zur Leiche zu gehen, um dem Verblichenen die letzte Ehre zu bezeugen; dann aber zu brechen die schimpf¬ liche Kettenlast, und auszuziehen gemeinsamer Hand, und zu stürzen die Tyrannen.
Darum wird mit denselben Gründen, wie früher der Fürstenbund gegen die längst zum Schatten ge¬ wordne Kaiserliche Macht, so jetzt ein gleicher Bund gegen den Papst, den Tyrannen der Christenheit, ge¬ predigt, dessen geistliche Gewalt ohngefähr auf glei¬ cher Linie, wie damals jene Weltliche sich befindet. Wenn die Catholischen zu solchem Beginnen achsel¬ zuckend schweigen, dann wird auf die Jesuiten hinge¬ deutet, die ein furchtbares Phantom von der Schweiz herüberdrohen; protestantische Zeloten karren in den Oppositions- und ähnlichen Blättern allen Unrath alter Zeit, und was die Päpste je Schlechtes und Arges unternommen, in einen Haufen aufeinander; riechen nach Art jener früheren Berliner Zionswächter in allen Richtungen nach geheimen Umtrieben, und verlästern und verklatschen ehrliche Leute, die ihren Glauben und ihre Ueberzeugung vertheidigen. Damit auch hier sich jene vortreffliche Liberalität bewähre, die der Gewalt Alles einräumt, wenn sie sich nur mit ihren Formeln und Privatinteressen abzufinden weiß, wurde proclamirt: der Satz der einen protestantischen Kirche, der Fürst sey erster Bischof in seinem Lande, müsse auch auf die protestantischen Regierungen unterworfene Catho¬ lische ausgedehnt werden, damit dieser, schon Oberfeld¬ herr, Oberrichter, Oberpolizeydirektor, Grundeigen¬ thümer des Landes, dessen Bebauer bey ihm zu Pachte gehen, nun auch als pontifex maximus über die Ge¬
zur Leiche zu gehen, um dem Verblichenen die letzte Ehre zu bezeugen; dann aber zu brechen die ſchimpf¬ liche Kettenlaſt, und auszuziehen gemeinſamer Hand, und zu ſtürzen die Tyrannen.
Darum wird mit denſelben Gründen, wie früher der Fürſtenbund gegen die längſt zum Schatten ge¬ wordne Kaiſerliche Macht, ſo jetzt ein gleicher Bund gegen den Papſt, den Tyrannen der Chriſtenheit, ge¬ predigt, deſſen geiſtliche Gewalt ohngefähr auf glei¬ cher Linie, wie damals jene Weltliche ſich befindet. Wenn die Catholiſchen zu ſolchem Beginnen achſel¬ zuckend ſchweigen, dann wird auf die Jeſuiten hinge¬ deutet, die ein furchtbares Phantom von der Schweiz herüberdrohen; proteſtantiſche Zeloten karren in den Oppoſitions- und ähnlichen Blättern allen Unrath alter Zeit, und was die Päpſte je Schlechtes und Arges unternommen, in einen Haufen aufeinander; riechen nach Art jener früheren Berliner Zionswächter in allen Richtungen nach geheimen Umtrieben, und verläſtern und verklatſchen ehrliche Leute, die ihren Glauben und ihre Ueberzeugung vertheidigen. Damit auch hier ſich jene vortreffliche Liberalität bewähre, die der Gewalt Alles einräumt, wenn ſie ſich nur mit ihren Formeln und Privatintereſſen abzufinden weiß, wurde proclamirt: der Satz der einen proteſtantiſchen Kirche, der Fürſt ſey erſter Biſchof in ſeinem Lande, müſſe auch auf die proteſtantiſchen Regierungen unterworfene Catho¬ liſche ausgedehnt werden, damit dieſer, ſchon Oberfeld¬ herr, Oberrichter, Oberpolizeydirektor, Grundeigen¬ thümer des Landes, deſſen Bebauer bey ihm zu Pachte gehen, nun auch als pontifex maximus über die Ge¬
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zur Leiche zu gehen, um dem Verblichenen die letzte
Ehre zu bezeugen; dann aber zu brechen die ſchimpf¬
liche Kettenlaſt, und auszuziehen gemeinſamer Hand,
und zu ſtürzen die Tyrannen.
Darum wird mit denſelben Gründen, wie früher
der Fürſtenbund gegen die längſt zum Schatten ge¬
wordne Kaiſerliche Macht, ſo jetzt ein gleicher Bund
gegen den Papſt, den Tyrannen der Chriſtenheit, ge¬
predigt, deſſen geiſtliche Gewalt ohngefähr auf glei¬
cher Linie, wie damals jene Weltliche ſich befindet.
Wenn die Catholiſchen zu ſolchem Beginnen achſel¬
zuckend ſchweigen, dann wird auf die Jeſuiten hinge¬
deutet, die ein furchtbares Phantom von der Schweiz
herüberdrohen; proteſtantiſche Zeloten karren in den
Oppoſitions- und ähnlichen Blättern allen Unrath alter
Zeit, und was die Päpſte je Schlechtes und Arges
unternommen, in einen Haufen aufeinander; riechen
nach Art jener früheren Berliner Zionswächter in allen
Richtungen nach geheimen Umtrieben, und verläſtern
und verklatſchen ehrliche Leute, die ihren Glauben
und ihre Ueberzeugung vertheidigen. Damit auch
hier ſich jene vortreffliche Liberalität bewähre, die der
Gewalt Alles einräumt, wenn ſie ſich nur mit ihren
Formeln und Privatintereſſen abzufinden weiß, wurde
proclamirt: der Satz der einen proteſtantiſchen Kirche, der
Fürſt ſey erſter Biſchof in ſeinem Lande, müſſe auch
auf die proteſtantiſchen Regierungen unterworfene Catho¬
liſche ausgedehnt werden, damit dieſer, ſchon Oberfeld¬
herr, Oberrichter, Oberpolizeydirektor, Grundeigen¬
thümer des Landes, deſſen Bebauer bey ihm zu Pachte
gehen, nun auch als pontifex maximus über die Ge¬
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Görres, Joseph von: Teutschland und die Revolution. Koblenz, 1819, S. 75. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/goerres_revolution_1819/83>, abgerufen am 10.08.2024.
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