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Erbkam, Georg Gustav: Tagebuch meiner egyptischen Reise. Teil 1. Ägypten, 1842-1843.

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Mittwoch den 19ten April 1843. Mit Omar und einem unsrer Wächter, Abd el Wahat reite ich heut auf Bonomi's Kameel nach der Knickpyramide von Daschur, wo ich den ganzen, ziemlich heißen Tag mit Aufnahme des umliegenden Terrains hinbringe; erst nach Sonnenuntergang komme ich höchlichst ermüdet heim. Lepsius sowohl wie Frey finde ich fortdauernd krank; Ersterer ist so nervös aufgeregt, daß ich ein Nervenfieber fürchte; Letzterer hat, wie es scheint, Wechselfieber; Beide sehen sehr elend aus, und werden wahrscheinlich morgen nach Cairo gehen, um sich unter Pruners Leitung herstellen zu lassen. So freilich schiebt sich unser Aufenthalt hier wieder ins Ungewisse hinaus; aber es geht leider nicht anders. Um Mittag haben wir 27° Hitze.

Donnerstag den 20ten April. Es kostet Überredung von unsrer Seite, Lepsius wie Frey dazu zu vermögen, nach Cairo zu gehen; endlich willigen sie ein und machen mit Eugen und Hassan gegen 10 Uhr fort; ich gehe heut nicht nach Daschur, sondern will Morgen den Plan beendigen. Mit Abeken und Bonomi gehe ich auf das Plateau, wo in unsrer Gegenwart von Massara's Leuten ein roher steinerner Sarkophag in einem Brunnen geöffnet wird, es ist eine schöngewickelte, aber gänzlich verkohlte Mumie darin, scheinbar aus römischer Zeit ohne irgendwelchen Schmuck oder Merkwürdigkeit. - Am Mittag halte ich ein Schläfchen und arbeite nachher noch etwas an meiner Karte. Der Tag ist heiß aber schön. Abends um 9 Uhr kommt regelmäßig der Schech oder sein Bruder mit seinen Leuten zur Wache.

Freitag den 21ten April 1843. Mit dem Diener Omar und dem Wächter Abd el Wahat mache ich heut zu Esel wieder nach dem Terrain von Daschur, wo ich den letzten Theil dieses großen und ermüdenden Plateaus aufnehme. Schon bei guter Zeit werde ich fertig, und komme etwa um

Mittwoch den 19ten April 1843. Mit Omar und einem unsrer Wächter, Abd el Wahat reite ich heut auf Bonomi’s Kameel nach der Knickpyramide von Daschur, wo ich den ganzen, ziemlich heißen Tag mit Aufnahme des umliegenden Terrains hinbringe; erst nach Sonnenuntergang komme ich höchlichst ermüdet heim. Lepsius sowohl wie Frey finde ich fortdauernd krank; Ersterer ist so nervös aufgeregt, daß ich ein Nervenfieber fürchte; Letzterer hat, wie es scheint, Wechselfieber; Beide sehen sehr elend aus, und werden wahrscheinlich morgen nach Cairo gehen, um sich unter Pruners Leitung herstellen zu lassen. So freilich schiebt sich unser Aufenthalt hier wieder ins Ungewisse hinaus; aber es geht leider nicht anders. Um Mittag haben wir 27° Hitze.

Donnerstag den 20ten April. Es kostet Überredung von unsrer Seite, Lepsius wie Frey dazu zu vermögen, nach Cairo zu gehen; endlich willigen sie ein und machen mit Eugen und Hassan gegen 10 Uhr fort; ich gehe heut nicht nach Daschur, sondern will Morgen den Plan beendigen. Mit Abeken und Bonomi gehe ich auf das Plateau, wo in unsrer Gegenwart von Massara’s Leuten ein roher steinerner Sarkophag in einem Brunnen geöffnet wird, es ist eine schöngewickelte, aber gänzlich verkohlte Mumie darin, scheinbar aus römischer Zeit ohne irgendwelchen Schmuck oder Merkwürdigkeit. - Am Mittag halte ich ein Schläfchen und arbeite nachher noch etwas an meiner Karte. Der Tag ist heiß aber schön. Abends um 9 Uhr kommt regelmäßig der Schech oder sein Bruder mit seinen Leuten zur Wache.

Freitag den 21ten April 1843. Mit dem Diener Omar und dem Wächter Abd el Wahat mache ich heut zu Esel wieder nach dem Terrain von Daschur, wo ich den letzten Theil dieses großen und ermüdenden Plateaus aufnehme. Schon bei guter Zeit werde ich fertig, und komme etwa um

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Zitationshilfe: Erbkam, Georg Gustav: Tagebuch meiner egyptischen Reise. Teil 1. Ägypten, 1842-1843, S. 195. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/erbkam_tagebuch01_1842/196>, abgerufen am 24.05.2022.