Glück, Christian Friedrich von: Versuch einer ausführlichen Erläuterung der Pandecten nach Hellfeld ein Commentar für meine Zuhörer. Erlangen, 1790.de Iustitia et Iure. den? z. B. es ist ein Kauf geschlossen, die Contrahen-ten waren über Waare und Kaufpreis schon vollkom- men einig, allein noch vor der Uebergabe oder Bezah- lung des Kaufgeldes verbiethet ein neues Gesez diese Art des Kaufs. Ist nun der ganze Handel für ungül- tig zu halten? Ich zweifle sehr. Man merke sich die Regel, welche Nicol. Christoph Lynker 40) und Tobias Jacob Reinharth 41) geben: Quaecunque negotia iam ante legem novam latam quoad essen- tiam suam fuerunt perfecta, licet consummationem suam suosque effectus ab actu demum post legem novam futuro, eoque non extensivo, adhuc expectent, ea ad praeterita omnino referenda sunt, adeoque ex anterioribus legibus, nequaquam vero ex nova lege lata diiudicanda, modo non integrum sit, nego- tium iuxta novae legis placita emendandi et perfi- eiendi. Ich habe hier noch eins und das andere zu mehrerer Erläuterung dieser Regel hinzuzufügen. Erst- lich: Geschäfte, welche ab actu extensivo, d. i. von einer solchen künftigen Handlung, die nicht auf einmahl, sondern öfters geschehen muß, ihre Erfüllung oder Wir- kung erhalten, können nicht schlechterdings ad negotia praeterita gerechnet werden, sondern sie gehören in ge- wisser Rücksicht zu den vergangenen, in anderer Bezie- hung aber sind sie zu den zukünftigen zu rechnen. Z. B. wenn ich mir in einem Fall, wo es nach dem bisherigen Recht erlaubt gewesen, von meinem Schuldner mehr als gewöhnliche Zinsen habe versprechen lassen, und nun ein neues Gesez gegeben würde, daß dem Gläubiger in ei- nem solchen Fall auch nur gewöhnliche Zinsen zu neh- men 40) in Diss. de vi legis in praeteritum occas. L 7. Cod. de LL. Ien. 1681. rec. 1751. Th. 5. 41) in Select. Observat. ad Christinaeum Vol. I.
Obs. 49. n. 5. de Iuſtitia et Iure. den? z. B. es iſt ein Kauf geſchloſſen, die Contrahen-ten waren uͤber Waare und Kaufpreis ſchon vollkom- men einig, allein noch vor der Uebergabe oder Bezah- lung des Kaufgeldes verbiethet ein neues Geſez dieſe Art des Kaufs. Iſt nun der ganze Handel fuͤr unguͤl- tig zu halten? Ich zweifle ſehr. Man merke ſich die Regel, welche Nicol. Chriſtoph Lynker 40) und Tobias Jacob Reinharth 41) geben: Quaecunque negotia iam ante legem novam latam quoad eſſen- tiam ſuam fuerunt perfecta, licet conſummationem ſuam ſuosque effectus ab actu demum poſt legem novam futuro, eoque non extenſivo, adhuc expectent, ea ad praeterita omnino referenda ſunt, adeoque ex anterioribus legibus, nequaquam vero ex nova lege lata diiudicanda, modo non integrum ſit, nego- tium iuxta novae legis placita emendandi et perfi- eiendi. Ich habe hier noch eins und das andere zu mehrerer Erlaͤuterung dieſer Regel hinzuzufuͤgen. Erſt- lich: Geſchaͤfte, welche ab actu extenſivo, d. i. von einer ſolchen kuͤnftigen Handlung, die nicht auf einmahl, ſondern oͤfters geſchehen muß, ihre Erfuͤllung oder Wir- kung erhalten, koͤnnen nicht ſchlechterdings ad negotia praeterita gerechnet werden, ſondern ſie gehoͤren in ge- wiſſer Ruͤckſicht zu den vergangenen, in anderer Bezie- hung aber ſind ſie zu den zukuͤnftigen zu rechnen. Z. B. wenn ich mir in einem Fall, wo es nach dem bisherigen Recht erlaubt geweſen, von meinem Schuldner mehr als gewoͤhnliche Zinſen habe verſprechen laſſen, und nun ein neues Geſez gegeben wuͤrde, daß dem Glaͤubiger in ei- nem ſolchen Fall auch nur gewoͤhnliche Zinſen zu neh- men 40) in Diſſ. de vi legis in praeteritum occaſ. L 7. Cod. de LL. Ien. 1681. rec. 1751. Th. 5. 41) in Select. Obſervat. ad Chriſtinaeum Vol. I.
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de Iuſtitia et Iure.
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ten waren uͤber Waare und Kaufpreis ſchon vollkom-
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lung des Kaufgeldes verbiethet ein neues Geſez dieſe
Art des Kaufs. Iſt nun der ganze Handel fuͤr unguͤl-
tig zu halten? Ich zweifle ſehr. Man merke ſich die
Regel, welche Nicol. Chriſtoph Lynker 40) und
Tobias Jacob Reinharth 41) geben: Quaecunque
negotia iam ante legem novam latam quoad eſſen-
tiam ſuam fuerunt perfecta, licet conſummationem
ſuam ſuosque effectus ab actu demum poſt legem
novam futuro, eoque non extenſivo, adhuc expectent,
ea ad praeterita omnino referenda ſunt, adeoque
ex anterioribus legibus, nequaquam vero ex nova
lege lata diiudicanda, modo non integrum ſit, nego-
tium iuxta novae legis placita emendandi et perfi-
eiendi. Ich habe hier noch eins und das andere zu
mehrerer Erlaͤuterung dieſer Regel hinzuzufuͤgen. Erſt-
lich: Geſchaͤfte, welche ab actu extenſivo, d. i. von
einer ſolchen kuͤnftigen Handlung, die nicht auf einmahl,
ſondern oͤfters geſchehen muß, ihre Erfuͤllung oder Wir-
kung erhalten, koͤnnen nicht ſchlechterdings ad negotia
praeterita gerechnet werden, ſondern ſie gehoͤren in ge-
wiſſer Ruͤckſicht zu den vergangenen, in anderer Bezie-
hung aber ſind ſie zu den zukuͤnftigen zu rechnen. Z. B.
wenn ich mir in einem Fall, wo es nach dem bisherigen
Recht erlaubt geweſen, von meinem Schuldner mehr als
gewoͤhnliche Zinſen habe verſprechen laſſen, und nun ein
neues Geſez gegeben wuͤrde, daß dem Glaͤubiger in ei-
nem ſolchen Fall auch nur gewoͤhnliche Zinſen zu neh-
men
40) in Diſſ. de vi legis in praeteritum occaſ.
L 7. Cod. de LL. Ien. 1681. rec. 1751. Th. 5.
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| Zitationshilfe: | Glück, Christian Friedrich von: Versuch einer ausführlichen Erläuterung der Pandecten nach Hellfeld ein Commentar für meine Zuhörer. Erlangen, 1790, S. 141. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/glueck_pandecten01_1790/161>, abgerufen am 11.09.2024. |


