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Ganswindt, Albert: Handbuch der Färberei und der damit verwandten vorbereitenden und vollendenden Gewerbe. Weimar, 1889.

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erscheint. Vernunftgemäßer, schneller und billiger kommt man zum Ziel,
wenn man -- wie auch Hummel empfiehlt -- das normale Ferrisulfat
umgeht und direkt zum basischen Salz gelangt. Da das Präparat, wo es
einmal gebraucht wird, in großen Massen gebraucht wird, so ist die Dar-
stellung nicht ganz ohne Schwierigkeiten. Aus eigener Erfahrung möchte ich
zu folgendem Verfahren raten.

Darstellung: 80 Teile Eisenvitriol löst man in einer Mischung von
80 Teilen Wasser und 7 Teilen konzentrierter Schwefelsäure. Man benütze
dazu entweder eine geräumige Steingutschale, welche nicht mehr als zur
Hälfte gefüllt sein darf (denn die Masse steigt später plötzlich), oder große
Woulffsche Flaschen von Steingut (wie sie z. B. die Firma Gebr.
Nordmann
in Treben & Haselbach bei Altenburg liefert). Die Arbeit
ist, wenn man mit Schalen arbeitet, auf einem Herde direkt unter der Esse,
wenn man mit Woulffschen Flaschen arbeitet, im Freien vorzunehmen.
Nun wird die Lösung zum Kochen erhitzt, entweder durch Kohlenfeuer oder
durch Einleiten von gespanntem Dampf, und nach und nach 24 Teile kon-
zentrierte Salpetersäure zugefügt. Die Lösung wird dabei fast schwarz; eine
Gasentwickelung findet bis dahin nicht statt. Dann aber kommt ein Moment,
wo zuerst die Flüssigkeit zu prickeln beginnt. Dieses ist ein Warnungssignal
für den Arbeiter: unmittelbar darauf beginnt eine stürmische Entwickelung der
braunen, sehr giftigen Stickoxyddämpfe unter Aufschäumen und Steigen der
Flüssigkeit. Die Reaktion ist kurz darauf beendet und man läßt die Flüssig-
keit sich abkühlen und klären. Die Stärke der Lösung wird verschieden ver-
langt, 43 bis 56° Be., wobei zu beachten ist, daß dieselbe ein Verdünnen
mit Wasser nicht verträgt, ohne sich zu zersetzen.

Eigenschaften: Ein nach dieser Vorschrift hergestelltes basisches Ferri-
sulfat ist eine schwere, dunkelbraunrote Flüssigkeit von 1,35 bis 1,70 spez.
Gewicht und enthält ca. 16 Prozent Eisen. Beim Verdünnen mit Wasser
wird die Lösung zersetzt, indem ein unlösliches mehr basisches Salz als
brauner Schlamm sich abscheidet, während ein mehr saures Salz in Lösung
bleibt.

Anwendung: In großen Mengen in der Seidenfärberei zum Be-
schweren der Seide; in der Baumwollenfärberei zum Schwarzfärben der
Baumwolle. Ausführlicheres siehe unter Seidenfärberei im 2. Teil.

4. Ferrinitrat, Fe2 (NO3)6 + 18 H2 O. Das wirkliche, echte salpeter-
saure Eisen ist nicht jene unter 3 beschriebene dunkelbraunrote Flüssigkeit, sondern
es bildet farblose, durchsichtige Krystalle. Man erhält dieses Salz durch Lösen
von Eisen in einer Salpetersäure von 1,352 spez. Gewicht, bis das spez.
Gewicht der Lösung auf 1,5 gestiegen ist. Das normale Nitrat hat saure Reak-
tion. Durch einen Ueberschuß an Eisen erhält man basische Nitrate, welche
der Lösung die gewöhnliche eisenrote Färbung geben. -- Anwendung: In
der Baumwollenfärberei zum Erzeugen von Rostfarben.

5. Eisenchlorid, Ferrichlorid, Fe2 Cl6. Eine Lösung des normalen
Eisenchlorids wird erhalten durch Lösen von Eisendraht in Salzsäure und
Oxydation der erhaltenen Eisenchlorürlösung mittels Salpetersäure. Die Eisen-
chloridlösung bildet eine klare, tief braungelbe Flüssigkeit, von schwachem Ge-
ruch nach Salzsäure, saurem, sehr zusammenziehendem Geschmack und saurer
Reaktion. Der Eisengehalt schwankt je nach der Konzentration der Flüssig-
keiten zwischen 10 bis 15 Prozent.

erſcheint. Vernunftgemäßer, ſchneller und billiger kommt man zum Ziel,
wenn man — wie auch Hummel empfiehlt — das normale Ferriſulfat
umgeht und direkt zum baſiſchen Salz gelangt. Da das Präparat, wo es
einmal gebraucht wird, in großen Maſſen gebraucht wird, ſo iſt die Dar-
ſtellung nicht ganz ohne Schwierigkeiten. Aus eigener Erfahrung möchte ich
zu folgendem Verfahren raten.

Darſtellung: 80 Teile Eiſenvitriol löſt man in einer Miſchung von
80 Teilen Waſſer und 7 Teilen konzentrierter Schwefelſäure. Man benütze
dazu entweder eine geräumige Steingutſchale, welche nicht mehr als zur
Hälfte gefüllt ſein darf (denn die Maſſe ſteigt ſpäter plötzlich), oder große
Woulffſche Flaſchen von Steingut (wie ſie z. B. die Firma Gebr.
Nordmann
in Treben & Haſelbach bei Altenburg liefert). Die Arbeit
iſt, wenn man mit Schalen arbeitet, auf einem Herde direkt unter der Eſſe,
wenn man mit Woulffſchen Flaſchen arbeitet, im Freien vorzunehmen.
Nun wird die Löſung zum Kochen erhitzt, entweder durch Kohlenfeuer oder
durch Einleiten von geſpanntem Dampf, und nach und nach 24 Teile kon-
zentrierte Salpeterſäure zugefügt. Die Löſung wird dabei faſt ſchwarz; eine
Gasentwickelung findet bis dahin nicht ſtatt. Dann aber kommt ein Moment,
wo zuerſt die Flüſſigkeit zu prickeln beginnt. Dieſes iſt ein Warnungsſignal
für den Arbeiter: unmittelbar darauf beginnt eine ſtürmiſche Entwickelung der
braunen, ſehr giftigen Stickoxyddämpfe unter Aufſchäumen und Steigen der
Flüſſigkeit. Die Reaktion iſt kurz darauf beendet und man läßt die Flüſſig-
keit ſich abkühlen und klären. Die Stärke der Löſung wird verſchieden ver-
langt, 43 bis 56° Bé., wobei zu beachten iſt, daß dieſelbe ein Verdünnen
mit Waſſer nicht verträgt, ohne ſich zu zerſetzen.

Eigenſchaften: Ein nach dieſer Vorſchrift hergeſtelltes baſiſches Ferri-
ſulfat iſt eine ſchwere, dunkelbraunrote Flüſſigkeit von 1,35 bis 1,70 ſpez.
Gewicht und enthält ca. 16 Prozent Eiſen. Beim Verdünnen mit Waſſer
wird die Löſung zerſetzt, indem ein unlösliches mehr baſiſches Salz als
brauner Schlamm ſich abſcheidet, während ein mehr ſaures Salz in Löſung
bleibt.

Anwendung: In großen Mengen in der Seidenfärberei zum Be-
ſchweren der Seide; in der Baumwollenfärberei zum Schwarzfärben der
Baumwolle. Ausführlicheres ſiehe unter Seidenfärberei im 2. Teil.

4. Ferrinitrat, Fe2 (NO3)6 + 18 H2 O. Das wirkliche, echte ſalpeter-
ſaure Eiſen iſt nicht jene unter 3 beſchriebene dunkelbraunrote Flüſſigkeit, ſondern
es bildet farbloſe, durchſichtige Kryſtalle. Man erhält dieſes Salz durch Löſen
von Eiſen in einer Salpeterſäure von 1,352 ſpez. Gewicht, bis das ſpez.
Gewicht der Löſung auf 1,5 geſtiegen iſt. Das normale Nitrat hat ſaure Reak-
tion. Durch einen Ueberſchuß an Eiſen erhält man baſiſche Nitrate, welche
der Löſung die gewöhnliche eiſenrote Färbung geben. — Anwendung: In
der Baumwollenfärberei zum Erzeugen von Roſtfarben.

5. Eiſenchlorid, Ferrichlorid, Fe2 Cl6. Eine Löſung des normalen
Eiſenchlorids wird erhalten durch Löſen von Eiſendraht in Salzſäure und
Oxydation der erhaltenen Eiſenchlorürlöſung mittels Salpeterſäure. Die Eiſen-
chloridlöſung bildet eine klare, tief braungelbe Flüſſigkeit, von ſchwachem Ge-
ruch nach Salzſäure, ſaurem, ſehr zuſammenziehendem Geſchmack und ſaurer
Reaktion. Der Eiſengehalt ſchwankt je nach der Konzentration der Flüſſig-
keiten zwiſchen 10 bis 15 Prozent.

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[272/0298] erſcheint. Vernunftgemäßer, ſchneller und billiger kommt man zum Ziel, wenn man — wie auch Hummel empfiehlt — das normale Ferriſulfat umgeht und direkt zum baſiſchen Salz gelangt. Da das Präparat, wo es einmal gebraucht wird, in großen Maſſen gebraucht wird, ſo iſt die Dar- ſtellung nicht ganz ohne Schwierigkeiten. Aus eigener Erfahrung möchte ich zu folgendem Verfahren raten. Darſtellung: 80 Teile Eiſenvitriol löſt man in einer Miſchung von 80 Teilen Waſſer und 7 Teilen konzentrierter Schwefelſäure. Man benütze dazu entweder eine geräumige Steingutſchale, welche nicht mehr als zur Hälfte gefüllt ſein darf (denn die Maſſe ſteigt ſpäter plötzlich), oder große Woulffſche Flaſchen von Steingut (wie ſie z. B. die Firma Gebr. Nordmann in Treben & Haſelbach bei Altenburg liefert). Die Arbeit iſt, wenn man mit Schalen arbeitet, auf einem Herde direkt unter der Eſſe, wenn man mit Woulffſchen Flaſchen arbeitet, im Freien vorzunehmen. Nun wird die Löſung zum Kochen erhitzt, entweder durch Kohlenfeuer oder durch Einleiten von geſpanntem Dampf, und nach und nach 24 Teile kon- zentrierte Salpeterſäure zugefügt. Die Löſung wird dabei faſt ſchwarz; eine Gasentwickelung findet bis dahin nicht ſtatt. Dann aber kommt ein Moment, wo zuerſt die Flüſſigkeit zu prickeln beginnt. Dieſes iſt ein Warnungsſignal für den Arbeiter: unmittelbar darauf beginnt eine ſtürmiſche Entwickelung der braunen, ſehr giftigen Stickoxyddämpfe unter Aufſchäumen und Steigen der Flüſſigkeit. Die Reaktion iſt kurz darauf beendet und man läßt die Flüſſig- keit ſich abkühlen und klären. Die Stärke der Löſung wird verſchieden ver- langt, 43 bis 56° Bé., wobei zu beachten iſt, daß dieſelbe ein Verdünnen mit Waſſer nicht verträgt, ohne ſich zu zerſetzen. Eigenſchaften: Ein nach dieſer Vorſchrift hergeſtelltes baſiſches Ferri- ſulfat iſt eine ſchwere, dunkelbraunrote Flüſſigkeit von 1,35 bis 1,70 ſpez. Gewicht und enthält ca. 16 Prozent Eiſen. Beim Verdünnen mit Waſſer wird die Löſung zerſetzt, indem ein unlösliches mehr baſiſches Salz als brauner Schlamm ſich abſcheidet, während ein mehr ſaures Salz in Löſung bleibt. Anwendung: In großen Mengen in der Seidenfärberei zum Be- ſchweren der Seide; in der Baumwollenfärberei zum Schwarzfärben der Baumwolle. Ausführlicheres ſiehe unter Seidenfärberei im 2. Teil. 4. Ferrinitrat, Fe2 (NO3)6 + 18 H2 O. Das wirkliche, echte ſalpeter- ſaure Eiſen iſt nicht jene unter 3 beſchriebene dunkelbraunrote Flüſſigkeit, ſondern es bildet farbloſe, durchſichtige Kryſtalle. Man erhält dieſes Salz durch Löſen von Eiſen in einer Salpeterſäure von 1,352 ſpez. Gewicht, bis das ſpez. Gewicht der Löſung auf 1,5 geſtiegen iſt. Das normale Nitrat hat ſaure Reak- tion. Durch einen Ueberſchuß an Eiſen erhält man baſiſche Nitrate, welche der Löſung die gewöhnliche eiſenrote Färbung geben. — Anwendung: In der Baumwollenfärberei zum Erzeugen von Roſtfarben. 5. Eiſenchlorid, Ferrichlorid, Fe2 Cl6. Eine Löſung des normalen Eiſenchlorids wird erhalten durch Löſen von Eiſendraht in Salzſäure und Oxydation der erhaltenen Eiſenchlorürlöſung mittels Salpeterſäure. Die Eiſen- chloridlöſung bildet eine klare, tief braungelbe Flüſſigkeit, von ſchwachem Ge- ruch nach Salzſäure, ſaurem, ſehr zuſammenziehendem Geſchmack und ſaurer Reaktion. Der Eiſengehalt ſchwankt je nach der Konzentration der Flüſſig- keiten zwiſchen 10 bis 15 Prozent.

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Zitationshilfe: Ganswindt, Albert: Handbuch der Färberei und der damit verwandten vorbereitenden und vollendenden Gewerbe. Weimar, 1889, S. 272. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/ganswindt_faerberei_1889/298>, abgerufen am 19.10.2021.