durch Raum und Zeit entrückt, so finden wir das Gesammtbild aller dieser Einzeln- heiten in unserer Erinnerung. Das Ganze blieb uns, und der Eindruck, welchen die Seele davon wiedergiebt, entscheidet über unser Urtheil. Je großartiger, genügender dieser Eindruck ist, je bestimmter nimmt er unsere Achtung und bewundernde Liebe in Anspruch.
Aber wir brauchen auch gar nicht Wo- chen und Monden, wie Berge und Thäler zwischen ein Buch und dessen Beurtheilung zu schieben, um unserer Sache gewiß zu seyn. Belebt jenes Gedanken und Gefühl, erhebt es den ganzen Menschen in uns, macht es den Geist heller und die That freudiger so darf uns kein Zweifel über dessen Werth bleiben, und sey es auch, daß es sonst in seinen Zusammenstellungen unserer Art und Weise nicht zusagte, so sind doch dies die Requisita, welche, vor allem Andern den Einfluß auf die fernere Bildung unsers Ge- schmacks bedingen.
Jener geistige Nachhall beurkundet die
durch Raum und Zeit entruͤckt, ſo finden wir das Geſammtbild aller dieſer Einzeln- heiten in unſerer Erinnerung. Das Ganze blieb uns, und der Eindruck, welchen die Seele davon wiedergiebt, entſcheidet uͤber unſer Urtheil. Je großartiger, genuͤgender dieſer Eindruck iſt, je beſtimmter nimmt er unſere Achtung und bewundernde Liebe in Anſpruch.
Aber wir brauchen auch gar nicht Wo- chen und Monden, wie Berge und Thaͤler zwiſchen ein Buch und deſſen Beurtheilung zu ſchieben, um unſerer Sache gewiß zu ſeyn. Belebt jenes Gedanken und Gefuͤhl, erhebt es den ganzen Menſchen in uns, macht es den Geiſt heller und die That freudiger ſo darf uns kein Zweifel uͤber deſſen Werth bleiben, und ſey es auch, daß es ſonſt in ſeinen Zuſammenſtellungen unſerer Art und Weiſe nicht zuſagte, ſo ſind doch dies die Requiſita, welche, vor allem Andern den Einfluß auf die fernere Bildung unſers Ge- ſchmacks bedingen.
Jener geiſtige Nachhall beurkundet die
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durch Raum und Zeit entruͤckt, ſo finden
wir das Geſammtbild aller dieſer Einzeln-
heiten in unſerer Erinnerung. Das Ganze
blieb uns, und der Eindruck, welchen die
Seele davon wiedergiebt, entſcheidet uͤber
unſer Urtheil. Je großartiger, genuͤgender
dieſer Eindruck iſt, je beſtimmter nimmt er
unſere Achtung und bewundernde Liebe in
Anſpruch.
Aber wir brauchen auch gar nicht Wo-
chen und Monden, wie Berge und Thaͤler
zwiſchen ein Buch und deſſen Beurtheilung
zu ſchieben, um unſerer Sache gewiß zu
ſeyn. Belebt jenes Gedanken und Gefuͤhl,
erhebt es den ganzen Menſchen in uns, macht
es den Geiſt heller und die That freudiger
ſo darf uns kein Zweifel uͤber deſſen Werth
bleiben, und ſey es auch, daß es ſonſt in
ſeinen Zuſammenſtellungen unſerer Art und
Weiſe nicht zuſagte, ſo ſind doch dies die
Requiſita, welche, vor allem Andern den
Einfluß auf die fernere Bildung unſers Ge-
ſchmacks bedingen.
Jener geiſtige Nachhall beurkundet die
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Fouqué, Caroline de La Motte-: Die Frauen in der großen Welt. Berlin, 1826, S. 66. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/fouque_frauen_1826/70>, abgerufen am 10.08.2024.
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