Gotter, Friedrich Wilhelm: Die Erbschleicher. Leipzig, 1789.Die Erbschleicher. nahm, dachten meine Herren Collegen, ich wür-de kein Jahr mehr laufen. Aber bis dato hab ich in sechs Jahren siebenmal taufen lassen, und was abermals unterweges ist -- (Schlägt sich auf den Mund) St! ich soll nicht aus der Kammer plaudern. Justine (schalkhaft.) Apropos! Was macht denn Ihr schöner Provisor? Pistorius (verdrüßlich.) Ach, der Hasenfuß! Sie haben gewiß schon gehört, daß er sich auf Micheli setzen will? Justine. Ey! Pistorius. Er handelt um eine Apotheke in der Nachbarschaft. Justine. Da verlieren Sie eine große Stütze! Pistorius (treuherzig.) Ja, verlassen kann ich mich auf ihn, das ist wahr. Um alles be- kümmert er sich; alles greift er mit an; er giebt sich sogar mit den Kindern ab[.] Und was die Apotheke betrift -- da sucht er seines Gleichen. Die Arbeit geht ihm so fix von der Hand, daß er immer fertig ist. Und manches Receptchen, das meinen Collegen zugedacht war, fliegt mir zu, wenn die Jungfern das nette Kerlchen in der Die Erbſchleicher. nahm, dachten meine Herren Collegen, ich wuͤr-de kein Jahr mehr laufen. Aber bis dato hab ich in ſechs Jahren ſiebenmal taufen laſſen, und was abermals unterweges iſt — (Schlägt ſich auf den Mund) St! ich ſoll nicht aus der Kammer plaudern. Juſtine (ſchalkhaft.) Apropos! Was macht denn Ihr ſchoͤner Proviſor? Piſtorius (verdrüßlich.) Ach, der Haſenfuß! Sie haben gewiß ſchon gehoͤrt, daß er ſich auf Micheli ſetzen will? Juſtine. Ey! Piſtorius. Er handelt um eine Apotheke in der Nachbarſchaft. Juſtine. Da verlieren Sie eine große Stuͤtze! Piſtorius (treuherzig.) Ja, verlaſſen kann ich mich auf ihn, das iſt wahr. Um alles be- kuͤmmert er ſich; alles greift er mit an; er giebt ſich ſogar mit den Kindern ab[.] Und was die Apotheke betrift — da ſucht er ſeines Gleichen. Die Arbeit geht ihm ſo fix von der Hand, daß er immer fertig iſt. Und manches Receptchen, das meinen Collegen zugedacht war, fliegt mir zu, wenn die Jungfern das nette Kerlchen in der <TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="2"> <sp who="#PIS"> <p><pb facs="#f0080" n="74"/><fw place="top" type="header">Die Erbſchleicher.</fw><lb/> nahm, dachten meine Herren Collegen, ich wuͤr-<lb/> de kein Jahr mehr laufen. Aber bis <hi rendition="#aq">dato</hi> hab<lb/> ich in ſechs Jahren ſiebenmal taufen laſſen, und<lb/> was abermals unterweges iſt —</p> <stage>(Schlägt ſich auf<lb/> den Mund)</stage> <p>St! ich ſoll nicht aus der Kammer<lb/> plaudern.</p> </sp><lb/> <sp who="#JUS"> <speaker> <hi rendition="#fr">Juſtine</hi> </speaker> <stage>(ſchalkhaft.)</stage> <p>Apropos! Was macht<lb/> denn Ihr ſchoͤner Proviſor?</p> </sp><lb/> <sp who="#PIS"> <speaker> <hi rendition="#fr">Piſtorius</hi> </speaker> <stage>(verdrüßlich.)</stage> <p>Ach, der Haſenfuß!<lb/> Sie haben gewiß ſchon gehoͤrt, daß er ſich auf<lb/> Micheli ſetzen will?</p> </sp><lb/> <sp who="#JUS"> <speaker> <hi rendition="#fr">Juſtine.</hi> </speaker> <p>Ey!</p> </sp><lb/> <sp who="#PIS"> <speaker> <hi rendition="#fr">Piſtorius.</hi> </speaker> <p>Er handelt um eine Apotheke in<lb/> der Nachbarſchaft.</p> </sp><lb/> <sp who="#JUS"> <speaker> <hi rendition="#fr">Juſtine.</hi> </speaker> <p>Da verlieren Sie eine große<lb/> Stuͤtze!</p> </sp><lb/> <sp who="#PIS"> <speaker> <hi rendition="#fr">Piſtorius</hi> </speaker> <stage>(treuherzig.)</stage> <p>Ja, verlaſſen kann<lb/> ich mich auf ihn, das iſt wahr. Um alles be-<lb/> kuͤmmert er ſich; alles greift er mit an; er giebt<lb/> ſich ſogar mit den Kindern ab<supplied>.</supplied> Und was die<lb/> Apotheke betrift — da ſucht er ſeines Gleichen.<lb/> Die Arbeit geht ihm ſo fix von der Hand, daß<lb/> er immer fertig iſt. Und manches Receptchen,<lb/> das meinen Collegen zugedacht war, fliegt mir<lb/> zu, wenn die Jungfern das nette Kerlchen in der<lb/></p> </sp> </div> </div> </body> </text> </TEI> [74/0080]
Die Erbſchleicher.
nahm, dachten meine Herren Collegen, ich wuͤr-
de kein Jahr mehr laufen. Aber bis dato hab
ich in ſechs Jahren ſiebenmal taufen laſſen, und
was abermals unterweges iſt — (Schlägt ſich auf
den Mund) St! ich ſoll nicht aus der Kammer
plaudern.
Juſtine (ſchalkhaft.) Apropos! Was macht
denn Ihr ſchoͤner Proviſor?
Piſtorius (verdrüßlich.) Ach, der Haſenfuß!
Sie haben gewiß ſchon gehoͤrt, daß er ſich auf
Micheli ſetzen will?
Juſtine. Ey!
Piſtorius. Er handelt um eine Apotheke in
der Nachbarſchaft.
Juſtine. Da verlieren Sie eine große
Stuͤtze!
Piſtorius (treuherzig.) Ja, verlaſſen kann
ich mich auf ihn, das iſt wahr. Um alles be-
kuͤmmert er ſich; alles greift er mit an; er giebt
ſich ſogar mit den Kindern ab. Und was die
Apotheke betrift — da ſucht er ſeines Gleichen.
Die Arbeit geht ihm ſo fix von der Hand, daß
er immer fertig iſt. Und manches Receptchen,
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| Zitationshilfe: | Gotter, Friedrich Wilhelm: Die Erbschleicher. Leipzig, 1789, S. 74. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/gotter_erbschleicher_1789/80>, abgerufen am 25.09.2024. |


