Statt des wechselseitigen Zurückstoßens der Theilchen, welches einige, die sie ebenfalls als discret ansehen, für die Ursache der Ausdehnbarkeit halten, braucht also de Luc lieber die Ausdrücke: erhaltene und erneuerte Bewegung der Theilchen; erhaltene, wenn sie von nichts aufgehalten worden sind, erneuerte, wenn sie vorher die Bewegung durch Stöße, oder durch Zusammensetzung mit andern Substanzen; verloren hatten.
Dem gemäß setzt er auch das Licht unter die ausdehnbaren Flüßigkeiten, weil seine Theilchen discret sind, und ihre Zerstreuung in jedem freyen Raume von ihrer Bewegung herrührt.
Den Theilchen verschiedener ausdehnbaren Flüßigkeiten eignet er Bewegungen verschiedener Art zu, und versteht darunter dieses, daß ihr Fortgang auf Wegen geschehe, die von der geraden Linie auf verschiedene Art abweichen. Diese Unterschiede machen einen wesentlichen Theil von den unterscheidenden Kennzeichen der verschiedenen Flüßigkeiten aus. Dies alles hat zwar ein sehr willkührliches Ansehen; aber Hr. de Luc versichert, es sey nicht blos hypothetisch, sondern habe seinen Grund in den Phänomenen, und jede dieser Bewegungen finde in Herrn le Sage System ihre mechanische Ursache.
Alle ausdehnbare Flüßigkeiten, welche wir durch unsere Sinne wahrnehmen können, sind zusammengesetzt. Sie können ohne Aufhören entstehen und vergehen, und von dieser ihrer Bildung und Zersetzung hängen die vornehmsten physikalischen Phänomene ab. Das Licht ist vielleicht die einzige wirklich elementarische Materie, die in ihren verschiedenen Classen betrachtet eine Unveränderlichkeit ihrer Theilchen zeigt.
Andere ausdehnbare Flüßigkeiten sind aus einer blos schweren, nicht elastischen, Basis(substance purement grave) und einem expansiven Stoffe, der fortleitenden Flüßigkeit(fluide deferent) zusammengesetzt. Die letztere ist das, was sie expansibel macht, und vielleicht selbst wieder zusammengesetzt. So ist das Feuer oder der Wärmestoff das fortleitende Fluidum bey den Wasserdämpfen und Luftgattungen;
Statt des wechſelſeitigen Zuruͤckſtoßens der Theilchen, welches einige, die ſie ebenfalls als discret anſehen, fuͤr die Urſache der Ausdehnbarkeit halten, braucht alſo de Luc lieber die Ausdruͤcke: erhaltene und erneuerte Bewegung der Theilchen; erhaltene, wenn ſie von nichts aufgehalten worden ſind, erneuerte, wenn ſie vorher die Bewegung durch Stoͤße, oder durch Zuſammenſetzung mit andern Subſtanzen; verloren hatten.
Dem gemaͤß ſetzt er auch das Licht unter die ausdehnbaren Fluͤßigkeiten, weil ſeine Theilchen discret ſind, und ihre Zerſtreuung in jedem freyen Raume von ihrer Bewegung herruͤhrt.
Den Theilchen verſchiedener ausdehnbaren Fluͤßigkeiten eignet er Bewegungen verſchiedener Art zu, und verſteht darunter dieſes, daß ihr Fortgang auf Wegen geſchehe, die von der geraden Linie auf verſchiedene Art abweichen. Dieſe Unterſchiede machen einen weſentlichen Theil von den unterſcheidenden Kennzeichen der verſchiedenen Fluͤßigkeiten aus. Dies alles hat zwar ein ſehr willkuͤhrliches Anſehen; aber Hr. de Luc verſichert, es ſey nicht blos hypothetiſch, ſondern habe ſeinen Grund in den Phaͤnomenen, und jede dieſer Bewegungen finde in Herrn le Sage Syſtem ihre mechaniſche Urſache.
Alle ausdehnbare Fluͤßigkeiten, welche wir durch unſere Sinne wahrnehmen koͤnnen, ſind zuſammengeſetzt. Sie koͤnnen ohne Aufhoͤren entſtehen und vergehen, und von dieſer ihrer Bildung und Zerſetzung haͤngen die vornehmſten phyſikaliſchen Phaͤnomene ab. Das Licht iſt vielleicht die einzige wirklich elementariſche Materie, die in ihren verſchiedenen Claſſen betrachtet eine Unveraͤnderlichkeit ihrer Theilchen zeigt.
Andere ausdehnbare Fluͤßigkeiten ſind aus einer blos ſchweren, nicht elaſtiſchen, Baſis(ſubſtance purement grave) und einem expanſiven Stoffe, der fortleitenden Fluͤßigkeit(fluide deferent) zuſammengeſetzt. Die letztere iſt das, was ſie expanſibel macht, und vielleicht ſelbſt wieder zuſammengeſetzt. So iſt das Feuer oder der Waͤrmeſtoff das fortleitende Fluidum bey den Waſſerdaͤmpfen und Luftgattungen;
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Statt des wechſelſeitigen Zuruͤckſtoßens der Theilchen, welches einige, die ſie ebenfalls als discret anſehen, fuͤr die Urſache der Ausdehnbarkeit halten, braucht alſo de Luc lieber die Ausdruͤcke: erhaltene und erneuerte Bewegung der Theilchen; erhaltene, wenn ſie von nichts aufgehalten worden ſind, erneuerte, wenn ſie vorher die Bewegung durch Stoͤße, oder durch Zuſammenſetzung mit andern Subſtanzen; verloren hatten.
Dem gemaͤß ſetzt er auch das Licht unter die ausdehnbaren Fluͤßigkeiten, weil ſeine Theilchen discret ſind, und ihre Zerſtreuung in jedem freyen Raume von ihrer Bewegung herruͤhrt.
Den Theilchen verſchiedener ausdehnbaren Fluͤßigkeiten eignet er Bewegungen verſchiedener Art zu, und verſteht darunter dieſes, daß ihr Fortgang auf Wegen geſchehe, die von der geraden Linie auf verſchiedene Art abweichen. Dieſe Unterſchiede machen einen weſentlichen Theil von den unterſcheidenden Kennzeichen der verſchiedenen Fluͤßigkeiten aus. Dies alles hat zwar ein ſehr willkuͤhrliches Anſehen; aber Hr. de Luc verſichert, es ſey nicht blos hypothetiſch, ſondern habe ſeinen Grund in den Phaͤnomenen, und jede dieſer Bewegungen finde in Herrn le Sage Syſtem ihre mechaniſche Urſache.
Alle ausdehnbare Fluͤßigkeiten, welche wir durch unſere Sinne wahrnehmen koͤnnen, ſind zuſammengeſetzt. Sie koͤnnen ohne Aufhoͤren entſtehen und vergehen, und von dieſer ihrer Bildung und Zerſetzung haͤngen die vornehmſten phyſikaliſchen Phaͤnomene ab. Das Licht iſt vielleicht die einzige wirklich elementariſche Materie, die in ihren verſchiedenen Claſſen betrachtet eine Unveraͤnderlichkeit ihrer Theilchen zeigt.
Andere ausdehnbare Fluͤßigkeiten ſind aus einer blos ſchweren, nicht elaſtiſchen, Baſis (ſubſtance purement grave) und einem expanſiven Stoffe, der fortleitenden Fluͤßigkeit (fluide deferent) zuſammengeſetzt. Die letztere iſt das, was ſie expanſibel macht, und vielleicht ſelbſt wieder zuſammengeſetzt. So iſt das Feuer oder der Waͤrmeſtoff das fortleitende Fluidum bey den Waſſerdaͤmpfen und Luftgattungen;
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Gehler, Johann Samuel Traugott: Physikalisches Wörterbuch, oder, Versuch einer Erklärung der vornehmsten Begriffe und Kunstwörter der Naturlehre. Bd. 5. Leipzig, 1799, S. 382. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/gehler_woerterbuch05_1799/394>, abgerufen am 15.09.2024.
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