muß, so ist sein Gut unter den Gottesbann gefestet; weil aber der Wehrstand zwischen dem Beweglichen und dem Ruhenden die Mitte hält, darum ist seine Domaine in der Belehnung in ein Verhältniß zu ihm gesetzt, das zwischen der Festung und dem Wandelba¬ ren mitten inne schwebt.
Eben so ist in demselben Lehnsysteme der Adel, der zwischen der Idee und ihrer Darstellung im Realen seine Stellung hat, auch zwischen das demokratische und monarchische Prinzip getheilt, die sich eben in der Aristokratie vereinen; und wie er hier in den sieben Heerschilden sich in sich zusammenschließt; so hat die Kirche über ihm, wesentlich monarchisch, gleichfalls in sieben geistliche Heerschilde ihre Hierarchie geschlossen, indem vom Papst und seinem Presbyterium durch die Erzbischöffe, Bischöffe, Archidiacone, Decane, Pfarrer, sechs Stufen bis zur Siebenten der Klostergeistlichen herunterführen, von denen man, eben wie von den Freygebornen des siebenten Heerschildes, nicht recht weiß, ob sie mehr der bischöfflichen Hierarchie oder sich selber angehören.
Wie aber hier alle Weihe und Autorität von oben herniedersteigt, so im Nährstande alle Würde und alles Recht aus dem Besitze; und bey rechter Ordnung des Staates wesentlich das demokratische Element in sich beschließend, oder bey eingetretener Unordnung mit unaufhaltsamem Naturtriebe nach ihm strebend, hat auch er in jener Zeit nach der Siebenzahl sich zu spalten den Trieb gezeigt, indem durch die Patrizier, Kaufleute, Gewerke, Unzünftige, in den Städten durch die Einsassen und Hintersassen auf dem Lande
muß, ſo iſt ſein Gut unter den Gottesbann gefeſtet; weil aber der Wehrſtand zwiſchen dem Beweglichen und dem Ruhenden die Mitte hält, darum iſt ſeine Domaine in der Belehnung in ein Verhältniß zu ihm geſetzt, das zwiſchen der Feſtung und dem Wandelba¬ ren mitten inne ſchwebt.
Eben ſo iſt in demſelben Lehnſyſteme der Adel, der zwiſchen der Idee und ihrer Darſtellung im Realen ſeine Stellung hat, auch zwiſchen das demokratiſche und monarchiſche Prinzip getheilt, die ſich eben in der Ariſtokratie vereinen; und wie er hier in den ſieben Heerſchilden ſich in ſich zuſammenſchließt; ſo hat die Kirche über ihm, weſentlich monarchiſch, gleichfalls in ſieben geiſtliche Heerſchilde ihre Hierarchie geſchloſſen, indem vom Papſt und ſeinem Presbyterium durch die Erzbiſchöffe, Biſchöffe, Archidiacone, Decane, Pfarrer, ſechs Stufen bis zur Siebenten der Kloſtergeiſtlichen herunterführen, von denen man, eben wie von den Freygebornen des ſiebenten Heerſchildes, nicht recht weiß, ob ſie mehr der biſchöfflichen Hierarchie oder ſich ſelber angehören.
Wie aber hier alle Weihe und Autorität von oben herniederſteigt, ſo im Nährſtande alle Würde und alles Recht aus dem Beſitze; und bey rechter Ordnung des Staates weſentlich das demokratiſche Element in ſich beſchließend, oder bey eingetretener Unordnung mit unaufhaltſamem Naturtriebe nach ihm ſtrebend, hat auch er in jener Zeit nach der Siebenzahl ſich zu ſpalten den Trieb gezeigt, indem durch die Patrizier, Kaufleute, Gewerke, Unzünftige, in den Städten durch die Einſaſſen und Hinterſaſſen auf dem Lande
<TEI><text><body><p><pbfacs="#f0181"n="173"/>
muß, ſo iſt ſein Gut unter den Gottesbann gefeſtet;<lb/>
weil aber der Wehrſtand zwiſchen dem Beweglichen<lb/>
und dem Ruhenden die Mitte hält, darum iſt ſeine<lb/>
Domaine in der Belehnung in ein Verhältniß zu ihm<lb/>
geſetzt, das zwiſchen der Feſtung und dem Wandelba¬<lb/>
ren mitten inne ſchwebt.</p><lb/><p>Eben ſo iſt in demſelben Lehnſyſteme der Adel, der<lb/>
zwiſchen der Idee und ihrer Darſtellung im Realen<lb/>ſeine Stellung hat, auch zwiſchen das demokratiſche<lb/>
und monarchiſche Prinzip getheilt, die ſich eben in der<lb/>
Ariſtokratie vereinen; und wie er hier in den ſieben<lb/>
Heerſchilden ſich in ſich zuſammenſchließt; ſo hat die<lb/>
Kirche über ihm, weſentlich monarchiſch, gleichfalls in<lb/>ſieben geiſtliche Heerſchilde ihre Hierarchie geſchloſſen,<lb/>
indem vom Papſt und ſeinem Presbyterium durch die<lb/>
Erzbiſchöffe, Biſchöffe, Archidiacone, Decane, Pfarrer,<lb/>ſechs Stufen bis zur Siebenten der Kloſtergeiſtlichen<lb/>
herunterführen, von denen man, eben wie von den<lb/>
Freygebornen des ſiebenten Heerſchildes, nicht recht<lb/>
weiß, ob ſie mehr der biſchöfflichen Hierarchie oder<lb/>ſich ſelber angehören.</p><lb/><p>Wie aber hier alle Weihe und Autorität von oben<lb/>
herniederſteigt, ſo im Nährſtande alle Würde und<lb/>
alles Recht aus dem Beſitze; und bey rechter Ordnung<lb/>
des Staates weſentlich das demokratiſche Element in<lb/>ſich beſchließend, oder bey eingetretener Unordnung<lb/>
mit unaufhaltſamem Naturtriebe nach ihm ſtrebend,<lb/>
hat auch er in jener Zeit nach der Siebenzahl ſich zu<lb/>ſpalten den Trieb gezeigt, indem durch die Patrizier,<lb/>
Kaufleute, Gewerke, Unzünftige, in den Städten<lb/>
durch die Einſaſſen und Hinterſaſſen auf dem Lande<lb/></p></body></text></TEI>
[173/0181]
muß, ſo iſt ſein Gut unter den Gottesbann gefeſtet;
weil aber der Wehrſtand zwiſchen dem Beweglichen
und dem Ruhenden die Mitte hält, darum iſt ſeine
Domaine in der Belehnung in ein Verhältniß zu ihm
geſetzt, das zwiſchen der Feſtung und dem Wandelba¬
ren mitten inne ſchwebt.
Eben ſo iſt in demſelben Lehnſyſteme der Adel, der
zwiſchen der Idee und ihrer Darſtellung im Realen
ſeine Stellung hat, auch zwiſchen das demokratiſche
und monarchiſche Prinzip getheilt, die ſich eben in der
Ariſtokratie vereinen; und wie er hier in den ſieben
Heerſchilden ſich in ſich zuſammenſchließt; ſo hat die
Kirche über ihm, weſentlich monarchiſch, gleichfalls in
ſieben geiſtliche Heerſchilde ihre Hierarchie geſchloſſen,
indem vom Papſt und ſeinem Presbyterium durch die
Erzbiſchöffe, Biſchöffe, Archidiacone, Decane, Pfarrer,
ſechs Stufen bis zur Siebenten der Kloſtergeiſtlichen
herunterführen, von denen man, eben wie von den
Freygebornen des ſiebenten Heerſchildes, nicht recht
weiß, ob ſie mehr der biſchöfflichen Hierarchie oder
ſich ſelber angehören.
Wie aber hier alle Weihe und Autorität von oben
herniederſteigt, ſo im Nährſtande alle Würde und
alles Recht aus dem Beſitze; und bey rechter Ordnung
des Staates weſentlich das demokratiſche Element in
ſich beſchließend, oder bey eingetretener Unordnung
mit unaufhaltſamem Naturtriebe nach ihm ſtrebend,
hat auch er in jener Zeit nach der Siebenzahl ſich zu
ſpalten den Trieb gezeigt, indem durch die Patrizier,
Kaufleute, Gewerke, Unzünftige, in den Städten
durch die Einſaſſen und Hinterſaſſen auf dem Lande
Informationen zur CAB-Ansicht
Diese Ansicht bietet Ihnen die Darstellung des Textes in normalisierter Orthographie.
Diese Textvariante wird vollautomatisch erstellt und kann aufgrund dessen auch Fehler enthalten.
Alle veränderten Wortformen sind grau hinterlegt. Als fremdsprachliches Material erkannte
Textteile sind ausgegraut dargestellt.
Sie haben einen Fehler gefunden?
Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform
DTAQ melden.
Kommentar zur DTA-Ausgabe
Dieses Werk wurde von OCR-Software automatisch erfasst und anschließend
gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien
von Muttersprachlern nachkontrolliert. Es wurde gemäß dem
DTA-Basisformat in XML/TEI P5 kodiert.
Görres, Joseph von: Teutschland und die Revolution. Koblenz, 1819, S. 173. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/goerres_revolution_1819/181>, abgerufen am 10.08.2024.
Alle Inhalte dieser Seite unterstehen, soweit nicht anders gekennzeichnet, einer
Creative-Commons-Lizenz.
Die Rechte an den angezeigten Bilddigitalisaten, soweit nicht anders gekennzeichnet, liegen bei den besitzenden Bibliotheken.
Weitere Informationen finden Sie in den DTA-Nutzungsbedingungen.
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf
diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken
dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder
nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der
Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden.
Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des
§ 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen
Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung
der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu
vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
Zitierempfehlung: Deutsches Textarchiv. Grundlage für ein Referenzkorpus der neuhochdeutschen Sprache. Herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 2024. URL: https://www.deutschestextarchiv.de/.