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Goethe, Johann Wolfgang von: Wilhelm Meisters Lehrjahre. Bd. 2. Frankfurt (Main) u. a., 1795.

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Sechstes Capitel.

Das Gemisch der Empfindungen von Ver¬
druß und Dankbarkeit verdarb ihm den gan¬
zen Rest des Tages, bis er gegen Abend
wieder Beschäftigung fand, indem Melina
ihm eröfnete, der Graf habe von einem Vor¬
spiele gesprochen, das dem Prinzen zu Ehren,
den Tag seiner Ankunft, aufgeführt werden
sollte. Er wolle darin die Eigenschaften die¬
ses großen Helden und Menschenfreundes
personifiziret haben. Diese Tugenden sollten
mit einander auftreten, sein Lob verkündigen
und zuletzt seine Büste mit Blumen- und
Lorbeerkränzen umwinden, wobey sein verzo¬
gener Name mit dem Fürstenhute durchschei¬
nend glänzen sollte. Der Graf habe ihm
aufgegeben, für die Versifikation und übrige

Ein¬
Sechstes Capitel.

Das Gemiſch der Empfindungen von Ver¬
druß und Dankbarkeit verdarb ihm den gan¬
zen Reſt des Tages, bis er gegen Abend
wieder Beſchäftigung fand, indem Melina
ihm eröfnete, der Graf habe von einem Vor¬
ſpiele geſprochen, das dem Prinzen zu Ehren,
den Tag ſeiner Ankunft, aufgeführt werden
ſollte. Er wolle darin die Eigenſchaften die¬
ſes großen Helden und Menſchenfreundes
perſonifiziret haben. Dieſe Tugenden ſollten
mit einander auftreten, ſein Lob verkündigen
und zuletzt ſeine Büſte mit Blumen– und
Lorbeerkränzen umwinden, wobey ſein verzo¬
gener Name mit dem Fürſtenhute durchſchei¬
nend glänzen ſollte. Der Graf habe ihm
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[64/0072] Sechstes Capitel. Das Gemiſch der Empfindungen von Ver¬ druß und Dankbarkeit verdarb ihm den gan¬ zen Reſt des Tages, bis er gegen Abend wieder Beſchäftigung fand, indem Melina ihm eröfnete, der Graf habe von einem Vor¬ ſpiele geſprochen, das dem Prinzen zu Ehren, den Tag ſeiner Ankunft, aufgeführt werden ſollte. Er wolle darin die Eigenſchaften die¬ ſes großen Helden und Menſchenfreundes perſonifiziret haben. Dieſe Tugenden ſollten mit einander auftreten, ſein Lob verkündigen und zuletzt ſeine Büſte mit Blumen– und Lorbeerkränzen umwinden, wobey ſein verzo¬ gener Name mit dem Fürſtenhute durchſchei¬ nend glänzen ſollte. Der Graf habe ihm aufgegeben, für die Verſifikation und übrige Ein¬

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Zitationshilfe: Goethe, Johann Wolfgang von: Wilhelm Meisters Lehrjahre. Bd. 2. Frankfurt (Main) u. a., 1795, S. 64. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/goethe_lehrjahre02_1795/72>, abgerufen am 18.04.2021.