Goethe, Johann Wolfgang von: Faust. Eine Tragödie. Tübingen, 1808. Faust. Wenn ihr's nicht fühlt, ihr werdet's nicht erjagen, Wenn es nicht aus der Seele dringt, Und mit urkräftigem Behagen Die Herzen aller Hörer zwingt. Sitzt ihr nur immer! leimt zusammen, Braut ein Ragout von andrer Schmaus, Und blas't die kümmerlichen Flammen Aus eurem Aschenhäufchen 'raus! Bewund'rung von Kindern und Affen, Wenn euch darnach der Gaumen steht; Doch werdet ihr nie Herz zu Herzen schaffen, Wenn es euch nicht von Herzen geht. Wagner. Allein der Vortrag macht des Redners Glück; Ich fühl' es wohl, noch bin ich weit zurück. Faust. Such' Er den redlichen Gewinn! Sey er kein schellenlauter Thor! Es trägt Verstand und rechter Sinn Mit wenig Kunst sich selber vor; Und wenn's euch Ernst ist was zu sagen, Fauſt. Wenn ihr’s nicht fuͤhlt, ihr werdet’s nicht erjagen, Wenn es nicht aus der Seele dringt, Und mit urkraͤftigem Behagen Die Herzen aller Hoͤrer zwingt. Sitzt ihr nur immer! leimt zuſammen, Braut ein Ragout von andrer Schmaus, Und blaſ’t die kuͤmmerlichen Flammen Aus eurem Aſchenhaͤufchen ’raus! Bewund’rung von Kindern und Affen, Wenn euch darnach der Gaumen ſteht; Doch werdet ihr nie Herz zu Herzen ſchaffen, Wenn es euch nicht von Herzen geht. Wagner. Allein der Vortrag macht des Redners Gluͤck; Ich fuͤhl’ es wohl, noch bin ich weit zuruͤck. Fauſt. Such’ Er den redlichen Gewinn! Sey er kein ſchellenlauter Thor! Es traͤgt Verſtand und rechter Sinn Mit wenig Kunſt ſich ſelber vor; Und wenn’s euch Ernſt iſt was zu ſagen, <TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="2"> <pb facs="#f0049" n="43"/> <sp who="#FAU"> <speaker><hi rendition="#g">Fauſt</hi>.</speaker><lb/> <p>Wenn ihr’s nicht fuͤhlt, ihr werdet’s nicht erjagen,<lb/> Wenn es nicht aus der Seele dringt,<lb/> Und mit urkraͤftigem Behagen<lb/> Die Herzen aller Hoͤrer zwingt.<lb/> Sitzt ihr nur immer! leimt zuſammen,<lb/> Braut ein Ragout von andrer Schmaus,<lb/> Und blaſ’t die kuͤmmerlichen Flammen<lb/> Aus eurem Aſchenhaͤufchen ’raus!<lb/> Bewund’rung von Kindern und Affen,<lb/> Wenn euch darnach der Gaumen ſteht;<lb/> Doch werdet ihr nie Herz zu Herzen ſchaffen,<lb/> Wenn es euch nicht von Herzen geht.</p> </sp><lb/> <sp who="#WAG"> <speaker><hi rendition="#g">Wagner</hi>.</speaker><lb/> <p>Allein der Vortrag macht des Redners Gluͤck;<lb/> Ich fuͤhl’ es wohl, noch bin ich weit zuruͤck.</p> </sp><lb/> <sp who="#FAU"> <speaker><hi rendition="#g">Fauſt</hi>.</speaker><lb/> <p>Such’ Er den redlichen Gewinn!<lb/> Sey er kein ſchellenlauter Thor!<lb/> Es traͤgt Verſtand und rechter Sinn<lb/> Mit wenig Kunſt ſich ſelber vor;<lb/> Und wenn’s euch Ernſt iſt was zu ſagen,<lb/></p> </sp> </div> </div> </body> </text> </TEI> [43/0049]
Fauſt.
Wenn ihr’s nicht fuͤhlt, ihr werdet’s nicht erjagen,
Wenn es nicht aus der Seele dringt,
Und mit urkraͤftigem Behagen
Die Herzen aller Hoͤrer zwingt.
Sitzt ihr nur immer! leimt zuſammen,
Braut ein Ragout von andrer Schmaus,
Und blaſ’t die kuͤmmerlichen Flammen
Aus eurem Aſchenhaͤufchen ’raus!
Bewund’rung von Kindern und Affen,
Wenn euch darnach der Gaumen ſteht;
Doch werdet ihr nie Herz zu Herzen ſchaffen,
Wenn es euch nicht von Herzen geht.
Wagner.
Allein der Vortrag macht des Redners Gluͤck;
Ich fuͤhl’ es wohl, noch bin ich weit zuruͤck.
Fauſt.
Such’ Er den redlichen Gewinn!
Sey er kein ſchellenlauter Thor!
Es traͤgt Verſtand und rechter Sinn
Mit wenig Kunſt ſich ſelber vor;
Und wenn’s euch Ernſt iſt was zu ſagen,
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| Zitationshilfe: | Goethe, Johann Wolfgang von: Faust. Eine Tragödie. Tübingen, 1808, S. 43. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/goethe_faust01_1808/49>, abgerufen am 26.09.2024. |


