Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Goethe, Johann Wolfgang von: Die Wahlverwandtschaften. Bd. 2. Tübingen, 1809.

Bild:
<< vorherige Seite
Erstes Kapitel.

Im gemeinen Leben begegnet uns oft
was wir in der Epopöe als Kunstgriff des
Dichters zu rühmen pflegen, daß nämlich
wenn die Hauptfiguren sich entfernen, ver¬
bergen, sich der Unthätigkeit hingeben, gleich
sodann schon ein zweyter, dritter, bisher kaum
Bemerkter den Platz füllt, und indem er seine
ganze Thätigkeit äußert, uns gleichfalls der
Aufmerksamkeit, der Theilnahme, ja des Lo¬
bes und Preises würdig erscheint.

So zeigte sich gleich nach der Entfernung
des Hauptmanns und Eduards jener Archi¬

Erſtes Kapitel.

Im gemeinen Leben begegnet uns oft
was wir in der Epopoͤe als Kunſtgriff des
Dichters zu ruͤhmen pflegen, daß naͤmlich
wenn die Hauptfiguren ſich entfernen, ver¬
bergen, ſich der Unthaͤtigkeit hingeben, gleich
ſodann ſchon ein zweyter, dritter, bisher kaum
Bemerkter den Platz fuͤllt, und indem er ſeine
ganze Thaͤtigkeit aͤußert, uns gleichfalls der
Aufmerkſamkeit, der Theilnahme, ja des Lo¬
bes und Preiſes wuͤrdig erſcheint.

So zeigte ſich gleich nach der Entfernung
des Hauptmanns und Eduards jener Archi¬

<TEI>
  <text>
    <body>
      <pb facs="#f0008" n="[5]"/>
      <div n="1">
        <head><hi rendition="#g">Er&#x017F;tes Kapitel</hi>.<lb/></head>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
        <p>Im gemeinen Leben begegnet uns oft<lb/>
was wir in der Epopo&#x0364;e als Kun&#x017F;tgriff des<lb/>
Dichters zu ru&#x0364;hmen pflegen, daß na&#x0364;mlich<lb/>
wenn die Hauptfiguren &#x017F;ich entfernen, ver¬<lb/>
bergen, &#x017F;ich der Untha&#x0364;tigkeit hingeben, gleich<lb/>
&#x017F;odann &#x017F;chon ein zweyter, dritter, bisher kaum<lb/>
Bemerkter den Platz fu&#x0364;llt, und indem er &#x017F;eine<lb/>
ganze Tha&#x0364;tigkeit a&#x0364;ußert, uns gleichfalls der<lb/>
Aufmerk&#x017F;amkeit, der Theilnahme, ja des Lo¬<lb/>
bes und Prei&#x017F;es wu&#x0364;rdig er&#x017F;cheint.</p><lb/>
        <p>So zeigte &#x017F;ich gleich nach der Entfernung<lb/>
des Hauptmanns und Eduards jener Archi¬<lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[5]/0008] Erſtes Kapitel. Im gemeinen Leben begegnet uns oft was wir in der Epopoͤe als Kunſtgriff des Dichters zu ruͤhmen pflegen, daß naͤmlich wenn die Hauptfiguren ſich entfernen, ver¬ bergen, ſich der Unthaͤtigkeit hingeben, gleich ſodann ſchon ein zweyter, dritter, bisher kaum Bemerkter den Platz fuͤllt, und indem er ſeine ganze Thaͤtigkeit aͤußert, uns gleichfalls der Aufmerkſamkeit, der Theilnahme, ja des Lo¬ bes und Preiſes wuͤrdig erſcheint. So zeigte ſich gleich nach der Entfernung des Hauptmanns und Eduards jener Archi¬

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde von OCR-Software automatisch erfasst und anschließend gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien von Muttersprachlern nachkontrolliert. Es wurde gemäß dem DTA-Basisformat in XML/TEI P5 kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/goethe_wahlverw02_1809
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/goethe_wahlverw02_1809/8
Zitationshilfe: Goethe, Johann Wolfgang von: Die Wahlverwandtschaften. Bd. 2. Tübingen, 1809, S. [5]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/goethe_wahlverw02_1809/8>, abgerufen am 19.08.2022.