Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Frapan, Ilse: Bittersüß. Novellen. Berlin, 1891.

Bild:
<< vorherige Seite

Dorf gerettet haben. Sie hätten's aber fein abbren¬
nen lassen, ohne die Fremden, sie hatten ganz den
Kopf verloren. Ich hab' mich schon befragt nach den
Esmarch's, die im Bräuhaus wohnen, aber sie neh¬
men noch keinen Besuch an, sie haben alle drei leichte
Brandwunden erlitten, und nur der Schmidthammer
hat nichts. Das heißt, er wird halt ein brennendes
Herz haben! -- Jetzt bitt' ich schön, daß Sie den
Brief, den langmächtigen, in Ihrer Visit heute vor¬
lesen, daß die Hechingen doch dabei gewesen ist. 's
ist odios, wenn man alt wird! Das junge Volk freit
und läßt sich freien, und wir sitzen daneben. Jetzt
sorgen Sie nur, daß Sie Ihre Zeit ausnützen, ein
paar Jährle haben Sie immer noch vor sich, aller¬
schönste Maifee! Immer

Ihre treue dicke Hechingen.

Klärchen an die Geschwister.

Meine süßen Schwestern und mein Herzens¬
bruder! Wir fürchten, daß Ihr etwas über die
Brandnacht von gestern in den Zeitungen findet, ehe
Ihr wißt, daß es uns ganz gut geht, und deshalb
will ich Euch schnell beruhigen! Natürlich haben wir
uns bei dem großen Unglück helfend betheiligen wol¬

Dorf gerettet haben. Sie hätten's aber fein abbren¬
nen laſſen, ohne die Fremden, ſie hatten ganz den
Kopf verloren. Ich hab' mich ſchon befragt nach den
Esmarch's, die im Bräuhaus wohnen, aber ſie neh¬
men noch keinen Beſuch an, ſie haben alle drei leichte
Brandwunden erlitten, und nur der Schmidthammer
hat nichts. Das heißt, er wird halt ein brennendes
Herz haben! — Jetzt bitt' ich ſchön, daß Sie den
Brief, den langmächtigen, in Ihrer Viſit heute vor¬
leſen, daß die Hechingen doch dabei geweſen iſt. 's
iſt odios, wenn man alt wird! Das junge Volk freit
und läßt ſich freien, und wir ſitzen daneben. Jetzt
ſorgen Sie nur, daß Sie Ihre Zeit ausnützen, ein
paar Jährle haben Sie immer noch vor ſich, aller¬
ſchönſte Maifee! Immer

Ihre treue dicke Hechingen.

Klärchen an die Geſchwiſter.

Meine ſüßen Schweſtern und mein Herzens¬
bruder! Wir fürchten, daß Ihr etwas über die
Brandnacht von geſtern in den Zeitungen findet, ehe
Ihr wißt, daß es uns ganz gut geht, und deshalb
will ich Euch ſchnell beruhigen! Natürlich haben wir
uns bei dem großen Unglück helfend betheiligen wol¬

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div type="letter" n="2">
          <p><pb facs="#f0274" n="258"/>
Dorf gerettet haben. Sie hätten's aber fein abbren¬<lb/>
nen la&#x017F;&#x017F;en, ohne die Fremden, &#x017F;ie hatten ganz den<lb/>
Kopf verloren. Ich hab' mich &#x017F;chon befragt nach den<lb/>
Esmarch's, die im Bräuhaus wohnen, aber &#x017F;ie neh¬<lb/>
men noch keinen Be&#x017F;uch an, &#x017F;ie haben alle drei leichte<lb/>
Brandwunden erlitten, und nur der Schmidthammer<lb/>
hat nichts. Das heißt, er wird halt ein brennendes<lb/>
Herz haben! &#x2014; Jetzt bitt' ich &#x017F;chön, daß Sie den<lb/>
Brief, den langmächtigen, in Ihrer Vi&#x017F;it heute vor¬<lb/>
le&#x017F;en, daß die Hechingen doch dabei gewe&#x017F;en i&#x017F;t. 's<lb/>
i&#x017F;t odios, wenn man alt wird! Das junge Volk freit<lb/>
und läßt &#x017F;ich freien, und wir &#x017F;itzen daneben. Jetzt<lb/>
&#x017F;orgen Sie nur, daß Sie Ihre Zeit ausnützen, ein<lb/>
paar Jährle haben Sie immer noch vor &#x017F;ich, aller¬<lb/>
&#x017F;chön&#x017F;te Maifee! Immer</p><lb/>
          <closer>
            <salute> <hi rendition="#et">Ihre treue dicke Hechingen.</hi> </salute>
          </closer><lb/>
          <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
        </div>
        <div type="letter" n="2">
          <head><hi rendition="#g">Klärchen an die Ge&#x017F;chwi&#x017F;ter</hi>.<lb/></head>
          <opener>
            <dateline rendition="#right">Go&#x017F;&#x017F;en&#x017F;atz, 22. April, Nachmittags. </dateline>
          </opener><lb/>
          <p>Meine &#x017F;üßen Schwe&#x017F;tern und mein Herzens¬<lb/>
bruder! Wir fürchten, daß Ihr etwas über die<lb/>
Brandnacht von ge&#x017F;tern in den Zeitungen findet, ehe<lb/>
Ihr wißt, daß es uns ganz gut geht, und deshalb<lb/>
will ich Euch &#x017F;chnell beruhigen! Natürlich haben wir<lb/>
uns bei dem großen Unglück helfend betheiligen wol¬<lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[258/0274] Dorf gerettet haben. Sie hätten's aber fein abbren¬ nen laſſen, ohne die Fremden, ſie hatten ganz den Kopf verloren. Ich hab' mich ſchon befragt nach den Esmarch's, die im Bräuhaus wohnen, aber ſie neh¬ men noch keinen Beſuch an, ſie haben alle drei leichte Brandwunden erlitten, und nur der Schmidthammer hat nichts. Das heißt, er wird halt ein brennendes Herz haben! — Jetzt bitt' ich ſchön, daß Sie den Brief, den langmächtigen, in Ihrer Viſit heute vor¬ leſen, daß die Hechingen doch dabei geweſen iſt. 's iſt odios, wenn man alt wird! Das junge Volk freit und läßt ſich freien, und wir ſitzen daneben. Jetzt ſorgen Sie nur, daß Sie Ihre Zeit ausnützen, ein paar Jährle haben Sie immer noch vor ſich, aller¬ ſchönſte Maifee! Immer Ihre treue dicke Hechingen. Klärchen an die Geſchwiſter. Goſſenſatz, 22. April, Nachmittags. Meine ſüßen Schweſtern und mein Herzens¬ bruder! Wir fürchten, daß Ihr etwas über die Brandnacht von geſtern in den Zeitungen findet, ehe Ihr wißt, daß es uns ganz gut geht, und deshalb will ich Euch ſchnell beruhigen! Natürlich haben wir uns bei dem großen Unglück helfend betheiligen wol¬

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde von OCR-Software automatisch erfasst und anschließend gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien von Muttersprachlern nachkontrolliert. Es wurde gemäß dem DTA-Basisformat in XML/TEI P5 kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/frapan_bittersuess_1891
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/frapan_bittersuess_1891/274
Zitationshilfe: Frapan, Ilse: Bittersüß. Novellen. Berlin, 1891, S. 258. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/frapan_bittersuess_1891/274>, abgerufen am 25.02.2021.