Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Frapan, Ilse [i. e. Ilse Akunian]: Flügel auf! Novellen. Berlin, 1895.

Bild:
<< vorherige Seite
Lisbeth Markwort an Axel Lorenzen.

Lieber Axel! Du wirst einen gerechten Schrecken bekommen, daß ich Dir schon wieder schreibe, ohne Papa und Mama, aber, weißt Du, es ist etwas, was in den vorgestrigen "offiziellen" Brief nicht hineinpaßte und was ich doch nothwendig beantwortet haben möchte. Ich kann niemand als Dich danach fragen, sie sind hier alle so dumm, die Eltern natürlich ausgenommen, aber die wundern sich immer so über meine "ungelegten Eier", oder sie werden grimmig, und dann kann man ja überhaupt nichts mehr besprechen. Sie sind ja schrecklich gut, und ich weiß, daß Mama alles für unser Glück thäte, aber daß ich selber etwas dafür thue, das will sie nicht, da stellt sie sich gleich so zu sagen auf ihre kleinen Hinterbeine und drückt mich mit einem Wort, mit einem Blick in das erste beste Mauseloch hinunter. Ich bin so furchtbar traurig, so zwiespältig, weißt Du; ich möchte ihr ja

Lisbeth Markwort an Axel Lorenzen.

Lieber Axel! Du wirst einen gerechten Schrecken bekommen, daß ich Dir schon wieder schreibe, ohne Papa und Mama, aber, weißt Du, es ist etwas, was in den vorgestrigen „offiziellen“ Brief nicht hineinpaßte und was ich doch nothwendig beantwortet haben möchte. Ich kann niemand als Dich danach fragen, sie sind hier alle so dumm, die Eltern natürlich ausgenommen, aber die wundern sich immer so über meine „ungelegten Eier“, oder sie werden grimmig, und dann kann man ja überhaupt nichts mehr besprechen. Sie sind ja schrecklich gut, und ich weiß, daß Mama alles für unser Glück thäte, aber daß ich selber etwas dafür thue, das will sie nicht, da stellt sie sich gleich so zu sagen auf ihre kleinen Hinterbeine und drückt mich mit einem Wort, mit einem Blick in das erste beste Mauseloch hinunter. Ich bin so furchtbar traurig, so zwiespältig, weißt Du; ich möchte ihr ja

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0311" n="303"/>
        <div type="letter" n="2">
          <head>Lisbeth Markwort an Axel Lorenzen.</head>
          <dateline> <hi rendition="#right"><hi rendition="#g">Wedel</hi>, 5. September 1892.</hi> </dateline>
          <p><hi rendition="#in">L</hi>ieber Axel! Du wirst einen gerechten Schrecken bekommen, daß ich Dir schon wieder schreibe, ohne Papa und Mama, aber, weißt Du, es ist etwas, was in den vorgestrigen &#x201E;offiziellen&#x201C; Brief nicht hineinpaßte und was ich doch nothwendig beantwortet haben möchte. Ich kann niemand als Dich danach fragen, sie sind hier alle so dumm, die Eltern natürlich ausgenommen, aber die wundern sich immer so über meine &#x201E;ungelegten Eier&#x201C;, oder sie werden grimmig, und dann kann man ja überhaupt nichts mehr besprechen. Sie sind ja schrecklich gut, und ich weiß, daß Mama alles für unser Glück thäte, aber daß ich selber etwas dafür thue, das will sie nicht, da stellt sie sich gleich so zu sagen auf ihre kleinen Hinterbeine und drückt mich mit einem Wort, mit einem Blick in das erste beste Mauseloch hinunter. Ich bin so furchtbar traurig, so zwiespältig, weißt Du; ich möchte ihr ja
</p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[303/0311] Lisbeth Markwort an Axel Lorenzen.Wedel, 5. September 1892. Lieber Axel! Du wirst einen gerechten Schrecken bekommen, daß ich Dir schon wieder schreibe, ohne Papa und Mama, aber, weißt Du, es ist etwas, was in den vorgestrigen „offiziellen“ Brief nicht hineinpaßte und was ich doch nothwendig beantwortet haben möchte. Ich kann niemand als Dich danach fragen, sie sind hier alle so dumm, die Eltern natürlich ausgenommen, aber die wundern sich immer so über meine „ungelegten Eier“, oder sie werden grimmig, und dann kann man ja überhaupt nichts mehr besprechen. Sie sind ja schrecklich gut, und ich weiß, daß Mama alles für unser Glück thäte, aber daß ich selber etwas dafür thue, das will sie nicht, da stellt sie sich gleich so zu sagen auf ihre kleinen Hinterbeine und drückt mich mit einem Wort, mit einem Blick in das erste beste Mauseloch hinunter. Ich bin so furchtbar traurig, so zwiespältig, weißt Du; ich möchte ihr ja

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Wikisource: Bereitstellung der Texttranskription und Auszeichnung in Wikisource-Syntax. (2012-10-26T10:30:31Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme aus Wikisource entsprechen muss.
Wikimedia Commons: Bereitstellung der Bilddigitalisate (2012-10-26T10:30:31Z)
Frank Wiegand: Konvertierung von Wikisource-Markup nach XML/TEI gemäß DTA-Basisformat. (2012-10-26T10:30:31Z)

Weitere Informationen:

Anmerkungen zur Transkription:

  • Als Grundlage dienen die Wikisource:Editionsrichtlinien.
  • Der Seitenwechsel erfolgt bei Worttrennung nach dem gesamten Wort.
  • Geviertstriche (—) wurden durch Halbgeviertstriche ersetzt (–).



Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/frapan_fluegel_1895
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/frapan_fluegel_1895/311
Zitationshilfe: Frapan, Ilse [i. e. Ilse Akunian]: Flügel auf! Novellen. Berlin, 1895, S. 303. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/frapan_fluegel_1895/311>, abgerufen am 06.03.2021.