Goethe, Johann Wolfgang von: Faust. Eine Tragödie. Tübingen, 1808.
In lustige Gesellschaft bringen, Damit du siehst, wie leicht sich's leben läßt. Dem Volke hier wird jeder Tag ein Fest. Mit wenig Witz und viel Behagen Dreht jeder sich im engen Zirkeltanz, Wie junge Katzen mit dem Schwanz. Wenn sie nicht über Kopfweh klagen, So lang' der Wirth nur weiter borgt, Sind sie vergnügt und unbesorgt. Brander. Die kommen eben von der Reise, Man sieht's an ihrer wunderlichen Weise; Sie sind nicht eine Stunde hier. Frosch. Wahrhaftig du hast Recht! Mein Leipzig lob' ich mir! Es ist ein klein Paris, und bildet seine Leute. Siebel. Für was siehst du die Fremden an? Frosch. Laßt mich nur gehn! bey einem vollen Glase, Zieh' ich, wie einen Kinderzahn, Den Burschen leicht die Würmer aus der Nase.
In luſtige Geſellſchaft bringen, Damit du ſiehſt, wie leicht ſich’s leben laͤßt. Dem Volke hier wird jeder Tag ein Feſt. Mit wenig Witz und viel Behagen Dreht jeder ſich im engen Zirkeltanz, Wie junge Katzen mit dem Schwanz. Wenn ſie nicht uͤber Kopfweh klagen, So lang’ der Wirth nur weiter borgt, Sind ſie vergnuͤgt und unbeſorgt. Brander. Die kommen eben von der Reiſe, Man ſieht’s an ihrer wunderlichen Weiſe; Sie ſind nicht eine Stunde hier. Froſch. Wahrhaftig du haſt Recht! Mein Leipzig lob’ ich mir! Es iſt ein klein Paris, und bildet ſeine Leute. Siebel. Fuͤr was ſiehſt du die Fremden an? Froſch. Laßt mich nur gehn! bey einem vollen Glaſe, Zieh’ ich, wie einen Kinderzahn, Den Burſchen leicht die Wuͤrmer aus der Naſe. <TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="2"> <sp who="#MEP"> <p><pb facs="#f0140" n="134"/> In luſtige Geſellſchaft bringen,<lb/> Damit du ſiehſt, wie leicht ſich’s leben laͤßt.<lb/> Dem Volke hier wird jeder Tag ein Feſt.<lb/> Mit wenig Witz und viel Behagen<lb/> Dreht jeder ſich im engen Zirkeltanz,<lb/> Wie junge Katzen mit dem Schwanz.<lb/> Wenn ſie nicht uͤber Kopfweh klagen,<lb/> So lang’ der Wirth nur weiter borgt,<lb/> Sind ſie vergnuͤgt und unbeſorgt.</p> </sp><lb/> <sp who="#BRA"> <speaker><hi rendition="#g">Brander</hi>.</speaker><lb/> <p>Die kommen eben von der Reiſe,<lb/> Man ſieht’s an ihrer wunderlichen Weiſe;<lb/> Sie ſind nicht eine Stunde hier.</p> </sp><lb/> <sp who="#FRO"> <speaker><hi rendition="#g">Froſch</hi>.</speaker><lb/> <p>Wahrhaftig du haſt Recht! Mein Leipzig lob’ ich mir!<lb/> Es iſt ein klein Paris, und bildet ſeine Leute.</p> </sp><lb/> <sp who="#SIE"> <speaker><hi rendition="#g">Siebel</hi>.</speaker><lb/> <p>Fuͤr was ſiehſt du die Fremden an?</p> </sp><lb/> <sp who="#FRO"> <speaker><hi rendition="#g">Froſch</hi>.</speaker><lb/> <p>Laßt mich nur gehn! bey einem vollen Glaſe,<lb/> Zieh’ ich, wie einen Kinderzahn,<lb/> Den Burſchen leicht die Wuͤrmer aus der Naſe.<lb/></p> </sp> </div> </div> </body> </text> </TEI> [134/0140]
In luſtige Geſellſchaft bringen,
Damit du ſiehſt, wie leicht ſich’s leben laͤßt.
Dem Volke hier wird jeder Tag ein Feſt.
Mit wenig Witz und viel Behagen
Dreht jeder ſich im engen Zirkeltanz,
Wie junge Katzen mit dem Schwanz.
Wenn ſie nicht uͤber Kopfweh klagen,
So lang’ der Wirth nur weiter borgt,
Sind ſie vergnuͤgt und unbeſorgt.
Brander.
Die kommen eben von der Reiſe,
Man ſieht’s an ihrer wunderlichen Weiſe;
Sie ſind nicht eine Stunde hier.
Froſch.
Wahrhaftig du haſt Recht! Mein Leipzig lob’ ich mir!
Es iſt ein klein Paris, und bildet ſeine Leute.
Siebel.
Fuͤr was ſiehſt du die Fremden an?
Froſch.
Laßt mich nur gehn! bey einem vollen Glaſe,
Zieh’ ich, wie einen Kinderzahn,
Den Burſchen leicht die Wuͤrmer aus der Naſe.
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| Zitationshilfe: | Goethe, Johann Wolfgang von: Faust. Eine Tragödie. Tübingen, 1808, S. 134. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/goethe_faust01_1808/140>, abgerufen am 25.09.2024. |


