1115 existirten nur fünf Cistercienser-Klöster, 1119 bereits vierzehn, aber sämmtlich noch innerhalb Frankreichs und auf verhältnißmäßig engem Gebiet; zwanzig Jahre später sehen wir den Orden, in immer rascherem Wachsen, von der Loire an den Rhein, vom Rhein an die Weser und endlich von der Weser bis an und über die Elbe vorgedrungen. 1180 erschie- nen seine ersten Mönche in der Mark.
An wenigen Orten mochten die Vorzüge speciell dieses Ordens so in die Augen springend sein als in der Mark, und zwar um deshalb, weil sie an keinem andern Orte gleich benö- thigt waren, nirgends ein ausgesprocheneres Feld für ihre Thätigkeit fanden. Wo die Unkultur zu Hause war, hatten die Kulturbringer ihr natürlichstes Feld. Rechnen wir die Nonnen- klöster desselben Ordens mit ein, die, wenigstens was die Bekehrung, Lehre und Unterweisung angeht, die gleichen Ziele wie die Mönchsklöster verfolgten, so haben wir über 20 Cistercienser-Klöster in der Mark und Lausitz zu ver- zeichnen, von denen die große Mehrzahl vor Ablauf eines Jahr- hunderts entstand. Weder die Prämonstratenser und Karthäuser gleichzeitig mit ihnen, noch auch später die die Städte suchenden Dominikaner und Franziskaner, sind ihnen an Ansehn und rascher Verbreitung gleich gekommen.
Dem Zeitpunkt ihrer Entstehung nach folgen diese märkisch- lausitzischen Cistercienser-Klöster wie folgt auf einander:
Zinna, Mönchskloster, in der Nähe von Jüterbog, 1171.
Lehnin, Mönchskloster, in der Nähe von Brandenburg, 1180.
Dobrilugk, Mönchskloster, in der Lausitz, 1180 -- 90.
Neuzelle, Mönchskloster, in der Lausitz, 1230.
Marienfließ oder Stepnitz, Nonnenkloster, in der Prieg- nitz, 1230.
Dransee, Mönchskloster, in der Priegnitz, 1233.
Paradies, Mönchskloster, im Posenschen (früher Neumark), 1234.
Marienthal, Nonnenkloster, in der Lausitz, 1234.
1115 exiſtirten nur fünf Ciſtercienſer-Klöſter, 1119 bereits vierzehn, aber ſämmtlich noch innerhalb Frankreichs und auf verhältnißmäßig engem Gebiet; zwanzig Jahre ſpäter ſehen wir den Orden, in immer raſcherem Wachſen, von der Loire an den Rhein, vom Rhein an die Weſer und endlich von der Weſer bis an und über die Elbe vorgedrungen. 1180 erſchie- nen ſeine erſten Mönche in der Mark.
An wenigen Orten mochten die Vorzüge ſpeciell dieſes Ordens ſo in die Augen ſpringend ſein als in der Mark, und zwar um deshalb, weil ſie an keinem andern Orte gleich benö- thigt waren, nirgends ein ausgeſprocheneres Feld für ihre Thätigkeit fanden. Wo die Unkultur zu Hauſe war, hatten die Kulturbringer ihr natürlichſtes Feld. Rechnen wir die Nonnen- klöſter deſſelben Ordens mit ein, die, wenigſtens was die Bekehrung, Lehre und Unterweiſung angeht, die gleichen Ziele wie die Mönchsklöſter verfolgten, ſo haben wir über 20 Ciſtercienſer-Klöſter in der Mark und Lauſitz zu ver- zeichnen, von denen die große Mehrzahl vor Ablauf eines Jahr- hunderts entſtand. Weder die Prämonſtratenſer und Karthäuſer gleichzeitig mit ihnen, noch auch ſpäter die die Städte ſuchenden Dominikaner und Franziskaner, ſind ihnen an Anſehn und raſcher Verbreitung gleich gekommen.
Dem Zeitpunkt ihrer Entſtehung nach folgen dieſe märkiſch- lauſitziſchen Ciſtercienſer-Klöſter wie folgt auf einander:
Zinna, Mönchskloſter, in der Nähe von Jüterbog, 1171.
Lehnin, Mönchskloſter, in der Nähe von Brandenburg, 1180.
Dobrilugk, Mönchskloſter, in der Lauſitz, 1180 — 90.
Neuzelle, Mönchskloſter, in der Lauſitz, 1230.
Marienfließ oder Stepnitz, Nonnenkloſter, in der Prieg- nitz, 1230.
Dranſee, Mönchskloſter, in der Priegnitz, 1233.
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1115 exiſtirten nur fünf Ciſtercienſer-Klöſter, 1119
bereits vierzehn, aber ſämmtlich noch innerhalb Frankreichs und
auf verhältnißmäßig engem Gebiet; zwanzig Jahre ſpäter ſehen
wir den Orden, in immer raſcherem Wachſen, von der Loire
an den Rhein, vom Rhein an die Weſer und endlich von der
Weſer bis an und über die Elbe vorgedrungen. 1180 erſchie-
nen ſeine erſten Mönche in der Mark.
An wenigen Orten mochten die Vorzüge ſpeciell dieſes
Ordens ſo in die Augen ſpringend ſein als in der Mark, und
zwar um deshalb, weil ſie an keinem andern Orte gleich benö-
thigt waren, nirgends ein ausgeſprocheneres Feld für ihre
Thätigkeit fanden. Wo die Unkultur zu Hauſe war, hatten die
Kulturbringer ihr natürlichſtes Feld. Rechnen wir die Nonnen-
klöſter deſſelben Ordens mit ein, die, wenigſtens was die
Bekehrung, Lehre und Unterweiſung angeht, die gleichen Ziele
wie die Mönchsklöſter verfolgten, ſo haben wir über 20
Ciſtercienſer-Klöſter in der Mark und Lauſitz zu ver-
zeichnen, von denen die große Mehrzahl vor Ablauf eines Jahr-
hunderts entſtand. Weder die Prämonſtratenſer und Karthäuſer
gleichzeitig mit ihnen, noch auch ſpäter die die Städte ſuchenden
Dominikaner und Franziskaner, ſind ihnen an Anſehn und
raſcher Verbreitung gleich gekommen.
Dem Zeitpunkt ihrer Entſtehung nach folgen dieſe märkiſch-
lauſitziſchen Ciſtercienſer-Klöſter wie folgt auf einander:
Zinna, Mönchskloſter, in der Nähe von Jüterbog, 1171.
Lehnin, Mönchskloſter, in der Nähe von Brandenburg,
1180.
Dobrilugk, Mönchskloſter, in der Lauſitz, 1180 — 90.
Neuzelle, Mönchskloſter, in der Lauſitz, 1230.
Marienfließ oder Stepnitz, Nonnenkloſter, in der Prieg-
nitz, 1230.
Dranſee, Mönchskloſter, in der Priegnitz, 1233.
Paradies, Mönchskloſter, im Poſenſchen (früher Neumark),
1234.
Marienthal, Nonnenkloſter, in der Lauſitz, 1234.
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Kommentar zur DTA-Ausgabe
Fontanes "Wanderungen" erschienen zuerst in Forts… [mehr]
Fontanes "Wanderungen" erschienen zuerst in Fortsetzungen in der Neuen Preußischen (Kreuz-)Zeitung 1859 bzw. im Morgenblatt für gebildete Leser (zwischen 1860 und 1864). Als Buchausgabe erschien der dritte Band "Ost-Havelland. Die Landschaft um Spandau, Potsdam, Brandenburg" 1873 bei W. Hertz in Berlin. In der Folge wurde der Text von Fontane mehrfach überarbeitet und erweitert. Für das DTA wurde die erste Auflage der Buchausgabe digitalisiert.
Fontane, Theodor: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Bd. 3: Ost-Havelland. Berlin, 1873, S. 70. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/fontane_brandenburg03_1873/88>, abgerufen am 10.08.2024.
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