und der Nachtheil des Streites, der sich erhob, mußte nothwendig ganz auf Seite der neuen Herrschaft fal¬ len, da sie sich allein alles Thun zugeeignet, und den Einheimischen nur das Lassen zugetheilt. Seit der Zeit also wo die Regierung durch ihre Organisa¬ tion das Vertrauen zuerst verwirkt, hatten Diese auf Beobachtung sich gelegt, und nur allzu bald alle Schwä¬ chen ausgespäht. Da man sogleich einstimmig die Gegenwart als völlig unstatthaft verworfen, war die ganze Aufmerksamkeit bald auf die Fortschritte der Re¬ gierung im Verfassungsgeschäft gerichtet. Man be¬ merkte die Einsetzung des Staatsraths als die erste Einleitung zu diesem Geschäfte mit Wohlgefallen, ob er gleich nach seiner Einrichtung nichts als eine Re¬ gierungs-Behörde war. Ebeu so wurde die Niedersez¬ zung der Commission zur Entwerfung der Verfassung dankbar aufgenommen, und wie früher die Anord¬ nung der Immediat-Justiz-Commission, so die spätere Aufhebung der geheimen Polizey Als aus der Mitte jenes Ausschusses drey Commissäre auf den Vortrag des Canzlers in die verschiednen Provinzen abgegan¬ gen, um sich über das Bestehende und ehmals Gewe¬ sene Notizen zu verschaffen, ließ man auch diese, ob¬ gleich verspätete Maaßregel, für einen Fortschritt gel¬ ten. Als aber diese Ausgesandten zurückgekehrt, und die Berichte der verschiedenen Regierungen des Lan¬ des eingelaufen, und keine zweyte Sitzung jener Com¬ mission erfolgen wollte; weckte die Langsamkeit in den Bewegungen der Regierung zuerst die Besorgniß, daß sie bald rückläufig werden möchte.
Inzwischen war der Kanzler zum Rhein gekommen,
und der Nachtheil des Streites, der ſich erhob, mußte nothwendig ganz auf Seite der neuen Herrſchaft fal¬ len, da ſie ſich allein alles Thun zugeeignet, und den Einheimiſchen nur das Laſſen zugetheilt. Seit der Zeit alſo wo die Regierung durch ihre Organiſa¬ tion das Vertrauen zuerſt verwirkt, hatten Dieſe auf Beobachtung ſich gelegt, und nur allzu bald alle Schwä¬ chen ausgeſpäht. Da man ſogleich einſtimmig die Gegenwart als völlig unſtatthaft verworfen, war die ganze Aufmerkſamkeit bald auf die Fortſchritte der Re¬ gierung im Verfaſſungsgeſchäft gerichtet. Man be¬ merkte die Einſetzung des Staatsraths als die erſte Einleitung zu dieſem Geſchäfte mit Wohlgefallen, ob er gleich nach ſeiner Einrichtung nichts als eine Re¬ gierungs-Behörde war. Ebeu ſo wurde die Niederſez¬ zung der Commiſſion zur Entwerfung der Verfaſſung dankbar aufgenommen, und wie früher die Anord¬ nung der Immediat-Juſtiz-Commiſſion, ſo die ſpätere Aufhebung der geheimen Polizey Als aus der Mitte jenes Ausſchuſſes drey Commiſſäre auf den Vortrag des Canzlers in die verſchiednen Provinzen abgegan¬ gen, um ſich über das Beſtehende und ehmals Gewe¬ ſene Notizen zu verſchaffen, ließ man auch dieſe, ob¬ gleich verſpätete Maaßregel, für einen Fortſchritt gel¬ ten. Als aber dieſe Ausgeſandten zurückgekehrt, und die Berichte der verſchiedenen Regierungen des Lan¬ des eingelaufen, und keine zweyte Sitzung jener Com¬ miſſion erfolgen wollte; weckte die Langſamkeit in den Bewegungen der Regierung zuerſt die Beſorgniß, daß ſie bald rückläufig werden möchte.
Inzwiſchen war der Kanzler zum Rhein gekommen,
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[69/0077]
und der Nachtheil des Streites, der ſich erhob, mußte
nothwendig ganz auf Seite der neuen Herrſchaft fal¬
len, da ſie ſich allein alles Thun zugeeignet, und
den Einheimiſchen nur das Laſſen zugetheilt. Seit
der Zeit alſo wo die Regierung durch ihre Organiſa¬
tion das Vertrauen zuerſt verwirkt, hatten Dieſe auf
Beobachtung ſich gelegt, und nur allzu bald alle Schwä¬
chen ausgeſpäht. Da man ſogleich einſtimmig die
Gegenwart als völlig unſtatthaft verworfen, war die
ganze Aufmerkſamkeit bald auf die Fortſchritte der Re¬
gierung im Verfaſſungsgeſchäft gerichtet. Man be¬
merkte die Einſetzung des Staatsraths als die erſte
Einleitung zu dieſem Geſchäfte mit Wohlgefallen, ob
er gleich nach ſeiner Einrichtung nichts als eine Re¬
gierungs-Behörde war. Ebeu ſo wurde die Niederſez¬
zung der Commiſſion zur Entwerfung der Verfaſſung
dankbar aufgenommen, und wie früher die Anord¬
nung der Immediat-Juſtiz-Commiſſion, ſo die ſpätere
Aufhebung der geheimen Polizey Als aus der Mitte
jenes Ausſchuſſes drey Commiſſäre auf den Vortrag
des Canzlers in die verſchiednen Provinzen abgegan¬
gen, um ſich über das Beſtehende und ehmals Gewe¬
ſene Notizen zu verſchaffen, ließ man auch dieſe, ob¬
gleich verſpätete Maaßregel, für einen Fortſchritt gel¬
ten. Als aber dieſe Ausgeſandten zurückgekehrt, und
die Berichte der verſchiedenen Regierungen des Lan¬
des eingelaufen, und keine zweyte Sitzung jener Com¬
miſſion erfolgen wollte; weckte die Langſamkeit in den
Bewegungen der Regierung zuerſt die Beſorgniß, daß
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Inzwiſchen war der Kanzler zum Rhein gekommen,
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Görres, Joseph von: Teutschland und die Revolution. Koblenz, 1819, S. 69. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/goerres_revolution_1819/77>, abgerufen am 10.08.2024.
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