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Finen, Eberhard: Der unbewegliche Damm der Gläubigen. Braunschweig, [1716].

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Die klagende Themis.
ES dreüe Sturm und Zeit den Untergang der Welt / Die Sonnen-Bilder mag gleich Lufft und Well aufreiben / So muß doch wenn Porphir wenn Alabaster fällt / Der späten Affter-Welt davon was übrig bleiben: Die naße Flut lescht zwar Pompejens Nahmen auß / Des Constantini Bild wird Moder Staub und Grauß / Doch kan man heute noch auf alten Steinen lesen / Daß sie ein Ehren-Mahl der Fürsten sind gewesen. Der Mensch nur stirbt viel eh als was kein Leben hat / Der Mensch in dem GOtt selbst sein Eben-Bild gepräget / Denn wen Aegypten schon nach Sothis klugen Rath / Die Leichen balsamirt in kostbar Holtz einleget / So ists ein Nacht-Wurm nur an dem der Glantz verdirbt / So bald sein Wesen ihm durch einen Zufall stirbt / Die Schalen bleiben zwar doch Seele Geist und Leben / Kan auch kein Theophrast den Todten wieder geben. Drum sagt manch weyser Mann der Erden gute Nacht / Ob er schon würdig ist daß seines Lebens-Gräntzen / Auch selbst die Ewigkeit mit ihren Zirckul macht / Weil bey ihm Witz und Fleiß mehr als die Jahre gläntzen. Was aber solcher Fall vor Leid und Kummer stifft / Bezeichnet dieser Tag mit einer Trauer-Schrifft / Da der berühmte Damm gleich wie ein Licht verschwindet / Und vor dem Alter noch das Ziel der Jahre findet. Er stirbt / und auch zugleich mit Ihm sein kluger Sinn / Der ein Oracul war der dunckeln Rechtes-Fragen / Die Themis schaut bestürtzt auf diese Bahre hin / Und will bey dem Verlust fast ohne Trost verzagen / Sie wirfft Ihr Schwerd hinweg / reist Krantz und Binden ab / Der Augen Wasser-Röhr benetzt dis wehrte Grab.
Die klagende Themis.
ES dreüe Sturm und Zeit den Untergang der Welt / Die Sonnen-Bilder mag gleich Lufft und Well aufreiben / So muß doch wenn Porphir wenn Alabaster fällt / Der späten Affter-Welt davon was übrig bleiben: Die naße Flut lescht zwar Pompejens Nahmen auß / Des Constantini Bild wird Moder Staub und Grauß / Doch kan man heute noch auf alten Steinen lesen / Daß sie ein Ehren-Mahl der Fürsten sind gewesen. Der Mensch nur stirbt viel eh als was kein Leben hat / Der Mensch in dem GOtt selbst sein Eben-Bild gepräget / Denn wen Aegypten schon nach Sothis klugen Rath / Die Leichen balsamirt in kostbar Holtz einleget / So ists ein Nacht-Wurm nur an dem der Glantz verdirbt / So bald sein Wesen ihm durch einen Zufall stirbt / Die Schalen bleiben zwar doch Seele Geist und Leben / Kan auch kein Theophrast den Todten wieder geben. Drum sagt manch weyser Mann der Erden gute Nacht / Ob er schon würdig ist daß seines Lebens-Gräntzen / Auch selbst die Ewigkeit mit ihren Zirckul macht / Weil bey ihm Witz und Fleiß mehr als die Jahre gläntzen. Was aber solcher Fall vor Leid und Kummer stifft / Bezeichnet dieser Tag mit einer Trauer-Schrifft / Da der berühmte Dam̃ gleich wie ein Licht verschwindet / Und vor dem Alter noch das Ziel der Jahre findet. Er stirbt / und auch zugleich mit Ihm sein kluger Sinn / Der ein Oracul war der dunckeln Rechtes-Fragen / Die Themis schaut bestürtzt auf diese Bahre hin / Und will bey dem Verlust fast ohne Trost verzagen / Sie wirfft Ihr Schwerd hinweg / reist Krantz und Binden ab / Der Augen Wasser-Röhr benetzt dis wehrte Grab.
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[0069] Die klagende Themis. ES dreüe Sturm und Zeit den Untergang der Welt / Die Sonnen-Bilder mag gleich Lufft und Well aufreiben / So muß doch wenn Porphir wenn Alabaster fällt / Der späten Affter-Welt davon was übrig bleiben: Die naße Flut lescht zwar Pompejens Nahmen auß / Des Constantini Bild wird Moder Staub und Grauß / Doch kan man heute noch auf alten Steinen lesen / Daß sie ein Ehren-Mahl der Fürsten sind gewesen. Der Mensch nur stirbt viel eh als was kein Leben hat / Der Mensch in dem GOtt selbst sein Eben-Bild gepräget / Denn wen Aegypten schon nach Sothis klugen Rath / Die Leichen balsamirt in kostbar Holtz einleget / So ists ein Nacht-Wurm nur an dem der Glantz verdirbt / So bald sein Wesen ihm durch einen Zufall stirbt / Die Schalen bleiben zwar doch Seele Geist und Leben / Kan auch kein Theophrast den Todten wieder geben. Drum sagt manch weyser Mann der Erden gute Nacht / Ob er schon würdig ist daß seines Lebens-Gräntzen / Auch selbst die Ewigkeit mit ihren Zirckul macht / Weil bey ihm Witz und Fleiß mehr als die Jahre gläntzen. Was aber solcher Fall vor Leid und Kummer stifft / Bezeichnet dieser Tag mit einer Trauer-Schrifft / Da der berühmte Dam̃ gleich wie ein Licht verschwindet / Und vor dem Alter noch das Ziel der Jahre findet. Er stirbt / und auch zugleich mit Ihm sein kluger Sinn / Der ein Oracul war der dunckeln Rechtes-Fragen / Die Themis schaut bestürtzt auf diese Bahre hin / Und will bey dem Verlust fast ohne Trost verzagen / Sie wirfft Ihr Schwerd hinweg / reist Krantz und Binden ab / Der Augen Wasser-Röhr benetzt dis wehrte Grab.

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Zitationshilfe: Finen, Eberhard: Der unbewegliche Damm der Gläubigen. Braunschweig, [1716], S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/finen_damm_1716/69>, abgerufen am 13.04.2021.