Und schier als wär' die Gabe zu genießen Selbst nur ein stundenkurzes Blüthensprießen, So jagt man hin, voll fieberhafter Hast, In ewger Furcht, die Stunde sei verpasst.
Ich tanze nicht; -- im Durst nach Luft und Frische Tret' ich seitab in eines Fensters Nische, Und hinter mir jetzt all den Saus und Braus, Blick' ich, aufathmend, in die Nacht hinaus. Die lagert draußen schwarz und schwer und dicht, Mit Eifersucht-umfinstertem Gesicht, Und in des Saales Glanz und Pracht und Schein, Starrt wie der Tod in's Leben sie herein.
Doch lauter immer wird das laute Treiben, Fest drück' die Stirn ich an die feuchten Scheiben,
Und ſchier als wär’ die Gabe zu genießen Selbſt nur ein ſtundenkurzes Blüthenſprießen, So jagt man hin, voll fieberhafter Haſt, In ewger Furcht, die Stunde ſei verpaſſt.
Ich tanze nicht; — im Durſt nach Luft und Friſche Tret’ ich ſeitab in eines Fenſters Niſche, Und hinter mir jetzt all den Saus und Braus, Blick’ ich, aufathmend, in die Nacht hinaus. Die lagert draußen ſchwarz und ſchwer und dicht, Mit Eiferſucht-umfinſtertem Geſicht, Und in des Saales Glanz und Pracht und Schein, Starrt wie der Tod in’s Leben ſie herein.
Doch lauter immer wird das laute Treiben, Feſt drück’ die Stirn ich an die feuchten Scheiben,
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Und ſchier als wär’ die Gabe zu genießen
Selbſt nur ein ſtundenkurzes Blüthenſprießen,
So jagt man hin, voll fieberhafter Haſt,
In ewger Furcht, die Stunde ſei verpaſſt.
Ich tanze nicht; — im Durſt nach Luft
und Friſche
Tret’ ich ſeitab in eines Fenſters Niſche,
Und hinter mir jetzt all den Saus und Braus,
Blick’ ich, aufathmend, in die Nacht hinaus.
Die lagert draußen ſchwarz und ſchwer und
dicht,
Mit Eiferſucht-umfinſtertem Geſicht,
Und in des Saales Glanz und Pracht und Schein,
Starrt wie der Tod in’s Leben ſie herein.
Doch lauter immer wird das laute Treiben,
Feſt drück’ die Stirn ich an die feuchten
Scheiben,
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Fontane, Theodor: Gedichte. Berlin, 1851, S. 290. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/fontane_gedichte_1851/304>, abgerufen am 10.08.2024.
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