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Goethe, Johann Wolfgang von: Wilhelm Meisters Lehrjahre. Bd. 3. Frankfurt (Main) u. a., 1795.

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ab, wo man künftig eine Wiege hinsetzen
will; aber dafür ist der Raum außer dem
Hause desto größer. Die Kaffeehäuser und
Clubbs für den Mann, die Spatziergänge
und Spatzierfahrten für die Frau, und die
schönen Lustörter auf dem Lande für beyde.
Dabey ist der größte Vortheil, daß auch un¬
ser runder Tisch ganz besetzt ist und es dem
Vater unmöglich wird Freunde zu sehen, die
sich nur desto leichtfertiger über ihn aufhal¬
ten, je mehr er sich Mühe gegeben hat sie
zu bewirthen.

Nur nichts überflüssiges im Hause! nur
nicht zu viel Möbeln, Geräthschaften, nur
keine Kutsche und Pferde! Nichts als Geld,
und dann auf eine vernünftige Weise jeden
Tag gethan was dir beliebt; nur keine Gar¬
derobe, immer das neuste und beste auf dem
Leibe; der Mann mag seinen Rock abtragen
und die Frau den ihrigen vertrödeln, so bald

ab, wo man künftig eine Wiege hinſetzen
will; aber dafür iſt der Raum außer dem
Hauſe deſto größer. Die Kaffeehäuſer und
Clubbs für den Mann, die Spatziergänge
und Spatzierfahrten für die Frau, und die
ſchönen Luſtörter auf dem Lande für beyde.
Dabey iſt der größte Vortheil, daß auch un¬
ſer runder Tiſch ganz beſetzt iſt und es dem
Vater unmöglich wird Freunde zu ſehen, die
ſich nur deſto leichtfertiger über ihn aufhal¬
ten, je mehr er ſich Mühe gegeben hat ſie
zu bewirthen.

Nur nichts überflüſſiges im Hauſe! nur
nicht zu viel Möbeln, Geräthſchaften, nur
keine Kutſche und Pferde! Nichts als Geld,
und dann auf eine vernünftige Weiſe jeden
Tag gethan was dir beliebt; nur keine Gar¬
derobe, immer das neuſte und beſte auf dem
Leibe; der Mann mag ſeinen Rock abtragen
und die Frau den ihrigen vertrödeln, ſo bald

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[21/0027] ab, wo man künftig eine Wiege hinſetzen will; aber dafür iſt der Raum außer dem Hauſe deſto größer. Die Kaffeehäuſer und Clubbs für den Mann, die Spatziergänge und Spatzierfahrten für die Frau, und die ſchönen Luſtörter auf dem Lande für beyde. Dabey iſt der größte Vortheil, daß auch un¬ ſer runder Tiſch ganz beſetzt iſt und es dem Vater unmöglich wird Freunde zu ſehen, die ſich nur deſto leichtfertiger über ihn aufhal¬ ten, je mehr er ſich Mühe gegeben hat ſie zu bewirthen. Nur nichts überflüſſiges im Hauſe! nur nicht zu viel Möbeln, Geräthſchaften, nur keine Kutſche und Pferde! Nichts als Geld, und dann auf eine vernünftige Weiſe jeden Tag gethan was dir beliebt; nur keine Gar¬ derobe, immer das neuſte und beſte auf dem Leibe; der Mann mag ſeinen Rock abtragen und die Frau den ihrigen vertrödeln, ſo bald

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Zitationshilfe: Goethe, Johann Wolfgang von: Wilhelm Meisters Lehrjahre. Bd. 3. Frankfurt (Main) u. a., 1795, S. 21. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/goethe_lehrjahre03_1795/27>, abgerufen am 15.08.2022.