band sich bald zur Abschaffung der verhaßten Neue¬ rung; und so wurden jene diplomatischen Feld¬ züge gegen die Zeitungsschreiber angelegt, in denen, wie in den großen Treibjagden das Edelthier so lange mit Hunden gehetzt, mit Hallohruf geängstigt, von den verfolgenden Jägern getrieben wird, bis es end¬ lich athemlos niederstürzt, oder sich in Wasser und Sümpfe zu werfen genöthigt sieht. Ein solcher Sumpf war da, wo die Censurfreyheit kürzlich gegeben ward, für die geängstigten Schriftsteller, die teutsche Rechts¬ form; die Hitzigsten, wenn sie in diesem Schlammbad eine kleine Zeit verweilt, fanden sich bald hinlänglich abgekühlt, um nicht länger mehr mit allzu großem Eifer in Sachen des Vaterlandes sich abzumühen; und die teutsche Schöffenjury wüthete in schönen Re¬ defiguren mit Blitz und Feuer gegen jene, die dem Tode auf nassem Wege entgangen waren. Zuletzt wurde, damit auch dort jene höfische Liberalität der Welt zum Gespötte würde, die unbequeme Weitläuf¬ tigkeit aller constitutionellen Formen auf Seite ge¬ schoben, und Oken, nachdem man ihm die Wahl zwischen dem Strang für sich oder seine Isis freyge¬ lassen, zuletzt sammt ihr franc und frey abgethan.
Solches Schicksal im Geiste voraussehend, hatten Andere, sich selber allzu werth, um sich in solcher Weise der Wuth der empörten Elemente auszusetzen, klüglich den bessern Theil gewählt, und mit der Ge¬ walt auf glimpflichem Wege zu wechselseitiger Befrie¬ digung sich abgefunden. In allgemeinen Redensar¬ ten von Freyheit und liberalen Gesinnungen zu reden, in der Ausübung aber jede despotische
band ſich bald zur Abſchaffung der verhaßten Neue¬ rung; und ſo wurden jene diplomatiſchen Feld¬ züge gegen die Zeitungsſchreiber angelegt, in denen, wie in den großen Treibjagden das Edelthier ſo lange mit Hunden gehetzt, mit Hallohruf geängſtigt, von den verfolgenden Jägern getrieben wird, bis es end¬ lich athemlos niederſtürzt, oder ſich in Waſſer und Sümpfe zu werfen genöthigt ſieht. Ein ſolcher Sumpf war da, wo die Cenſurfreyheit kürzlich gegeben ward, für die geängſtigten Schriftſteller, die teutſche Rechts¬ form; die Hitzigſten, wenn ſie in dieſem Schlammbad eine kleine Zeit verweilt, fanden ſich bald hinlänglich abgekühlt, um nicht länger mehr mit allzu großem Eifer in Sachen des Vaterlandes ſich abzumühen; und die teutſche Schöffenjury wüthete in ſchönen Re¬ defiguren mit Blitz und Feuer gegen jene, die dem Tode auf naſſem Wege entgangen waren. Zuletzt wurde, damit auch dort jene höfiſche Liberalität der Welt zum Geſpötte würde, die unbequeme Weitläuf¬ tigkeit aller conſtitutionellen Formen auf Seite ge¬ ſchoben, und Oken, nachdem man ihm die Wahl zwiſchen dem Strang für ſich oder ſeine Iſis freyge¬ laſſen, zuletzt ſammt ihr franc und frey abgethan.
Solches Schickſal im Geiſte vorausſehend, hatten Andere, ſich ſelber allzu werth, um ſich in ſolcher Weiſe der Wuth der empörten Elemente auszuſetzen, klüglich den beſſern Theil gewählt, und mit der Ge¬ walt auf glimpflichem Wege zu wechſelſeitiger Befrie¬ digung ſich abgefunden. In allgemeinen Redensar¬ ten von Freyheit und liberalen Geſinnungen zu reden, in der Ausübung aber jede despotiſche
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[82/0090]
band ſich bald zur Abſchaffung der verhaßten Neue¬
rung; und ſo wurden jene diplomatiſchen Feld¬
züge gegen die Zeitungsſchreiber angelegt, in denen,
wie in den großen Treibjagden das Edelthier ſo lange
mit Hunden gehetzt, mit Hallohruf geängſtigt, von
den verfolgenden Jägern getrieben wird, bis es end¬
lich athemlos niederſtürzt, oder ſich in Waſſer und
Sümpfe zu werfen genöthigt ſieht. Ein ſolcher Sumpf
war da, wo die Cenſurfreyheit kürzlich gegeben ward,
für die geängſtigten Schriftſteller, die teutſche Rechts¬
form; die Hitzigſten, wenn ſie in dieſem Schlammbad
eine kleine Zeit verweilt, fanden ſich bald hinlänglich
abgekühlt, um nicht länger mehr mit allzu großem
Eifer in Sachen des Vaterlandes ſich abzumühen;
und die teutſche Schöffenjury wüthete in ſchönen Re¬
defiguren mit Blitz und Feuer gegen jene, die dem
Tode auf naſſem Wege entgangen waren. Zuletzt
wurde, damit auch dort jene höfiſche Liberalität der
Welt zum Geſpötte würde, die unbequeme Weitläuf¬
tigkeit aller conſtitutionellen Formen auf Seite ge¬
ſchoben, und Oken, nachdem man ihm die Wahl
zwiſchen dem Strang für ſich oder ſeine Iſis freyge¬
laſſen, zuletzt ſammt ihr franc und frey abgethan.
Solches Schickſal im Geiſte vorausſehend, hatten
Andere, ſich ſelber allzu werth, um ſich in ſolcher
Weiſe der Wuth der empörten Elemente auszuſetzen,
klüglich den beſſern Theil gewählt, und mit der Ge¬
walt auf glimpflichem Wege zu wechſelſeitiger Befrie¬
digung ſich abgefunden. In allgemeinen Redensar¬
ten von Freyheit und liberalen Geſinnungen zu
reden, in der Ausübung aber jede despotiſche
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Görres, Joseph von: Teutschland und die Revolution. Koblenz, 1819, S. 82. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/goerres_revolution_1819/90>, abgerufen am 10.08.2024.
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