Estor, Johann Georg: Der Teutschen rechtsgelahrheit. Bd. 3. Frankfurt (Main), 1767.des teutsch. rechtes, dessen nohtwend. etc. rainität etwas gewusst, noch wissen wollen. Undweil sie dem aberglauben sehr ergeben waren; so wurden ihre schlüsse, und sazungen mit dem neu- monde abgeredet; aus eben dem grunde verfilen sie auf die judicia divina, gottesurtel, die feuer- und wasserproben etc, welches aus dem mangel der weltweißheit herkam. 5) Hatten sie eine sache; so lissen sie richter, und schöppen darüber urtei- len. Es musste aber derjenige, welcher richter, und schöppen verlangete, sie tractiren. Daher kömmt auch wohl: daß man noch die commissarien tra- ctiret. Hirauf kamen im 5ten jarhunderte, und folgenden zeiten die geschribene gesäze der teutschen völker zum vorscheine, welche im § 5 bemerket sind, wovon der Polac im system. iurispr. ciu. Germ. antiq. unter behörigen titel einen guten gebrauch gemachet hat. Der andere periodus gründet sich auf disen saz: nachdem die Carolinger ausgestor- ben, und abgegangen waren, fingen die capitula- ria an: durch den nichtgebrauch, in absicht auf die wirkung der gesäze, zu erlöschen, an deren stel- len die gewonheiten aufkamen, und als solche be- trachtet wurden (§ 6). Solchemnach haben die capitularien nur noch usum dogmaticum bei uns, das ist, daß man die gewonheiten daraus erkläre. Die gewonheiten hat man nachher in die samm- lungen der Sachsen- und Schwaben-rechte etc. ge- bracht. Es machen zwar einige viererlei teutsche rechte namhaft, als 1) das Sachsen- 2) Franken- 3) Schwaben- 4) das Baierische recht; allein, da die drei leztere nur in einigen kleinigkeiten, und zufälligen puncten von einander unterschiden sind, auch bloß verschidene namen haben; so bleiben die erwänte 2 haubtrechte die urquellen (§ 20 § 21). Ausser dem haben die städte auch stadt- rechte erhalten, und sind dafür besorget gewesen; nicht
des teutſch. rechtes, deſſen nohtwend. ꝛc. rainitaͤt etwas gewuſſt, noch wiſſen wollen. Undweil ſie dem aberglauben ſehr ergeben waren; ſo wurden ihre ſchluͤſſe, und ſazungen mit dem neu- monde abgeredet; aus eben dem grunde verfilen ſie auf die judicia divina, gottesurtel, die feuer- und waſſerproben ꝛc, welches aus dem mangel der weltweißheit herkam. 5) Hatten ſie eine ſache; ſo liſſen ſie richter, und ſchoͤppen daruͤber urtei- len. Es muſſte aber derjenige, welcher richter, und ſchoͤppen verlangete, ſie tractiren. Daher koͤmmt auch wohl: daß man noch die commiſſarien tra- ctiret. Hirauf kamen im 5ten jarhunderte, und folgenden zeiten die geſchribene geſaͤze der teutſchen voͤlker zum vorſcheine, welche im § 5 bemerket ſind, wovon der Polac im ſyſtem. iurispr. ciu. Germ. antiq. unter behoͤrigen titel einen guten gebrauch gemachet hat. Der andere periodus gruͤndet ſich auf diſen ſaz: nachdem die Carolinger ausgeſtor- ben, und abgegangen waren, fingen die capitula- ria an: durch den nichtgebrauch, in abſicht auf die wirkung der geſaͤze, zu erloͤſchen, an deren ſtel- len die gewonheiten aufkamen, und als ſolche be- trachtet wurden (§ 6). Solchemnach haben die capitularien nur noch uſum dogmaticum bei uns, das iſt, daß man die gewonheiten daraus erklaͤre. Die gewonheiten hat man nachher in die ſamm- lungen der Sachſen- und Schwaben-rechte ꝛc. ge- bracht. Es machen zwar einige viererlei teutſche rechte namhaft, als 1) das Sachſen- 2) Franken- 3) Schwaben- 4) das Baieriſche recht; allein, da die drei leztere nur in einigen kleinigkeiten, und zufaͤlligen puncten von einander unterſchiden ſind, auch bloß verſchidene namen haben; ſo bleiben die erwaͤnte 2 haubtrechte die urquellen (§ 20 § 21). Auſſer dem haben die ſtaͤdte auch ſtadt- rechte erhalten, und ſind dafuͤr beſorget geweſen; nicht
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des teutſch. rechtes, deſſen nohtwend. ꝛc.
rainitaͤt etwas gewuſſt, noch wiſſen wollen. Und
weil ſie dem aberglauben ſehr ergeben waren; ſo
wurden ihre ſchluͤſſe, und ſazungen mit dem neu-
monde abgeredet; aus eben dem grunde verfilen
ſie auf die judicia divina, gottesurtel, die feuer-
und waſſerproben ꝛc, welches aus dem mangel der
weltweißheit herkam. 5) Hatten ſie eine ſache;
ſo liſſen ſie richter, und ſchoͤppen daruͤber urtei-
len. Es muſſte aber derjenige, welcher richter, und
ſchoͤppen verlangete, ſie tractiren. Daher koͤmmt
auch wohl: daß man noch die commiſſarien tra-
ctiret. Hirauf kamen im 5ten jarhunderte, und
folgenden zeiten die geſchribene geſaͤze der teutſchen
voͤlker zum vorſcheine, welche im § 5 bemerket ſind,
wovon der Polac im ſyſtem. iurispr. ciu. Germ.
antiq. unter behoͤrigen titel einen guten gebrauch
gemachet hat. Der andere periodus gruͤndet ſich
auf diſen ſaz: nachdem die Carolinger ausgeſtor-
ben, und abgegangen waren, fingen die capitula-
ria an: durch den nichtgebrauch, in abſicht auf
die wirkung der geſaͤze, zu erloͤſchen, an deren ſtel-
len die gewonheiten aufkamen, und als ſolche be-
trachtet wurden (§ 6). Solchemnach haben die
capitularien nur noch uſum dogmaticum bei uns,
das iſt, daß man die gewonheiten daraus erklaͤre.
Die gewonheiten hat man nachher in die ſamm-
lungen der Sachſen- und Schwaben-rechte ꝛc. ge-
bracht. Es machen zwar einige viererlei teutſche
rechte namhaft, als 1) das Sachſen- 2) Franken-
3) Schwaben- 4) das Baieriſche recht; allein,
da die drei leztere nur in einigen kleinigkeiten, und
zufaͤlligen puncten von einander unterſchiden ſind,
auch bloß verſchidene namen haben; ſo bleiben
die erwaͤnte 2 haubtrechte die urquellen (§ 20
§ 21). Auſſer dem haben die ſtaͤdte auch ſtadt-
rechte erhalten, und ſind dafuͤr beſorget geweſen;
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| Zitationshilfe: | Estor, Johann Georg: Der Teutschen rechtsgelahrheit. Bd. 3. Frankfurt (Main), 1767, S. 11. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit03_1767/35>, abgerufen am 11.09.2024. |


