wissen zu Rechte sitze, um allenfalls wie Heinrich VIII, dem Parlamentsbeschlusse nach der Beschützer und das Oberhaupt der Kirche von England, in Wahrheit aber ihr Tyran, Bedränger und Plünderer, sogenannte Con¬ vocationen, Bills der sechs Punkte, Anweisungen für christliche Menschen zu belieben; und nach seinem Beyspiel, wenn etwa der Fanatism wieder erwacht, die dem Papst anhängen zu verbrennen, die ihm ab¬ gesagt, aber zu rädern. Darum das Geschrey gegen das Bayerische Concordat, an dem am meisten die Einräumungen, die es dem Staate macht, zu tadeln sind; darum die zärtliche Liebe für Wessenberg, der für sich ein wohlmeinender Mann seyn mag, aber schon darum Unrecht hat, weil er um eine unlautere Sache und schlechtbegründete Ansprüche gegen die Curie durchzusetzen, hinter die weltliche Macht sich flüchtet, und also indem er die Freyheit der Kirche zu verthei¬ digen vorgiebt, sie wirklich an die Souverainität verräth.
Der Argwohn, den jene übelverhüllten Plane in den Gemüthern schon erregt, verstärkte sich bedeu¬ tend, als jene Concordatencommission von protestan¬ tischen Fürsten, großentheils mit Protestanten beschickt, sich eröffnete, und jene Antrittsrede des Ministers von Wangenheim, die innern Verhältnisse der katholischen Kirche, und ihre künftigen Beziehungen zum Papste in dieser Synode zu ordnen, Hoffnung machte; als eine Zeitung Propositionen ausgeschwatzt, die bey die¬ ser Erörterung als Grundlage dienen sollten, und die damit begannen, den Papst vorerst aller Funktionen seines Primates zu entheben, und ihn wieder zu dem Fischergewerbe zurückzuweisen, das sein erster Vorgänger
wiſſen zu Rechte ſitze, um allenfalls wie Heinrich VIII, dem Parlamentsbeſchluſſe nach der Beſchützer und das Oberhaupt der Kirche von England, in Wahrheit aber ihr Tyran, Bedränger und Plünderer, ſogenannte Con¬ vocationen, Bills der ſechs Punkte, Anweiſungen für chriſtliche Menſchen zu belieben; und nach ſeinem Beyſpiel, wenn etwa der Fanatism wieder erwacht, die dem Papſt anhängen zu verbrennen, die ihm ab¬ geſagt, aber zu rädern. Darum das Geſchrey gegen das Bayeriſche Concordat, an dem am meiſten die Einräumungen, die es dem Staate macht, zu tadeln ſind; darum die zärtliche Liebe für Weſſenberg, der für ſich ein wohlmeinender Mann ſeyn mag, aber ſchon darum Unrecht hat, weil er um eine unlautere Sache und ſchlechtbegründete Anſprüche gegen die Curie durchzuſetzen, hinter die weltliche Macht ſich flüchtet, und alſo indem er die Freyheit der Kirche zu verthei¬ digen vorgiebt, ſie wirklich an die Souverainität verräth.
Der Argwohn, den jene übelverhüllten Plane in den Gemüthern ſchon erregt, verſtärkte ſich bedeu¬ tend, als jene Concordatencommiſſion von proteſtan¬ tiſchen Fürſten, großentheils mit Proteſtanten beſchickt, ſich eröffnete, und jene Antrittsrede des Miniſters von Wangenheim, die innern Verhältniſſe der katholiſchen Kirche, und ihre künftigen Beziehungen zum Papſte in dieſer Synode zu ordnen, Hoffnung machte; als eine Zeitung Propoſitionen ausgeſchwatzt, die bey die¬ ſer Erörterung als Grundlage dienen ſollten, und die damit begannen, den Papſt vorerſt aller Funktionen ſeines Primates zu entheben, und ihn wieder zu dem Fiſchergewerbe zurückzuweiſen, das ſein erſter Vorgänger
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[76/0084]
wiſſen zu Rechte ſitze, um allenfalls wie Heinrich VIII,
dem Parlamentsbeſchluſſe nach der Beſchützer und das
Oberhaupt der Kirche von England, in Wahrheit aber
ihr Tyran, Bedränger und Plünderer, ſogenannte Con¬
vocationen, Bills der ſechs Punkte, Anweiſungen für
chriſtliche Menſchen zu belieben; und nach ſeinem
Beyſpiel, wenn etwa der Fanatism wieder erwacht,
die dem Papſt anhängen zu verbrennen, die ihm ab¬
geſagt, aber zu rädern. Darum das Geſchrey gegen
das Bayeriſche Concordat, an dem am meiſten die
Einräumungen, die es dem Staate macht, zu tadeln
ſind; darum die zärtliche Liebe für Weſſenberg, der
für ſich ein wohlmeinender Mann ſeyn mag, aber
ſchon darum Unrecht hat, weil er um eine unlautere
Sache und ſchlechtbegründete Anſprüche gegen die Curie
durchzuſetzen, hinter die weltliche Macht ſich flüchtet,
und alſo indem er die Freyheit der Kirche zu verthei¬
digen vorgiebt, ſie wirklich an die Souverainität verräth.
Der Argwohn, den jene übelverhüllten Plane in
den Gemüthern ſchon erregt, verſtärkte ſich bedeu¬
tend, als jene Concordatencommiſſion von proteſtan¬
tiſchen Fürſten, großentheils mit Proteſtanten beſchickt,
ſich eröffnete, und jene Antrittsrede des Miniſters von
Wangenheim, die innern Verhältniſſe der katholiſchen
Kirche, und ihre künftigen Beziehungen zum Papſte
in dieſer Synode zu ordnen, Hoffnung machte; als
eine Zeitung Propoſitionen ausgeſchwatzt, die bey die¬
ſer Erörterung als Grundlage dienen ſollten, und die
damit begannen, den Papſt vorerſt aller Funktionen
ſeines Primates zu entheben, und ihn wieder zu dem
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Görres, Joseph von: Teutschland und die Revolution. Koblenz, 1819, S. 76. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/goerres_revolution_1819/84>, abgerufen am 10.08.2024.
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