Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Gottschalck, Friedrich: Die Sagen und Volksmährchen der Deutschen. Halle, 1814.

Bild:
<< vorherige Seite

Im Dörfchen war Freude und Erstaunen über sein Wiedererscheinen. Alles versammelte sich um ihn her, hörte mit weit aufgesperrtem Munde zu, was der Knabe erzählte, aber niemand glaubte ihm ein Wort.

Nach der ersten Freude, seine Heimath wieder gesehen zu haben, fand sich aber wieder eine leise Sehnsucht nach dem unbekannten Lande ein. Sie wuchs mit jedem Tage. Umsonst lief er oft zum See, die Schwäne erschienen nicht wieder. Er weinte von neuem, er härmte sich ab, nirgends fand er Ruhe. Immer seufzte er nach jenen paradiesischen Gefilden, und immer vergebens. Da bleichten seine Wangen ab. Langsam schlich er noch um den See, setzte sich ermattet an das Ufer, entschlummerte, und nie erwachte er wieder.



Badensche Wochenschrift von 1807.

Im Dörfchen war Freude und Erstaunen über sein Wiedererscheinen. Alles versammelte sich um ihn her, hörte mit weit aufgesperrtem Munde zu, was der Knabe erzählte, aber niemand glaubte ihm ein Wort.

Nach der ersten Freude, seine Heimath wieder gesehen zu haben, fand sich aber wieder eine leise Sehnsucht nach dem unbekannten Lande ein. Sie wuchs mit jedem Tage. Umsonst lief er oft zum See, die Schwäne erschienen nicht wieder. Er weinte von neuem, er härmte sich ab, nirgends fand er Ruhe. Immer seufzte er nach jenen paradiesischen Gefilden, und immer vergebens. Da bleichten seine Wangen ab. Langsam schlich er noch um den See, setzte sich ermattet an das Ufer, entschlummerte, und nie erwachte er wieder.



Badensche Wochenschrift von 1807.

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0250" n="211"/>
        <p>Im Dörfchen war Freude und Erstaunen über sein Wiedererscheinen. Alles versammelte sich um ihn her, hörte mit weit aufgesperrtem Munde zu, was der Knabe erzählte, aber niemand glaubte ihm ein Wort.</p>
        <p>Nach der ersten Freude, seine Heimath wieder gesehen zu haben, fand sich aber wieder eine leise Sehnsucht nach dem unbekannten Lande ein. Sie wuchs mit jedem Tage. Umsonst lief er oft zum See, die Schwäne erschienen nicht wieder. Er weinte von neuem, er härmte sich ab, nirgends fand er Ruhe. Immer seufzte er nach jenen paradiesischen Gefilden, und immer vergebens. Da bleichten seine Wangen ab. Langsam schlich er noch um den See, setzte sich ermattet an das Ufer, entschlummerte, und nie erwachte er wieder.</p>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
        <p>Badensche Wochenschrift von 1807.</p>
      </div>
      <div n="1">
</div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[211/0250] Im Dörfchen war Freude und Erstaunen über sein Wiedererscheinen. Alles versammelte sich um ihn her, hörte mit weit aufgesperrtem Munde zu, was der Knabe erzählte, aber niemand glaubte ihm ein Wort. Nach der ersten Freude, seine Heimath wieder gesehen zu haben, fand sich aber wieder eine leise Sehnsucht nach dem unbekannten Lande ein. Sie wuchs mit jedem Tage. Umsonst lief er oft zum See, die Schwäne erschienen nicht wieder. Er weinte von neuem, er härmte sich ab, nirgends fand er Ruhe. Immer seufzte er nach jenen paradiesischen Gefilden, und immer vergebens. Da bleichten seine Wangen ab. Langsam schlich er noch um den See, setzte sich ermattet an das Ufer, entschlummerte, und nie erwachte er wieder. Badensche Wochenschrift von 1807.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Wikisource: Bereitstellung der Texttranskription und Auszeichnung in Wikisource-Syntax. (2012-10-26T10:30:31Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme aus Wikisource entsprechen muss.
Wikimedia Commons: Bereitstellung der Bilddigitalisate (2012-10-26T10:30:31Z)
Frank Wiegand: Konvertierung von Wikisource-Markup nach XML/TEI gemäß DTA-Basisformat. (2012-10-26T10:30:31Z)

Weitere Informationen:

Anmerkungen zur Transkription:

  • Als Grundlage dienen die Wikisource:Editionsrichtlinien.
  • Überschriebene „e“ über den Vokalen „a“, „o“ und „u“ werden als moderne Umlaute transkribiert.
  • Der Seitenwechsel erfolgt bei Worttrennung nach dem gesamten Wort.
  • Geviertstriche (—) wurden durch Halbgeviertstriche ersetzt (–).



Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/gottschalck_sagen_1814
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/gottschalck_sagen_1814/250
Zitationshilfe: Gottschalck, Friedrich: Die Sagen und Volksmährchen der Deutschen. Halle, 1814, S. 211. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/gottschalck_sagen_1814/250>, abgerufen am 23.04.2021.