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Finen, Eberhard: Kläglicher Sterbe-Wunsch Pauli als Ein Wunsch eines Hohen in der Welt. Braunschweig, 1706.

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seyn / so hat er gewiß ein grosses zu hoffen. Er wil aber auch (II.) diese seine Hoffnung vergrössern / wenn er die verheissenen Glückseeligkeiten hält gegen dasjenige / was die Grossen in der Welt ihnen wünschen möchten. Nach Wunsch der Hohen in der Welt. Nach der eigentlichen Sprache des Heil. Geistes lautet es also: Biß an das Verlangen und wünschen der Spitzen oder Hügel in der Welt. Da denn einiger Gedancken dahin gehen: Jacob habe hiemit dem Joseph zugesagt / daß der Seegen auf seinen Nachkommen bleiben werde / so lange die Welt und Hügel auf der Welt seyn werden. Andere verstehen durch die Hügel der Welt alle Einwohner der Welt / und durch das Verlangen derselben den Messiam, als das Allervornehmste / worauf das Verlangen der Menschen konte gerichtet seyn. Wäre freylich eine grosse Hoffnung gewesen vor dem Joseph / daß sein Geschlecht so lange solte im Flor und Glückseeligkeit bleiben / biß der Heyland der Welt der verheissene Messias käme. Wir bleiben aber billig bey der im Text wolgegründeten Ubersetzung und Auslegung des seel. Lutheri und anderer geistreicher Theologorum, welche durch diese Hügel in der Welt verstehen die Grossen / die Vornehmen / die Hohen in der Welt. Was dieselbe nun ihnen wünschen / was sie verlangen / das wird nichts schlechtes / nichts geringes seyn; sondern unverruckter Wolstand ihres Reichs / ihrer Herrschafft / ihrer Güter / und aller ihrer Herrligkeit. So verheist nun Jacob! So gut als es die Vornehmsten / die Mächtigsten in der Welt nicht nur haben / sondern auch wünschen und verlangen künten / so gut solle es Joseph und seine Nachkommen haben.

Wie weit diese Verheissung eingetroffen oder nicht / ist unser Zweck gar nicht zu untersuchen. Ich dencke nur an die Worte: Nach Wunsch / der Hohen in der Welt. Nach itzt gehörter Erklärung solte man wol nichts anders schliessen können / als wenn diejenigen / welche GOTT hoch in der Welt gesetzet / und sie wie Hügel vor andern an ihrer Macht / Gewalt und Herrligkeit hervorragen lassen / auf nichts gedächten und nichts wünscheten / als die Beständigkeit und Zunahme zeitlicher und eiteler Glückseeligkeit; Allein so ists / GOtt Lob! nicht / David und andere Hohen in der Welt / die GOtt geliebet und gefürchtet / haben noch ihre Nachfol-

seyn / so hat er gewiß ein grosses zu hoffen. Er wil aber auch (II.) diese seine Hoffnung vergrössern / wenn er die verheissenen Glückseeligkeiten hält gegen dasjenige / was die Grossen in der Welt ihnen wünschen möchten. Nach Wunsch der Hohen in der Welt. Nach der eigentlichen Sprache des Heil. Geistes lautet es also: Biß an das Verlangen und wünschen der Spitzen oder Hügel in der Welt. Da denn einiger Gedancken dahin gehen: Jacob habe hiemit dem Joseph zugesagt / daß der Seegen auf seinen Nachkommen bleiben werde / so lange die Welt und Hügel auf der Welt seyn werden. Andere verstehen durch die Hügel der Welt alle Einwohner der Welt / und durch das Verlangen derselben den Messiam, als das Allervornehmste / worauf das Verlangen der Menschen konte gerichtet seyn. Wäre freylich eine grosse Hoffnung gewesen vor dem Joseph / daß sein Geschlecht so lange solte im Flor und Glückseeligkeit bleiben / biß der Heyland der Welt der verheissene Messias käme. Wir bleiben aber billig bey der im Text wolgegründeten Ubersetzung und Auslegung des seel. Lutheri und anderer geistreicher Theologorum, welche durch diese Hügel in der Welt verstehen die Grossen / die Vornehmen / die Hohen in der Welt. Was dieselbe nun ihnen wünschen / was sie verlangen / das wird nichts schlechtes / nichts geringes seyn; sondern unverruckter Wolstand ihres Reichs / ihrer Herrschafft / ihrer Güter / und aller ihrer Herrligkeit. So verheist nun Jacob! So gut als es die Vornehmsten / die Mächtigsten in der Welt nicht nur haben / sondern auch wünschen und verlangen künten / so gut solle es Joseph und seine Nachkommen haben.

Wie weit diese Verheissung eingetroffen oder nicht / ist unser Zweck gar nicht zu untersuchen. Ich dencke nur an die Worte: Nach Wunsch / der Hohen in der Welt. Nach itzt gehörter Erklärung solte man wol nichts anders schliessen können / als wenn diejenigen / welche GOTT hoch in der Welt gesetzet / und sie wie Hügel vor andern an ihrer Macht / Gewalt und Herrligkeit hervorragen lassen / auf nichts gedächten und nichts wünscheten / als die Beständigkeit und Zunahme zeitlicher und eiteler Glückseeligkeit; Allein so ists / GOtt Lob! nicht / David und andere Hohen in der Welt / die GOtt geliebet und gefürchtet / haben noch ihre Nachfol-

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[6/0010] seyn / so hat er gewiß ein grosses zu hoffen. Er wil aber auch (II.) diese seine Hoffnung vergrössern / wenn er die verheissenen Glückseeligkeiten hält gegen dasjenige / was die Grossen in der Welt ihnen wünschen möchten. Nach Wunsch der Hohen in der Welt. Nach der eigentlichen Sprache des Heil. Geistes lautet es also: Biß an das Verlangen und wünschen der Spitzen oder Hügel in der Welt. Da denn einiger Gedancken dahin gehen: Jacob habe hiemit dem Joseph zugesagt / daß der Seegen auf seinen Nachkommen bleiben werde / so lange die Welt und Hügel auf der Welt seyn werden. Andere verstehen durch die Hügel der Welt alle Einwohner der Welt / und durch das Verlangen derselben den Messiam, als das Allervornehmste / worauf das Verlangen der Menschen konte gerichtet seyn. Wäre freylich eine grosse Hoffnung gewesen vor dem Joseph / daß sein Geschlecht so lange solte im Flor und Glückseeligkeit bleiben / biß der Heyland der Welt der verheissene Messias käme. Wir bleiben aber billig bey der im Text wolgegründeten Ubersetzung und Auslegung des seel. Lutheri und anderer geistreicher Theologorum, welche durch diese Hügel in der Welt verstehen die Grossen / die Vornehmen / die Hohen in der Welt. Was dieselbe nun ihnen wünschen / was sie verlangen / das wird nichts schlechtes / nichts geringes seyn; sondern unverruckter Wolstand ihres Reichs / ihrer Herrschafft / ihrer Güter / und aller ihrer Herrligkeit. So verheist nun Jacob! So gut als es die Vornehmsten / die Mächtigsten in der Welt nicht nur haben / sondern auch wünschen und verlangen künten / so gut solle es Joseph und seine Nachkommen haben. Wie weit diese Verheissung eingetroffen oder nicht / ist unser Zweck gar nicht zu untersuchen. Ich dencke nur an die Worte: Nach Wunsch / der Hohen in der Welt. Nach itzt gehörter Erklärung solte man wol nichts anders schliessen können / als wenn diejenigen / welche GOTT hoch in der Welt gesetzet / und sie wie Hügel vor andern an ihrer Macht / Gewalt und Herrligkeit hervorragen lassen / auf nichts gedächten und nichts wünscheten / als die Beständigkeit und Zunahme zeitlicher und eiteler Glückseeligkeit; Allein so ists / GOtt Lob! nicht / David und andere Hohen in der Welt / die GOtt geliebet und gefürchtet / haben noch ihre Nachfol-

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Zitationshilfe: Finen, Eberhard: Kläglicher Sterbe-Wunsch Pauli als Ein Wunsch eines Hohen in der Welt. Braunschweig, 1706, S. 6. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/finen_sterbewunsch_1707/10>, abgerufen am 13.05.2021.