Goethe, Johann Wolfgang von: Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit. Bd. 1. Tübingen, 1811.Hätte man alle diese öffentlichen Feyer¬ Der Einzug des Churfürsten von Mainz, 29 *
Haͤtte man alle dieſe oͤffentlichen Feyer¬ Der Einzug des Churfuͤrſten von Mainz, 29 *
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Haͤtte man alle dieſe oͤffentlichen Feyer¬
lichkeiten von Anfang bis hieher als ein uͤber¬
legtes Kunſtwerk angeſehen, ſo wuͤrde man
nicht viel daran auszuſetzen gefunden haben.
Alles war gut vorbereitet; ſachte fingen die
oͤffentlichen Auftritte an und wurden immer
bedeutender; die Menſchen wuchſen an Zahl,
die Perſonen an Wuͤrde, ihre Umgebungen
wie ſie ſelbſt an Pracht, und ſo ſtieg es mit
jedem Tage, ſo daß zuletzt auch ein vorberei¬
tetes gefaßtes Auge in Verwirrung gerieth.
Der Einzug des Churfuͤrſten von Mainz,
welchen ausfuͤhrlicher zu beſchreiben wir abge¬
lehnt, war praͤchtig und impoſant genug,
um in der Einbildungskraft eines vorzuͤglichen
Mannes die Ankunft eines großen geweiſſag¬
ten Weltherrſchers zu bedeuten. Auch wir
waren dadurch nicht wenig geblendet worden.
Nun aber ſpannte ſich unſere Erwartung aufs
hoͤchſte, als es hieß, der Kaiſer und der
kuͤnftige Koͤnig naͤherten ſich der Stadt.
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| Zitationshilfe: | Goethe, Johann Wolfgang von: Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit. Bd. 1. Tübingen, 1811, S. 451. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/goethe_leben01_1811/467>, abgerufen am 10.08.2024. |


