theilen, wo sie vorkommen. Auch die Anlegung eines Arrests geschiehet nach den Gesetzen des Forums, wo dieselbe gesucht wird 82). Im lezten Falle hingegen finden folgende Regeln statt:
1) Wenn von dem Zustandeiner Persohn, und denen davon abhängenden Rechten die Rede ist, so sind die besondern Gesetze des- jenigen Landes anzuwenden, wo die Persohn wohnhaft ist, wenn sie sich auch ausser Lan- des befindet83). Denn die Persohn eines Untertha- nen ist keinem andern unterworfen, als demjenigen Lan- desherrn, in dessen Lande dieselbe ihren Wohnsiz hat, (§. 44.) nun ist der Status ein Zubehör der Persohn, welcher derselben anklebt, und die Persohn überall be- gleitet, wo sie sich nur aufhält; mithin müssen auch die Gesetze des Domiciliums, die diese persöhnliche Ei- genschaft dem Unterthan beylegen, als Normen ange- wendet werden, wenn sich derselbe ausser Landes befin- det, weil die Persohn doch immer in der Unterthänig- keit gegen den Landesherrn bleibt, in dessen Lande das Domicilium derselben ist 84). Wolte man ein an- ders annehmen, so würde hieraus noch überdies die gröste Unbequemlichkeit entstehen. Denn ein Mündiger zu Hausse würde zu gleicher Zeit auch an dem Orte, wo er auswärts etwas besizt, unmündig seyn; würde also, so lang er zu Hausse bleibt, mündig seyn, aber sobald er verreist, in einem andern Gebiete es nicht
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82)L. 3. §. 6. D. de testib. hert a. a. O. §. LXX. hofacker Princip. iur. civ. Rom. Germ. T. I. §. 144. S. 116.
83)Quando lex in personam dirigitur, respiciendum est ad leges illius civitatis, quae personam habet subiectam, sagt hert a. a. O. §. VIII.
84)Schnauberts Anfangsgründe des Staatsrechts der ge- sammten Reichslande §. 116.
1. Buch. 2. Tit.
theilen, wo ſie vorkommen. Auch die Anlegung eines Arreſts geſchiehet nach den Geſetzen des Forums, wo dieſelbe geſucht wird 82). Im lezten Falle hingegen finden folgende Regeln ſtatt:
1) Wenn von dem Zuſtandeiner Perſohn, und denen davon abhaͤngenden Rechten die Rede iſt, ſo ſind die beſondern Geſetze des- jenigen Landes anzuwenden, wo die Perſohn wohnhaft iſt, wenn ſie ſich auch auſſer Lan- des befindet83). Denn die Perſohn eines Untertha- nen iſt keinem andern unterworfen, als demjenigen Lan- desherrn, in deſſen Lande dieſelbe ihren Wohnſiz hat, (§. 44.) nun iſt der Status ein Zubehoͤr der Perſohn, welcher derſelben anklebt, und die Perſohn uͤberall be- gleitet, wo ſie ſich nur aufhaͤlt; mithin muͤſſen auch die Geſetze des Domiciliums, die dieſe perſoͤhnliche Ei- genſchaft dem Unterthan beylegen, als Normen ange- wendet werden, wenn ſich derſelbe auſſer Landes befin- det, weil die Perſohn doch immer in der Unterthaͤnig- keit gegen den Landesherrn bleibt, in deſſen Lande das Domicilium derſelben iſt 84). Wolte man ein an- ders annehmen, ſo wuͤrde hieraus noch uͤberdies die groͤſte Unbequemlichkeit entſtehen. Denn ein Muͤndiger zu Hauſſe wuͤrde zu gleicher Zeit auch an dem Orte, wo er auswaͤrts etwas beſizt, unmuͤndig ſeyn; wuͤrde alſo, ſo lang er zu Hauſſe bleibt, muͤndig ſeyn, aber ſobald er verreiſt, in einem andern Gebiete es nicht
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82)L. 3. §. 6. D. de teſtib. hert a. a. O. §. LXX. hofacker Princip. iur. civ. Rom. Germ. T. I. §. 144. S. 116.
83)Quando lex in perſonam dirigitur, reſpiciendum eſt ad leges illius civitatis, quae perſonam habet ſubiectam, ſagt hert a. a. O. §. VIII.
84)Schnauberts Anfangsgruͤnde des Staatsrechts der ge- ſammten Reichslande §. 116.
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1. Buch. 2. Tit.
theilen, wo ſie vorkommen. Auch die Anlegung eines
Arreſts geſchiehet nach den Geſetzen des Forums, wo
dieſelbe geſucht wird 82). Im lezten Falle hingegen
finden folgende Regeln ſtatt:
1) Wenn von dem Zuſtandeiner Perſohn,
und denen davon abhaͤngenden Rechten die
Rede iſt, ſo ſind die beſondern Geſetze des-
jenigen Landes anzuwenden, wo die Perſohn
wohnhaft iſt, wenn ſie ſich auch auſſer Lan-
des befindet 83). Denn die Perſohn eines Untertha-
nen iſt keinem andern unterworfen, als demjenigen Lan-
desherrn, in deſſen Lande dieſelbe ihren Wohnſiz hat,
(§. 44.) nun iſt der Status ein Zubehoͤr der Perſohn,
welcher derſelben anklebt, und die Perſohn uͤberall be-
gleitet, wo ſie ſich nur aufhaͤlt; mithin muͤſſen auch
die Geſetze des Domiciliums, die dieſe perſoͤhnliche Ei-
genſchaft dem Unterthan beylegen, als Normen ange-
wendet werden, wenn ſich derſelbe auſſer Landes befin-
det, weil die Perſohn doch immer in der Unterthaͤnig-
keit gegen den Landesherrn bleibt, in deſſen Lande das
Domicilium derſelben iſt 84). Wolte man ein an-
ders annehmen, ſo wuͤrde hieraus noch uͤberdies die
groͤſte Unbequemlichkeit entſtehen. Denn ein Muͤndiger
zu Hauſſe wuͤrde zu gleicher Zeit auch an dem Orte,
wo er auswaͤrts etwas beſizt, unmuͤndig ſeyn; wuͤrde
alſo, ſo lang er zu Hauſſe bleibt, muͤndig ſeyn, aber
ſobald er verreiſt, in einem andern Gebiete es nicht
mehr
82) L. 3. §. 6. D. de teſtib. hert a. a. O. §. LXX. hofacker
Princip. iur. civ. Rom. Germ. T. I. §. 144. S. 116.
83) Quando lex in perſonam dirigitur, reſpiciendum eſt ad
leges illius civitatis, quae perſonam habet ſubiectam, ſagt
hert a. a. O. §. VIII.
84) Schnauberts Anfangsgruͤnde des Staatsrechts der ge-
ſammten Reichslande §. 116.
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Glück, Christian Friedrich von: Versuch einer ausführlichen Erläuterung der Pandecten nach Hellfeld ein Commentar für meine Zuhörer. Erlangen, 1790, S. 388. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/glueck_pandecten01_1790/408>, abgerufen am 11.09.2024.
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