ziemlich ihres Gleichen; zu wollen ihren Willen, zu leiden ihre Uebel und zu kämpfen für ihre Sache. Darum leicht versöhnlich und bald vergessend alte Un¬ bill, wie sie in ihrer gutmüthigen Sinnesart sich ge¬ ben, fiengen sie schnell wieder an, dem leichten Franz¬ wein Geschmack abzugewinnen, erst mit Maaße und geschämig zu sich nehmend, um des häuslichen Ver¬ drusses zu vergessen; allmählig aus Gewohnheit trin¬ kend und mit Wohlgefallen sich berauschend. Einmal erwärmt, fiengen sie dann an laut zu werden, und an dem Streite mit Zuruf und Ermunterung, bald auch mit eigenen Schlägereyen Theil zu nehmen. Ob¬ gleich, wie an den Bestand der Liberalen in Frank¬ reich zum Theil die Emancipation Teutschlands ge¬ knüpft ist, so an den der Ultra's seine Ruhe und Sicherheit; so nahmen sie doch, uneigennützig, wie sie sind, ohne Bedenken entschieden gegen die Letztere Parthey, und wünschten mit heißen Segenswünschen ihre gänzliche Ausrottung und Vertilgung.
Als aber die Franzosen so unverhofft neu aufkei¬ mende Freundschaftstriebe im Herzen der vom Kreuz¬ zuge heimgekehrten Teutschen, die sie noch alle ob des alten Schimpfes sich aufsäßig glaubten, bemerkten; da färbte sich ihnen die alte verblaßte Hoffnung wie¬ der grün, und sie beschlossen, so gute Anlagen nicht unbenutzt zu lassen, und legten wie im Times, so in teutschen Blättern eigene Kanzleyen für die teutschen Bundesangelegenheiten an; wo der Fuchs aufs Neue, freilich noch in's Unbestimmte, den Gänsen predigte, und ihnen ihre Erkenntlichkeit für die bewiesene Zärt¬ lichkeit bezeugte, die Liberalen alles Beystandes ver¬
ziemlich ihres Gleichen; zu wollen ihren Willen, zu leiden ihre Uebel und zu kämpfen für ihre Sache. Darum leicht verſöhnlich und bald vergeſſend alte Un¬ bill, wie ſie in ihrer gutmüthigen Sinnesart ſich ge¬ ben, fiengen ſie ſchnell wieder an, dem leichten Franz¬ wein Geſchmack abzugewinnen, erſt mit Maaße und geſchämig zu ſich nehmend, um des häuslichen Ver¬ druſſes zu vergeſſen; allmählig aus Gewohnheit trin¬ kend und mit Wohlgefallen ſich berauſchend. Einmal erwärmt, fiengen ſie dann an laut zu werden, und an dem Streite mit Zuruf und Ermunterung, bald auch mit eigenen Schlägereyen Theil zu nehmen. Ob¬ gleich, wie an den Beſtand der Liberalen in Frank¬ reich zum Theil die Emancipation Teutſchlands ge¬ knüpft iſt, ſo an den der Ultra's ſeine Ruhe und Sicherheit; ſo nahmen ſie doch, uneigennützig, wie ſie ſind, ohne Bedenken entſchieden gegen die Letztere Parthey, und wünſchten mit heißen Segenswünſchen ihre gänzliche Ausrottung und Vertilgung.
Als aber die Franzoſen ſo unverhofft neu aufkei¬ mende Freundſchaftstriebe im Herzen der vom Kreuz¬ zuge heimgekehrten Teutſchen, die ſie noch alle ob des alten Schimpfes ſich aufſäßig glaubten, bemerkten; da färbte ſich ihnen die alte verblaßte Hoffnung wie¬ der grün, und ſie beſchloſſen, ſo gute Anlagen nicht unbenutzt zu laſſen, und legten wie im Times, ſo in teutſchen Blättern eigene Kanzleyen für die teutſchen Bundesangelegenheiten an; wo der Fuchs aufs Neue, freilich noch in's Unbeſtimmte, den Gänſen predigte, und ihnen ihre Erkenntlichkeit für die bewieſene Zärt¬ lichkeit bezeugte, die Liberalen alles Beyſtandes ver¬
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ziemlich ihres Gleichen; zu wollen ihren Willen, zu
leiden ihre Uebel und zu kämpfen für ihre Sache.
Darum leicht verſöhnlich und bald vergeſſend alte Un¬
bill, wie ſie in ihrer gutmüthigen Sinnesart ſich ge¬
ben, fiengen ſie ſchnell wieder an, dem leichten Franz¬
wein Geſchmack abzugewinnen, erſt mit Maaße und
geſchämig zu ſich nehmend, um des häuslichen Ver¬
druſſes zu vergeſſen; allmählig aus Gewohnheit trin¬
kend und mit Wohlgefallen ſich berauſchend. Einmal
erwärmt, fiengen ſie dann an laut zu werden, und
an dem Streite mit Zuruf und Ermunterung, bald
auch mit eigenen Schlägereyen Theil zu nehmen. Ob¬
gleich, wie an den Beſtand der Liberalen in Frank¬
reich zum Theil die Emancipation Teutſchlands ge¬
knüpft iſt, ſo an den der Ultra's ſeine Ruhe und
Sicherheit; ſo nahmen ſie doch, uneigennützig, wie ſie
ſind, ohne Bedenken entſchieden gegen die Letztere
Parthey, und wünſchten mit heißen Segenswünſchen
ihre gänzliche Ausrottung und Vertilgung.
Als aber die Franzoſen ſo unverhofft neu aufkei¬
mende Freundſchaftstriebe im Herzen der vom Kreuz¬
zuge heimgekehrten Teutſchen, die ſie noch alle ob des
alten Schimpfes ſich aufſäßig glaubten, bemerkten;
da färbte ſich ihnen die alte verblaßte Hoffnung wie¬
der grün, und ſie beſchloſſen, ſo gute Anlagen nicht
unbenutzt zu laſſen, und legten wie im Times, ſo in
teutſchen Blättern eigene Kanzleyen für die teutſchen
Bundesangelegenheiten an; wo der Fuchs aufs Neue,
freilich noch in's Unbeſtimmte, den Gänſen predigte,
und ihnen ihre Erkenntlichkeit für die bewieſene Zärt¬
lichkeit bezeugte, die Liberalen alles Beyſtandes ver¬
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Görres, Joseph von: Teutschland und die Revolution. Koblenz, 1819, S. 94. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/goerres_revolution_1819/102>, abgerufen am 10.08.2024.
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