Talente, die anmuthige Zierde der Jugend, so zu ihrem Putz gehörig, wie ein frisches Band und eine lachende Blume, wer fühlt sich nicht willig durch sie angezogen! nicht an ein heiteres Gebiet der Kunst erinnert, dem sie spielend entgleiten, um das Grau des Alltagslebens farbig zu umsäumen! -- Kaum mag man sich die oft mühselige, fast immer ermüdende Wirksamkeit der Frauen ohne diesen Regenbogenglanz einer umflorten Sonne denken, die so vieles, zu meist der eigne strenge Wille verhüllen wird.
Jch weiß nicht, wie man all' das Ge- heimnißvolle der unverstand'nen Brust, die leisen Ahndungen, die unverstandnen Wün- sche, selbst das schmeichelnde Kosen der in- nern Poensie mit der Bildsamkeit äußerer Or- gane, wie man sie in den Dunst einer gesetzlich-hellen, doch trockenen Athmosphäre ersticken, ausdörren lassen könnte; gewiß,
Fuͤnftes Kapitel. Talente.
Talente, die anmuthige Zierde der Jugend, ſo zu ihrem Putz gehoͤrig, wie ein friſches Band und eine lachende Blume, wer fuͤhlt ſich nicht willig durch ſie angezogen! nicht an ein heiteres Gebiet der Kunſt erinnert, dem ſie ſpielend entgleiten, um das Grau des Alltagslebens farbig zu umſaͤumen! — Kaum mag man ſich die oft muͤhſelige, faſt immer ermuͤdende Wirkſamkeit der Frauen ohne dieſen Regenbogenglanz einer umflorten Sonne denken, die ſo vieles, zu meiſt der eigne ſtrenge Wille verhuͤllen wird.
Jch weiß nicht, wie man all’ das Ge- heimnißvolle der unverſtand’nen Bruſt, die leiſen Ahndungen, die unverſtandnen Wuͤn- ſche, ſelbſt das ſchmeichelnde Koſen der in- nern Poẽſie mit der Bildſamkeit aͤußerer Or- gane, wie man ſie in den Dunſt einer geſetzlich-hellen, doch trockenen Athmosphaͤre erſticken, ausdoͤrren laſſen koͤnnte; gewiß,
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Fuͤnftes Kapitel.
Talente.
Talente, die anmuthige Zierde der Jugend,
ſo zu ihrem Putz gehoͤrig, wie ein friſches
Band und eine lachende Blume, wer fuͤhlt
ſich nicht willig durch ſie angezogen! nicht
an ein heiteres Gebiet der Kunſt erinnert,
dem ſie ſpielend entgleiten, um das Grau
des Alltagslebens farbig zu umſaͤumen! —
Kaum mag man ſich die oft muͤhſelige, faſt
immer ermuͤdende Wirkſamkeit der Frauen
ohne dieſen Regenbogenglanz einer umflorten
Sonne denken, die ſo vieles, zu meiſt der
eigne ſtrenge Wille verhuͤllen wird.
Jch weiß nicht, wie man all’ das Ge-
heimnißvolle der unverſtand’nen Bruſt, die
leiſen Ahndungen, die unverſtandnen Wuͤn-
ſche, ſelbſt das ſchmeichelnde Koſen der in-
nern Poẽſie mit der Bildſamkeit aͤußerer Or-
gane, wie man ſie in den Dunſt einer
geſetzlich-hellen, doch trockenen Athmosphaͤre
erſticken, ausdoͤrren laſſen koͤnnte; gewiß,
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Fouqué, Caroline de La Motte-: Die Frauen in der großen Welt. Berlin, 1826, S. 77. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/fouque_frauen_1826/81>, abgerufen am 10.08.2024.
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