Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

[Gessner, Christian Friedrich]: Der so nöthig als nützlichen Buchdruckerkunst und Schriftgießerey. Bd. 2. Leipzig, 1740.

Bild:
<< vorherige Seite

Kurtzgefaßte Nachricht,
Nachdem er nun dritthalb Jahr im Wäysenhause zu-
gebracht, so starb seine bisherige große Wohlthä-
rerin
die Frau von Legath zu seinem grossen Leid-
wesen; dannenhero muste er eine solche Lebensart er-
greiffen, davon er künfftig gedachte sein Brodt zu ha-
ben. Er erwehlte demnach die edle Kunst der Buch-
druckerey, in welchem Vorsatz er auch seinen Endzweck
erhielt, daß er dieselbe, als Setzer, zu lernen anfing
im Jahr Christi 1708 den 12. Nov. Sein Lehrherr
war Christian Henckel, fürnehmer Buchdrucker-
herr in Halle, welcher noch am Leben ist, und bey sei-
nem hohen Alter in erwünschten Wohlseyn lebet. Unter-
dessen guter Anführung und Unterweisung hat er 5. volle
Jahre gestanden. Jm Jahr 1713. am Michaelis Feste
wurde er losgesprochen, und von dem beschwerlichen
Cornutenstande innerhalb 6. oder 8. Wochen befreyet.
Den 12. Nov 1713. im 273. Jahre nach Erfindung der
Buchdruckerkunst, verschenckte er bey seinem gewe-
senen Lehrherrn, Herrn Henckeln, sein Postulat, und
wurde also zu einen Mitgliede dieser Kunst gewöhn-
lichermassen erkläret. Hierauf verließ er Halle, und
conditionirte an auswärtigen Orten bey einem und
dem andern redlichen Buchdruckerherrn, biß er durch
eine unverhoffte Gelegenheit wiederum nach Halle ver-
langet wurde. Jmmassen des seel. Herrn Johann
Jacob Krebsens,
gewesenen Universitäts Buchdru-
ckers, nachgelassene Wittwe denselben zu Fortsetzung
ihrer Buchdruckerey annahm, und nach Ablauff ei-
nes halben Jahres den 9. Jan. 1717. zum Factor
derselben durch oberwehnten Herrn Henckeln und sei-
ner damahligen Gesellen öffentlich vorstellen ließ, wel-
che Factorey er unter göttlichem Beystande treu und
sorgfältig verwaltet hat, dergestalt, daß obgedachte

Witt-

Kurtzgefaßte Nachricht,
Nachdem er nun dritthalb Jahr im Waͤyſenhauſe zu-
gebracht, ſo ſtarb ſeine bisherige große Wohlthaͤ-
rerin
die Frau von Legath zu ſeinem groſſen Leid-
weſen; dannenhero muſte er eine ſolche Lebensart er-
greiffen, davon er kuͤnfftig gedachte ſein Brodt zu ha-
ben. Er erwehlte demnach die edle Kunſt der Buch-
druckerey, in welchem Vorſatz er auch ſeinen Endzweck
erhielt, daß er dieſelbe, als Setzer, zu lernen anfing
im Jahr Chriſti 1708 den 12. Nov. Sein Lehrherr
war Chriſtian Henckel, fuͤrnehmer Buchdrucker-
herr in Halle, welcher noch am Leben iſt, und bey ſei-
nem hohen Alter in erwuͤnſchten Wohlſeyn lebet. Unter-
deſſen guter Anfuͤhrung und Unterweiſung hat er 5. volle
Jahre geſtanden. Jm Jahr 1713. am Michaelis Feſte
wurde er losgeſprochen, und von dem beſchwerlichen
Cornutenſtande innerhalb 6. oder 8. Wochen befreyet.
Den 12. Nov 1713. im 273. Jahre nach Erfindung der
Buchdruckerkunſt, verſchenckte er bey ſeinem gewe-
ſenen Lehrherrn, Herrn Henckeln, ſein Poſtulat, und
wurde alſo zu einen Mitgliede dieſer Kunſt gewoͤhn-
lichermaſſen erklaͤret. Hierauf verließ er Halle, und
conditionirte an auswaͤrtigen Orten bey einem und
dem andern redlichen Buchdruckerherrn, biß er durch
eine unverhoffte Gelegenheit wiederum nach Halle ver-
langet wurde. Jmmaſſen des ſeel. Herrn Johann
Jacob Krebſens,
geweſenen Univerſitaͤts Buchdru-
ckers, nachgelaſſene Wittwe denſelben zu Fortſetzung
ihrer Buchdruckerey annahm, und nach Ablauff ei-
nes halben Jahres den 9. Jan. 1717. zum Factor
derſelben durch oberwehnten Herrn Henckeln und ſei-
ner damahligen Geſellen oͤffentlich vorſtellen ließ, wel-
che Factorey er unter goͤttlichem Beyſtande treu und
ſorgfaͤltig verwaltet hat, dergeſtalt, daß obgedachte

Witt-
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0086" n="50"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Kurtzgefaßte Nachricht,</hi></fw><lb/>
Nachdem er nun dritthalb Jahr im Wa&#x0364;y&#x017F;enhau&#x017F;e zu-<lb/>
gebracht, &#x017F;o &#x017F;tarb &#x017F;eine bisherige <hi rendition="#fr">große Wohltha&#x0364;-<lb/>
rerin</hi> die Frau <hi rendition="#fr">von Legath</hi> zu &#x017F;einem gro&#x017F;&#x017F;en Leid-<lb/>
we&#x017F;en; dannenhero mu&#x017F;te er eine &#x017F;olche Lebensart er-<lb/>
greiffen, davon er ku&#x0364;nfftig gedachte &#x017F;ein Brodt zu ha-<lb/>
ben. Er erwehlte demnach die edle Kun&#x017F;t der Buch-<lb/>
druckerey, in welchem Vor&#x017F;atz er auch &#x017F;einen Endzweck<lb/>
erhielt, daß er die&#x017F;elbe, als Setzer, zu lernen anfing<lb/>
im Jahr Chri&#x017F;ti 1708 den 12. Nov. Sein Lehrherr<lb/>
war <hi rendition="#fr">Chri&#x017F;tian Henckel,</hi> fu&#x0364;rnehmer Buchdrucker-<lb/>
herr in <hi rendition="#fr">Halle,</hi> welcher noch am Leben i&#x017F;t, und bey &#x017F;ei-<lb/>
nem hohen Alter in erwu&#x0364;n&#x017F;chten Wohl&#x017F;eyn lebet. Unter-<lb/>
de&#x017F;&#x017F;en guter Anfu&#x0364;hrung und Unterwei&#x017F;ung hat er 5. volle<lb/>
Jahre ge&#x017F;tanden. Jm Jahr 1713. am Michaelis Fe&#x017F;te<lb/>
wurde er losge&#x017F;prochen, und von dem be&#x017F;chwerlichen<lb/>
Cornuten&#x017F;tande innerhalb 6. oder 8. Wochen befreyet.<lb/>
Den 12. Nov 1713. im 273. Jahre nach Erfindung der<lb/>
Buchdruckerkun&#x017F;t, ver&#x017F;chenckte er bey &#x017F;einem gewe-<lb/>
&#x017F;enen Lehrherrn, Herrn <hi rendition="#fr">Henckeln,</hi> &#x017F;ein Po&#x017F;tulat, und<lb/>
wurde al&#x017F;o zu einen Mitgliede die&#x017F;er Kun&#x017F;t gewo&#x0364;hn-<lb/>
licherma&#x017F;&#x017F;en erkla&#x0364;ret. Hierauf verließ er <hi rendition="#fr">Halle,</hi> und<lb/>
conditionirte an auswa&#x0364;rtigen Orten bey einem und<lb/>
dem andern redlichen Buchdruckerherrn, biß er durch<lb/>
eine unverhoffte Gelegenheit wiederum nach Halle ver-<lb/>
langet wurde. Jmma&#x017F;&#x017F;en des &#x017F;eel. Herrn <hi rendition="#fr">Johann<lb/>
Jacob Kreb&#x017F;ens,</hi> gewe&#x017F;enen Univer&#x017F;ita&#x0364;ts Buchdru-<lb/>
ckers, nachgela&#x017F;&#x017F;ene Wittwe den&#x017F;elben zu Fort&#x017F;etzung<lb/>
ihrer Buchdruckerey annahm, und nach Ablauff ei-<lb/>
nes halben Jahres den 9. Jan. 1717. zum Factor<lb/>
der&#x017F;elben durch oberwehnten Herrn <hi rendition="#fr">Henckeln</hi> und &#x017F;ei-<lb/>
ner damahligen Ge&#x017F;ellen o&#x0364;ffentlich vor&#x017F;tellen ließ, wel-<lb/>
che Factorey er unter go&#x0364;ttlichem Bey&#x017F;tande treu und<lb/>
&#x017F;orgfa&#x0364;ltig verwaltet hat, derge&#x017F;talt, daß obgedachte<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">Witt-</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[50/0086] Kurtzgefaßte Nachricht, Nachdem er nun dritthalb Jahr im Waͤyſenhauſe zu- gebracht, ſo ſtarb ſeine bisherige große Wohlthaͤ- rerin die Frau von Legath zu ſeinem groſſen Leid- weſen; dannenhero muſte er eine ſolche Lebensart er- greiffen, davon er kuͤnfftig gedachte ſein Brodt zu ha- ben. Er erwehlte demnach die edle Kunſt der Buch- druckerey, in welchem Vorſatz er auch ſeinen Endzweck erhielt, daß er dieſelbe, als Setzer, zu lernen anfing im Jahr Chriſti 1708 den 12. Nov. Sein Lehrherr war Chriſtian Henckel, fuͤrnehmer Buchdrucker- herr in Halle, welcher noch am Leben iſt, und bey ſei- nem hohen Alter in erwuͤnſchten Wohlſeyn lebet. Unter- deſſen guter Anfuͤhrung und Unterweiſung hat er 5. volle Jahre geſtanden. Jm Jahr 1713. am Michaelis Feſte wurde er losgeſprochen, und von dem beſchwerlichen Cornutenſtande innerhalb 6. oder 8. Wochen befreyet. Den 12. Nov 1713. im 273. Jahre nach Erfindung der Buchdruckerkunſt, verſchenckte er bey ſeinem gewe- ſenen Lehrherrn, Herrn Henckeln, ſein Poſtulat, und wurde alſo zu einen Mitgliede dieſer Kunſt gewoͤhn- lichermaſſen erklaͤret. Hierauf verließ er Halle, und conditionirte an auswaͤrtigen Orten bey einem und dem andern redlichen Buchdruckerherrn, biß er durch eine unverhoffte Gelegenheit wiederum nach Halle ver- langet wurde. Jmmaſſen des ſeel. Herrn Johann Jacob Krebſens, geweſenen Univerſitaͤts Buchdru- ckers, nachgelaſſene Wittwe denſelben zu Fortſetzung ihrer Buchdruckerey annahm, und nach Ablauff ei- nes halben Jahres den 9. Jan. 1717. zum Factor derſelben durch oberwehnten Herrn Henckeln und ſei- ner damahligen Geſellen oͤffentlich vorſtellen ließ, wel- che Factorey er unter goͤttlichem Beyſtande treu und ſorgfaͤltig verwaltet hat, dergeſtalt, daß obgedachte Witt-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/gessner_buchdruckerkunst02_1740
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/gessner_buchdruckerkunst02_1740/86
Zitationshilfe: [Gessner, Christian Friedrich]: Der so nöthig als nützlichen Buchdruckerkunst und Schriftgießerey. Bd. 2. Leipzig, 1740, S. 50. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/gessner_buchdruckerkunst02_1740/86>, abgerufen am 09.08.2022.