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Frapan, Ilse: Bittersüß. Novellen. Berlin, 1891.

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ewig etwas zu vergeben haben! Was thäten wir
ohne die Nachsicht der Frauen!

Dein glücklicher Eugen.

Klärchen an die Geschwister.

Meine süßen Drei! Morgen sind wir bei Euch,
alle drei, alle vier! Wer der Vierte ist? Ich sag's
nicht, vielleicht könnt Ihr es rathen! Putzi liebt ihn
unbeschreiblich, und es ist eine gegenseitige Liebe.
Wir haben heut' einen wonnevollen Tag gehabt, Alle
zusammen. Mit verbundenen Händen zwar, -- Papa's
Wunde ist schon fast wieder gut -- aber dennoch
haben wir Frühlingssträuße gepflückt; am Eisakufer
und unter dem Berge, der Hühnerspiel heißt, steht
Alles voll der schönsten Alpenblumen. Und ein Him¬
mel, so hoch und weit, und der Feuersteingletscher in
der Sonne blendend wie weißes Feuer! Schon wird
der Schutt der verbrannten Wohnungen weggeräumt,
und es heißt jetzt, der Schaden sei weniger groß, als
man anfangs vermuthete. Herr Schmidthammer hat
in Venedig sehr schöne Farbenskizzen gemacht, ich hab'
ihm ganz Unrecht gethan mit meinem vorschnellen
Urtheil über sein Skizzenbuch. Mama sagt, man
glaubt einen Menschen zu kennen und kennt ihn noch

ewig etwas zu vergeben haben! Was thäten wir
ohne die Nachſicht der Frauen!

Dein glücklicher Eugen.

Klärchen an die Geſchwiſter.

Meine ſüßen Drei! Morgen ſind wir bei Euch,
alle drei, alle vier! Wer der Vierte iſt? Ich ſag's
nicht, vielleicht könnt Ihr es rathen! Putzi liebt ihn
unbeſchreiblich, und es iſt eine gegenſeitige Liebe.
Wir haben heut' einen wonnevollen Tag gehabt, Alle
zuſammen. Mit verbundenen Händen zwar, — Papa's
Wunde iſt ſchon faſt wieder gut — aber dennoch
haben wir Frühlingsſträuße gepflückt; am Eiſakufer
und unter dem Berge, der Hühnerſpiel heißt, ſteht
Alles voll der ſchönſten Alpenblumen. Und ein Him¬
mel, ſo hoch und weit, und der Feuerſteingletſcher in
der Sonne blendend wie weißes Feuer! Schon wird
der Schutt der verbrannten Wohnungen weggeräumt,
und es heißt jetzt, der Schaden ſei weniger groß, als
man anfangs vermuthete. Herr Schmidthammer hat
in Venedig ſehr ſchöne Farbenſkizzen gemacht, ich hab'
ihm ganz Unrecht gethan mit meinem vorſchnellen
Urtheil über ſein Skizzenbuch. Mama ſagt, man
glaubt einen Menſchen zu kennen und kennt ihn noch

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[262/0278] ewig etwas zu vergeben haben! Was thäten wir ohne die Nachſicht der Frauen! Dein glücklicher Eugen. Klärchen an die Geſchwiſter. Goſſenſaß, 24. April. Meine ſüßen Drei! Morgen ſind wir bei Euch, alle drei, alle vier! Wer der Vierte iſt? Ich ſag's nicht, vielleicht könnt Ihr es rathen! Putzi liebt ihn unbeſchreiblich, und es iſt eine gegenſeitige Liebe. Wir haben heut' einen wonnevollen Tag gehabt, Alle zuſammen. Mit verbundenen Händen zwar, — Papa's Wunde iſt ſchon faſt wieder gut — aber dennoch haben wir Frühlingsſträuße gepflückt; am Eiſakufer und unter dem Berge, der Hühnerſpiel heißt, ſteht Alles voll der ſchönſten Alpenblumen. Und ein Him¬ mel, ſo hoch und weit, und der Feuerſteingletſcher in der Sonne blendend wie weißes Feuer! Schon wird der Schutt der verbrannten Wohnungen weggeräumt, und es heißt jetzt, der Schaden ſei weniger groß, als man anfangs vermuthete. Herr Schmidthammer hat in Venedig ſehr ſchöne Farbenſkizzen gemacht, ich hab' ihm ganz Unrecht gethan mit meinem vorſchnellen Urtheil über ſein Skizzenbuch. Mama ſagt, man glaubt einen Menſchen zu kennen und kennt ihn noch

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Zitationshilfe: Frapan, Ilse: Bittersüß. Novellen. Berlin, 1891, S. 262. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/frapan_bittersuess_1891/278>, abgerufen am 25.02.2021.