dem schönen weiblichen Beruf, ohne allzuviel Umstände und Fragen, ganz allein durch die Natur ihres Seins zur Berücksichtigung An- derer geführt zu werden. Die Anmuth der Frauen beruhet auch gewiß zumeist auf die Fähigkeit mit Grazie zu verbinden und das Mangelnde zu ergänzen.
Wenn nun aber gerade das Unwillkühr- liche in diesem innern Zuge der Seele, ihren Reiz bedingt, und bis auf den Glanz und Schmuck ihrer Toilette, alles an ihnen nur da ist, um die Kreise zu erhellen, zu beleben, in welchen sie sich bewegen, so ergiebt es sich von selbst, weshalb Talente entwickelt werden, und welcher Art sie sein können.
Unstreitig gehört der Tanz zu denjeni- gen, welche dem weiblichen Geschlecht ange- boren sind. Jn der freien, über der Erde hin- schwebenden Bewegung des Körpers, scheint die junge Seele sich freudig entfalten, die losgebundenen Schwingen im harmonischen Takte bewegen zu wollen. Die Füße heben sich unwillkührlich, so wie die Musik ruft; das hochschlagende Herz, von keiner Sorge
dem ſchoͤnen weiblichen Beruf, ohne allzuviel Umſtaͤnde und Fragen, ganz allein durch die Natur ihres Seins zur Beruͤckſichtigung An- derer gefuͤhrt zu werden. Die Anmuth der Frauen beruhet auch gewiß zumeiſt auf die Faͤhigkeit mit Grazie zu verbinden und das Mangelnde zu ergaͤnzen.
Wenn nun aber gerade das Unwillkuͤhr- liche in dieſem innern Zuge der Seele, ihren Reiz bedingt, und bis auf den Glanz und Schmuck ihrer Toilette, alles an ihnen nur da iſt, um die Kreiſe zu erhellen, zu beleben, in welchen ſie ſich bewegen, ſo ergiebt es ſich von ſelbſt, weshalb Talente entwickelt werden, und welcher Art ſie ſein koͤnnen.
Unſtreitig gehoͤrt der Tanz zu denjeni- gen, welche dem weiblichen Geſchlecht ange- boren ſind. Jn der freien, uͤber der Erde hin- ſchwebenden Bewegung des Koͤrpers, ſcheint die junge Seele ſich freudig entfalten, die losgebundenen Schwingen im harmoniſchen Takte bewegen zu wollen. Die Fuͤße heben ſich unwillkuͤhrlich, ſo wie die Muſik ruft; das hochſchlagende Herz, von keiner Sorge
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dem ſchoͤnen weiblichen Beruf, ohne allzuviel
Umſtaͤnde und Fragen, ganz allein durch die
Natur ihres Seins zur Beruͤckſichtigung An-
derer gefuͤhrt zu werden. Die Anmuth der
Frauen beruhet auch gewiß zumeiſt auf die
Faͤhigkeit mit Grazie zu verbinden und das
Mangelnde zu ergaͤnzen.
Wenn nun aber gerade das Unwillkuͤhr-
liche in dieſem innern Zuge der Seele, ihren
Reiz bedingt, und bis auf den Glanz und
Schmuck ihrer Toilette, alles an ihnen nur
da iſt, um die Kreiſe zu erhellen, zu beleben,
in welchen ſie ſich bewegen, ſo ergiebt es
ſich von ſelbſt, weshalb Talente entwickelt
werden, und welcher Art ſie ſein koͤnnen.
Unſtreitig gehoͤrt der Tanz zu denjeni-
gen, welche dem weiblichen Geſchlecht ange-
boren ſind. Jn der freien, uͤber der Erde hin-
ſchwebenden Bewegung des Koͤrpers, ſcheint
die junge Seele ſich freudig entfalten, die
losgebundenen Schwingen im harmoniſchen
Takte bewegen zu wollen. Die Fuͤße heben
ſich unwillkuͤhrlich, ſo wie die Muſik ruft;
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Fouqué, Caroline de La Motte-: Die Frauen in der großen Welt. Berlin, 1826, S. 85. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/fouque_frauen_1826/89>, abgerufen am 10.08.2024.
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