den Wagen, der uns nach der Stadt zurückfuhr. hatte, trat jetzt an meine Seite, und sagte, wir wollten nach Hause fahren. Ich war es gern zufrieden und folgte ihm nach einem flüchtigen Abschied, den ich von der Gesellschaft nahm, zu dem Wagen. Als wir auf den Platz traten, wo die Kutscher standen und warteten, grüßte mich einer derselben ganz vertraulich und ries mich um ein Trinkgeld an, ich aber sagte verdrießlich zu Anton: Was will der Kerl von mir, ich kenne ihn nicht! — O, versetzte der Kutscher behaglich, ich kenne den Herrn sehr wohl, ich habe Sie ja einmal Abends mit Madam Braun nach Hause gefahren. — Eugeniens Name fiel mir aufs Herz, ich stand still und fragte, wann und wo das geschehen wäre? Es ergab sich, daß dies derselbe Kutscher war, der an jenem ersten Abend, als ich Eugenien aus dem Schauspiel in das Gedränge gebracht halte, seinen Wagen mit auffallender Bereitwilligkeit meiner Verfügung überlassen hatte. — Ich habe Madam oft genug so gut wie meinen Herrn gefahren, sagte er, und ihr Haus kenne ich wie meines, aber mein Herr, der hatte den Tag warten müssen, und machte einen schönen Lärm. — Mir klärte sich Alles auf. Bei wem dienst du? fragte ich hastig. — Beim Baron Lauenstädt, sagte der Kutscher, aber heute fahre ich seinen Bruder, denn er selbst ist die ganze Zeit verreis't gewesen und soll erst morgen wiederkommen. — Ich drückte ihm eiligst einige Zettel in die Hand und warf mich mit Anton in den Wagen, der uns nach der Stadt zurückfuhr. <TEI> <text> <body> <div type="chapter" n="0"> <p><pb facs="#f0073"/> hatte, trat jetzt an meine Seite, und sagte, wir wollten nach Hause fahren. Ich war es gern zufrieden und folgte ihm nach einem flüchtigen Abschied, den ich von der Gesellschaft nahm, zu dem Wagen. Als wir auf den Platz traten, wo die Kutscher standen und warteten, grüßte mich einer derselben ganz vertraulich und ries mich um ein Trinkgeld an, ich aber sagte verdrießlich zu Anton: Was will der Kerl von mir, ich kenne ihn nicht! — O, versetzte der Kutscher behaglich, ich kenne den Herrn sehr wohl, ich habe Sie ja einmal Abends mit Madam Braun nach Hause gefahren. — Eugeniens Name fiel mir aufs Herz, ich stand still und fragte, wann und wo das geschehen wäre? Es ergab sich, daß dies derselbe Kutscher war, der an jenem ersten Abend, als ich Eugenien aus dem Schauspiel in das Gedränge gebracht halte, seinen Wagen mit auffallender Bereitwilligkeit meiner Verfügung überlassen hatte. — Ich habe Madam oft genug so gut wie meinen Herrn gefahren, sagte er, und ihr Haus kenne ich wie meines, aber mein Herr, der hatte den Tag warten müssen, und machte einen schönen Lärm. — Mir klärte sich Alles auf. Bei wem dienst du? fragte ich hastig. — Beim Baron Lauenstädt, sagte der Kutscher, aber heute fahre ich seinen Bruder, denn er selbst ist die ganze Zeit verreis't gewesen und soll erst morgen wiederkommen. — Ich drückte ihm eiligst einige Zettel in die Hand und warf mich mit Anton in den Wagen, der uns nach der Stadt zurückfuhr.</p><lb/> </div> </body> </text> </TEI> [0073]
hatte, trat jetzt an meine Seite, und sagte, wir wollten nach Hause fahren. Ich war es gern zufrieden und folgte ihm nach einem flüchtigen Abschied, den ich von der Gesellschaft nahm, zu dem Wagen. Als wir auf den Platz traten, wo die Kutscher standen und warteten, grüßte mich einer derselben ganz vertraulich und ries mich um ein Trinkgeld an, ich aber sagte verdrießlich zu Anton: Was will der Kerl von mir, ich kenne ihn nicht! — O, versetzte der Kutscher behaglich, ich kenne den Herrn sehr wohl, ich habe Sie ja einmal Abends mit Madam Braun nach Hause gefahren. — Eugeniens Name fiel mir aufs Herz, ich stand still und fragte, wann und wo das geschehen wäre? Es ergab sich, daß dies derselbe Kutscher war, der an jenem ersten Abend, als ich Eugenien aus dem Schauspiel in das Gedränge gebracht halte, seinen Wagen mit auffallender Bereitwilligkeit meiner Verfügung überlassen hatte. — Ich habe Madam oft genug so gut wie meinen Herrn gefahren, sagte er, und ihr Haus kenne ich wie meines, aber mein Herr, der hatte den Tag warten müssen, und machte einen schönen Lärm. — Mir klärte sich Alles auf. Bei wem dienst du? fragte ich hastig. — Beim Baron Lauenstädt, sagte der Kutscher, aber heute fahre ich seinen Bruder, denn er selbst ist die ganze Zeit verreis't gewesen und soll erst morgen wiederkommen. — Ich drückte ihm eiligst einige Zettel in die Hand und warf mich mit Anton in den Wagen, der uns nach der Stadt zurückfuhr.
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| Zitationshilfe: | Varnhagen von Ense, Karl August: Reiz und Liebe. In: Deutscher Novellenschatz. Hrsg. von Paul Heyse und Hermann Kurz. Bd. 15. 2. Aufl. Berlin, [1910], S. 1–79. In: Weitin, Thomas (Hrsg.): Volldigitalisiertes Korpus. Der Deutsche Novellenschatz. Darmstadt/Konstanz, 2016, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/ense_liebe_1910/73>, abgerufen am 11.09.2024. |


