Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Frapan, Ilse [i. e. Ilse Akunian]: Flügel auf! Novellen. Berlin, 1895.

Bild:
<< vorherige Seite

zweite Lebensbedingung, und beide gedeihen höchst vergnügt zusammen. Also wie Du und ich, wenn Du herkommst. Ich bin dann Dein Pilz, Dein Anhalt, Du bist meine Alge, mein Chlorophyll, nicht wahr? Es ist nämlich merkwürdig, seit wir uns schreiben, habe ich einen weit größeren Eifer gekriegt. Ich glaube wirklich, ich könnte Dir sehr gut forthelfen. Gleich, als ich Deinen ersten Brief erhielt, dachte ich: sie ist noch zu retten. Ich nehme Dich am Bahnhof in Empfang, das Weitere später.

Eilig
Dein treuer Axel.

Nachschrift. Am liebsten wäre mir's, Du telegraphirtest sofort. Nur "ja", das genügt. Ich pumpe dann das Geld zusammen und melde Dich in der Pension an. Nur für den Anfang. Später miethest Du Dir eine Bude, das ist ungenirter. Du wirst bald ein großes Freiheitsbedürfniß bekommen, sollst mal sehen. Das wird dann ein vergnügtes Leben, ich kann Dir nicht sagen, wie ich mich darauf freue. Adieu, kleines Chlorophyll!

Dein vergnügter Pilz.


Lisbeth Markwort an Axel Lorenzen.

Nein, nein, Axel, nicht so! Dein Brief hat mich zur Besinnung gebracht, alles in mir lehnt sich auf

zweite Lebensbedingung, und beide gedeihen höchst vergnügt zusammen. Also wie Du und ich, wenn Du herkommst. Ich bin dann Dein Pilz, Dein Anhalt, Du bist meine Alge, mein Chlorophyll, nicht wahr? Es ist nämlich merkwürdig, seit wir uns schreiben, habe ich einen weit größeren Eifer gekriegt. Ich glaube wirklich, ich könnte Dir sehr gut forthelfen. Gleich, als ich Deinen ersten Brief erhielt, dachte ich: sie ist noch zu retten. Ich nehme Dich am Bahnhof in Empfang, das Weitere später.

Eilig
Dein treuer Axel.

Nachschrift. Am liebsten wäre mir’s, Du telegraphirtest sofort. Nur „ja“, das genügt. Ich pumpe dann das Geld zusammen und melde Dich in der Pension an. Nur für den Anfang. Später miethest Du Dir eine Bude, das ist ungenirter. Du wirst bald ein großes Freiheitsbedürfniß bekommen, sollst mal sehen. Das wird dann ein vergnügtes Leben, ich kann Dir nicht sagen, wie ich mich darauf freue. Adieu, kleines Chlorophyll!

Dein vergnügter Pilz.


Lisbeth Markwort an Axel Lorenzen.

Nein, nein, Axel, nicht so! Dein Brief hat mich zur Besinnung gebracht, alles in mir lehnt sich auf

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div type="letter" n="2">
          <p><pb facs="#f0341" n="333"/>
zweite Lebensbedingung, und beide gedeihen höchst vergnügt zusammen. Also wie Du und ich, wenn Du herkommst. Ich bin dann Dein Pilz, Dein Anhalt, Du bist meine Alge, mein Chlorophyll, nicht wahr? Es ist nämlich merkwürdig, seit wir uns schreiben, habe ich einen weit größeren Eifer gekriegt. Ich glaube wirklich, ich könnte Dir sehr gut forthelfen. Gleich, als ich Deinen ersten Brief erhielt, dachte ich: sie ist noch zu retten. Ich nehme Dich am Bahnhof in Empfang, das Weitere später.</p>
          <closer>
            <salute> <hi rendition="#c">Eilig</hi><lb/> <hi rendition="#right">Dein treuer Axel.</hi> </salute>
          </closer>
          <postscript>
            <p>Nachschrift. Am liebsten wäre mir&#x2019;s, Du telegraphirtest sofort. Nur &#x201E;ja&#x201C;, das genügt. Ich pumpe dann das Geld zusammen und melde Dich in der Pension an. Nur für den Anfang. Später miethest Du Dir eine Bude, das ist ungenirter. Du wirst bald ein großes Freiheitsbedürfniß bekommen, sollst mal sehen. Das wird dann ein vergnügtes Leben, ich kann Dir nicht sagen, wie ich mich darauf freue. Adieu, kleines Chlorophyll!</p>
          </postscript>
          <closer>
            <salute> <hi rendition="#right">Dein vergnügter Pilz.</hi> </salute>
          </closer>
        </div>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
        <div type="letter" n="2">
          <head>Lisbeth Markwort an Axel Lorenzen.</head>
          <opener>
            <dateline> <hi rendition="#right">Wedel, 20. Oktober 1892.</hi> </dateline>
          </opener>
          <p>Nein, nein, Axel, nicht so! Dein Brief hat mich zur Besinnung gebracht, alles in mir lehnt sich auf
</p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[333/0341] zweite Lebensbedingung, und beide gedeihen höchst vergnügt zusammen. Also wie Du und ich, wenn Du herkommst. Ich bin dann Dein Pilz, Dein Anhalt, Du bist meine Alge, mein Chlorophyll, nicht wahr? Es ist nämlich merkwürdig, seit wir uns schreiben, habe ich einen weit größeren Eifer gekriegt. Ich glaube wirklich, ich könnte Dir sehr gut forthelfen. Gleich, als ich Deinen ersten Brief erhielt, dachte ich: sie ist noch zu retten. Ich nehme Dich am Bahnhof in Empfang, das Weitere später. Eilig Dein treuer Axel. Nachschrift. Am liebsten wäre mir’s, Du telegraphirtest sofort. Nur „ja“, das genügt. Ich pumpe dann das Geld zusammen und melde Dich in der Pension an. Nur für den Anfang. Später miethest Du Dir eine Bude, das ist ungenirter. Du wirst bald ein großes Freiheitsbedürfniß bekommen, sollst mal sehen. Das wird dann ein vergnügtes Leben, ich kann Dir nicht sagen, wie ich mich darauf freue. Adieu, kleines Chlorophyll! Dein vergnügter Pilz. Lisbeth Markwort an Axel Lorenzen. Wedel, 20. Oktober 1892. Nein, nein, Axel, nicht so! Dein Brief hat mich zur Besinnung gebracht, alles in mir lehnt sich auf

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Wikisource: Bereitstellung der Texttranskription und Auszeichnung in Wikisource-Syntax. (2012-10-26T10:30:31Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme aus Wikisource entsprechen muss.
Wikimedia Commons: Bereitstellung der Bilddigitalisate (2012-10-26T10:30:31Z)
Frank Wiegand: Konvertierung von Wikisource-Markup nach XML/TEI gemäß DTA-Basisformat. (2012-10-26T10:30:31Z)

Weitere Informationen:

Anmerkungen zur Transkription:

  • Als Grundlage dienen die Wikisource:Editionsrichtlinien.
  • Der Seitenwechsel erfolgt bei Worttrennung nach dem gesamten Wort.
  • Geviertstriche (—) wurden durch Halbgeviertstriche ersetzt (–).



Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/frapan_fluegel_1895
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/frapan_fluegel_1895/341
Zitationshilfe: Frapan, Ilse [i. e. Ilse Akunian]: Flügel auf! Novellen. Berlin, 1895, S. 333. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/frapan_fluegel_1895/341>, abgerufen am 07.03.2021.