Dankbarkeit nur zu willig anerkennt. Man ist sich in dem gestörten Gleichgewicht selbst unklar geworden, wie sollte man nicht die bloße Ruhe in dem Andern für Klarheit und Weisheit halten?
Die Rathgeberin, die auf eine oder die andre Art beschwichtigend eingreift, dem Wunsche schmeichelt, das Gewissen beruhigt, oder, im entgegengesetztem Falle, ihr inne- res Schwanken durch kräftigen Einspruch aufhebt, es für das Recht entscheidet, und so die ausgetretene Fluth in ihr stilles Bett zurücklenkt, sie wird das Orakel der Freun- din bleiben, die sich ihr, so, oder so, ver- pflichtet fühlt.
Es kann sein, daß sie der gute Engel einer Familie wird. Es kann auch anders kommen.
Gesetzt, sie stand der leidenschaftlich Bewegten, besonnen, fest, entschieden, gegenüber. Sie ergriff die Zügel, und wendete den abwärts führenden Lauf zu einem Nuhepunkte hin, wo die zerstreueten Kräfte sich sammeln, Die Heftigkeit des
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Dankbarkeit nur zu willig anerkennt. Man iſt ſich in dem geſtoͤrten Gleichgewicht ſelbſt unklar geworden, wie ſollte man nicht die bloße Ruhe in dem Andern fuͤr Klarheit und Weisheit halten?
Die Rathgeberin, die auf eine oder die andre Art beſchwichtigend eingreift, dem Wunſche ſchmeichelt, das Gewiſſen beruhigt, oder, im entgegengeſetztem Falle, ihr inne- res Schwanken durch kraͤftigen Einſpruch aufhebt, es fuͤr das Recht entſcheidet, und ſo die ausgetretene Fluth in ihr ſtilles Bett zuruͤcklenkt, ſie wird das Orakel der Freun- din bleiben, die ſich ihr, ſo, oder ſo, ver- pflichtet fuͤhlt.
Es kann ſein, daß ſie der gute Engel einer Familie wird. Es kann auch anders kommen.
Geſetzt, ſie ſtand der leidenſchaftlich Bewegten, beſonnen, feſt, entſchieden, gegenuͤber. Sie ergriff die Zuͤgel, und wendete den abwaͤrts fuͤhrenden Lauf zu einem Nuhepunkte hin, wo die zerſtreueten Kraͤfte ſich ſammeln, Die Heftigkeit des
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Dankbarkeit nur zu willig anerkennt. Man
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unklar geworden, wie ſollte man nicht die
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und Weisheit halten?
Die Rathgeberin, die auf eine oder die
andre Art beſchwichtigend eingreift, dem
Wunſche ſchmeichelt, das Gewiſſen beruhigt,
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ſo die ausgetretene Fluth in ihr ſtilles Bett
zuruͤcklenkt, ſie wird das Orakel der Freun-
din bleiben, die ſich ihr, ſo, oder ſo, ver-
pflichtet fuͤhlt.
Es kann ſein, daß ſie der gute Engel
einer Familie wird. Es kann auch anders
kommen.
Geſetzt, ſie ſtand der leidenſchaftlich
Bewegten, beſonnen, feſt, entſchieden,
gegenuͤber. Sie ergriff die Zuͤgel, und
wendete den abwaͤrts fuͤhrenden Lauf zu
einem Nuhepunkte hin, wo die zerſtreueten
Kraͤfte ſich ſammeln, Die Heftigkeit des
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Fouqué, Caroline de La Motte-: Die Frauen in der großen Welt. Berlin, 1826, S. 241. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/fouque_frauen_1826/245>, abgerufen am 10.08.2024.
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