ihrer Stelle erblicken, sie soll weniger selb- stisch und eng, nicht bloß auf das augen- blickliche Beisammensein bezogen, ausgrei- fender in das bürgerliche und gesellige, wie in das höhere Leben erscheinen, mit einem Worte, sie soll mehr von ihrer göttlichen, als der Erdennatur an sich tragen.
Das Küchlein im eignen Neste zu he- gen und zu pflegen, weiß die thierische wie die menschliche Mutter. Beiden giebt Gott das Wollen und Vollbringen. Schirmend über sie wacht der Vater, er sei Adler oder Sperling, König oder Hirt. Aber die Brust, in welcher der Himmelsfunke zündete, und im Lichte der Liebe, den höchsten Beruf of- fenbarte, die Brust muß sich erweitern, und wenigstens Ahndungen hegen, welche das Mysterium der Welt in allen Abschattungen zurückspiegelt.
Wie soll ich an eine Gattung der Liebe glauben, die nur von sich weiß, und jeden andern Wiederschein ihres allgemeinen Lichtquelles, verspottet und verleugnet?
Was sind es für Herzen, und wie schla-
ihrer Stelle erblicken, ſie ſoll weniger ſelb- ſtiſch und eng, nicht bloß auf das augen- blickliche Beiſammenſein bezogen, ausgrei- fender in das buͤrgerliche und geſellige, wie in das hoͤhere Leben erſcheinen, mit einem Worte, ſie ſoll mehr von ihrer goͤttlichen, als der Erdennatur an ſich tragen.
Das Kuͤchlein im eignen Neſte zu he- gen und zu pflegen, weiß die thieriſche wie die menſchliche Mutter. Beiden giebt Gott das Wollen und Vollbringen. Schirmend uͤber ſie wacht der Vater, er ſei Adler oder Sperling, Koͤnig oder Hirt. Aber die Bruſt, in welcher der Himmelsfunke zuͤndete, und im Lichte der Liebe, den hoͤchſten Beruf of- fenbarte, die Bruſt muß ſich erweitern, und wenigſtens Ahndungen hegen, welche das Myſterium der Welt in allen Abſchattungen zuruͤckſpiegelt.
Wie ſoll ich an eine Gattung der Liebe glauben, die nur von ſich weiß, und jeden andern Wiederſchein ihres allgemeinen Lichtquelles, verſpottet und verleugnet?
Was ſind es fuͤr Herzen, und wie ſchla-
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ſtiſch und eng, nicht bloß auf das augen-
blickliche Beiſammenſein bezogen, ausgrei-
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in das hoͤhere Leben erſcheinen, mit einem
Worte, ſie ſoll mehr von ihrer goͤttlichen, als
der Erdennatur an ſich tragen.
Das Kuͤchlein im eignen Neſte zu he-
gen und zu pflegen, weiß die thieriſche wie
die menſchliche Mutter. Beiden giebt Gott
das Wollen und Vollbringen. Schirmend
uͤber ſie wacht der Vater, er ſei Adler oder
Sperling, Koͤnig oder Hirt. Aber die Bruſt,
in welcher der Himmelsfunke zuͤndete, und
im Lichte der Liebe, den hoͤchſten Beruf of-
fenbarte, die Bruſt muß ſich erweitern, und
wenigſtens Ahndungen hegen, welche das
Myſterium der Welt in allen Abſchattungen
zuruͤckſpiegelt.
Wie ſoll ich an eine Gattung der
Liebe glauben, die nur von ſich weiß, und
jeden andern Wiederſchein ihres allgemeinen
Lichtquelles, verſpottet und verleugnet?
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Fouqué, Caroline de La Motte-: Die Frauen in der großen Welt. Berlin, 1826, S. 205. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/fouque_frauen_1826/209>, abgerufen am 10.08.2024.
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