Drin wogt es noch; auf Klängen der Musik Schwebt nach wie vor der Glanz der Republik, Noch immer senken taktvoll sich und steigen Die Walzerpaare nach dem Strich der Geigen; Noch immer aus des Contre-Tanzes Touren Erblühen Arabesken und Figuren, Und immer noch, rasch wie Gewitterhusch, Braust der Galopp her im Orchestre-Tusch.
Wohl! rings dasselbe Thun noch und Beginnen, Ich aber jetzt, mit nachtgeschärften Sinnen, Schau durch das Maskenwerk und seinen Schein, Tief in das Herz der Wirklichkeit hinein.
Sieh Jenen dort: es frömmelt sein Gesicht, Mir sagt's sein Aug', daß er von "Tugend" spricht; Sieh, wie so süß er seiner Dame lächelt, Und Kühlung ihr mit seinen Blumen fächelt,
Drin wogt es noch; auf Klängen der Muſik Schwebt nach wie vor der Glanz der Republik, Noch immer ſenken taktvoll ſich und ſteigen Die Walzerpaare nach dem Strich der Geigen; Noch immer aus des Contre-Tanzes Touren Erblühen Arabesken und Figuren, Und immer noch, raſch wie Gewitterhuſch, Brauſt der Galopp her im Orcheſtre-Tuſch.
Wohl! rings daſſelbe Thun noch und Beginnen, Ich aber jetzt, mit nachtgeſchärften Sinnen, Schau durch das Maskenwerk und ſeinen Schein, Tief in das Herz der Wirklichkeit hinein.
Sieh Jenen dort: es frömmelt ſein Geſicht, Mir ſagt’s ſein Aug’, daß er von „Tugend“ ſpricht; Sieh, wie ſo ſüß er ſeiner Dame lächelt, Und Kühlung ihr mit ſeinen Blumen fächelt,
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Drin wogt es noch; auf Klängen der Muſik
Schwebt nach wie vor der Glanz der Republik,
Noch immer ſenken taktvoll ſich und ſteigen
Die Walzerpaare nach dem Strich der Geigen;
Noch immer aus des Contre-Tanzes Touren
Erblühen Arabesken und Figuren,
Und immer noch, raſch wie Gewitterhuſch,
Brauſt der Galopp her im Orcheſtre-Tuſch.
Wohl! rings daſſelbe Thun noch und Beginnen,
Ich aber jetzt, mit nachtgeſchärften Sinnen,
Schau durch das Maskenwerk und ſeinen Schein,
Tief in das Herz der Wirklichkeit hinein.
Sieh Jenen dort: es frömmelt ſein Geſicht,
Mir ſagt’s ſein Aug’, daß er von „Tugend“
ſpricht;
Sieh, wie ſo ſüß er ſeiner Dame lächelt,
Und Kühlung ihr mit ſeinen Blumen fächelt,
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Fontane, Theodor: Gedichte. Berlin, 1851, S. 294. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/fontane_gedichte_1851/308>, abgerufen am 10.08.2024.
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