Schadloshaltung dafür wissen wird? Giebt es aber etwas Gefahrdrohendes, sowohl für die Güte und Milde der Frau, als für die Glückseeligkeit beider Theile, so sind es die Erörterungen und Berathungen über häus- liche Mißverständnisse mit einem Dritten. Jn dieser Beziehung sind die Freundschaften der Frauen selten ohne nachtheilige Rück- wirkung.
Findet nun aber gar ein Fehlgriff weit andrer, sträflicherer Art, statt, so nähmlich, daß die zufällige Vertrauete, auch die gefäl- lige wäre, beschränkte sich diese Gefälligkeit selbst nur auf unwidersprochenes Anhören, ist sie vielleicht die Abhängige, die Ohnmäch- mächtige, muß sie schweigen, um nicht den flüchtigen Genuß des Augenblickes zu ver- scherzen, wird weniger ihr Urtheil, als ihr Beistand in Anspruch genommen, leistet sie diesen -- wo ist hier den Verwirrungen ein Ziel zu setzen? --
Eine andre Art mißlicher Befreundung giebt es, zwischen der jungen, für sich selbst, bescheiden Entsagenden, auf ihr beschlossenes
Schadloshaltung dafuͤr wiſſen wird? Giebt es aber etwas Gefahrdrohendes, ſowohl fuͤr die Guͤte und Milde der Frau, als fuͤr die Gluͤckſeeligkeit beider Theile, ſo ſind es die Eroͤrterungen und Berathungen uͤber haͤus- liche Mißverſtaͤndniſſe mit einem Dritten. Jn dieſer Beziehung ſind die Freundſchaften der Frauen ſelten ohne nachtheilige Ruͤck- wirkung.
Findet nun aber gar ein Fehlgriff weit andrer, ſtraͤflicherer Art, ſtatt, ſo naͤhmlich, daß die zufaͤllige Vertrauete, auch die gefaͤl- lige waͤre, beſchraͤnkte ſich dieſe Gefaͤlligkeit ſelbſt nur auf unwiderſprochenes Anhoͤren, iſt ſie vielleicht die Abhaͤngige, die Ohnmaͤch- maͤchtige, muß ſie ſchweigen, um nicht den fluͤchtigen Genuß des Augenblickes zu ver- ſcherzen, wird weniger ihr Urtheil, als ihr Beiſtand in Anſpruch genommen, leiſtet ſie dieſen — wo iſt hier den Verwirrungen ein Ziel zu ſetzen? —
Eine andre Art mißlicher Befreundung giebt es, zwiſchen der jungen, fuͤr ſich ſelbſt, beſcheiden Entſagenden, auf ihr beſchloſſenes
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Schadloshaltung dafuͤr wiſſen wird? Giebt
es aber etwas Gefahrdrohendes, ſowohl fuͤr
die Guͤte und Milde der Frau, als fuͤr die
Gluͤckſeeligkeit beider Theile, ſo ſind es die
Eroͤrterungen und Berathungen uͤber haͤus-
liche Mißverſtaͤndniſſe mit einem Dritten.
Jn dieſer Beziehung ſind die Freundſchaften
der Frauen ſelten ohne nachtheilige Ruͤck-
wirkung.
Findet nun aber gar ein Fehlgriff weit
andrer, ſtraͤflicherer Art, ſtatt, ſo naͤhmlich,
daß die zufaͤllige Vertrauete, auch die gefaͤl-
lige waͤre, beſchraͤnkte ſich dieſe Gefaͤlligkeit
ſelbſt nur auf unwiderſprochenes Anhoͤren,
iſt ſie vielleicht die Abhaͤngige, die Ohnmaͤch-
maͤchtige, muß ſie ſchweigen, um nicht den
fluͤchtigen Genuß des Augenblickes zu ver-
ſcherzen, wird weniger ihr Urtheil, als ihr
Beiſtand in Anſpruch genommen, leiſtet
ſie dieſen — wo iſt hier den Verwirrungen
ein Ziel zu ſetzen? —
Eine andre Art mißlicher Befreundung
giebt es, zwiſchen der jungen, fuͤr ſich ſelbſt,
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Fouqué, Caroline de La Motte-: Die Frauen in der großen Welt. Berlin, 1826, S. 244. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/fouque_frauen_1826/248>, abgerufen am 10.08.2024.
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