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Gottsched, Johann Christoph: Versuch einer Critischen Dichtkunst vor die Deutschen. Leipzig, 1730.

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Des II Theils III Capitel
Silvander.
Nein, Amintas ist beglückt,
Weil ihn eine Braut erquickt,
Die noch nichts vom Lieben wuste.
Damon.
So viel Knospen aus den Zweigen
Unsrer kahlen Linden steigen,
Die der Frühling grün wird zeigen;
So viel Wohlfahrt, Glück und Heil
Werde diesem Paar zu Theil,
Daß sich über ihr Gedeyen,
Alle Pleißen-Schäfer freuen!
Silvander.
So viel Flocken auf die Erden,
Und auf unsre Wollen-Heerden
Diesen Winter schneyen werden;
So viel müssen mit der Zeit,
Aus Philindens Fruchtbarkeit,
Aus Amintas Liebes-Flammen,
Wohlgerathner Erben stammen!
II. Ecloge
Auf eine Priester-Hochzeit in der Lausnitz 1728.
Corylas und Amaryllis.
BEy Zittau, wo die Hand der gütigen Natur,
Aus reicher Mildigkeit, die Auen, Wald und Flur
Mit tausend Gaben schmückt, wo sich in vollen Ställen,
Kein räuberischer Wolf zu Schaafen darf gesellen;
Wo manch vergnügter Hirt, wenn ihn die Liebe zwingt,
Auf seinem Haberrohr von seiner Phyllis singt;
Wo jeder Jüngling wünscht, die blöden Schäferinnen,
Durch Höflichkeit und Witz und Künste zu gewinnen;
Da liegt bey Läutersdorf ein angenehmer Wald,
Der Faunen liebster Platz, der Nymphen Aufenthalt,
Und hier ergetzte sich nur neulich noch, im Stillen,
Der Schäfer Corylas mit seiner Amaryllen.
Der Tag war angenehm, die Lufft gantz hell und warm
Als dies verliebte Paar, befreyt von Leid und Harm,
Des Jahres letzte Lust vergnügt geniessen wollte,
Eh sich der kühle Herbst dem Winter nähern sollte.
Es
Des II Theils III Capitel
Silvander.
Nein, Amintas iſt begluͤckt,
Weil ihn eine Braut erquickt,
Die noch nichts vom Lieben wuſte.
Damon.
So viel Knoſpen aus den Zweigen
Unſrer kahlen Linden ſteigen,
Die der Fruͤhling gruͤn wird zeigen;
So viel Wohlfahrt, Gluͤck und Heil
Werde dieſem Paar zu Theil,
Daß ſich uͤber ihr Gedeyen,
Alle Pleißen-Schaͤfer freuen!
Silvander.
So viel Flocken auf die Erden,
Und auf unſre Wollen-Heerden
Dieſen Winter ſchneyen werden;
So viel muͤſſen mit der Zeit,
Aus Philindens Fruchtbarkeit,
Aus Amintas Liebes-Flammen,
Wohlgerathner Erben ſtammen!
II. Ecloge
Auf eine Prieſter-Hochzeit in der Lausnitz 1728.
Corylas und Amaryllis.
BEy Zittau, wo die Hand der guͤtigen Natur,
Aus reicher Mildigkeit, die Auen, Wald und Flur
Mit tauſend Gaben ſchmuͤckt, wo ſich in vollen Staͤllen,
Kein raͤuberiſcher Wolf zu Schaafen darf geſellen;
Wo manch vergnuͤgter Hirt, wenn ihn die Liebe zwingt,
Auf ſeinem Haberrohr von ſeiner Phyllis ſingt;
Wo jeder Juͤngling wuͤnſcht, die bloͤden Schaͤferinnen,
Durch Hoͤflichkeit und Witz und Kuͤnſte zu gewinnen;
Da liegt bey Laͤutersdorf ein angenehmer Wald,
Der Faunen liebſter Platz, der Nymphen Aufenthalt,
Und hier ergetzte ſich nur neulich noch, im Stillen,
Der Schaͤfer Corylas mit ſeiner Amaryllen.
Der Tag war angenehm, die Lufft gantz hell und warm
Als dies verliebte Paar, befreyt von Leid und Harm,
Des Jahres letzte Luſt vergnuͤgt genieſſen wollte,
Eh ſich der kuͤhle Herbſt dem Winter naͤhern ſollte.
Es
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[400/0428] Des II Theils III Capitel Silvander. Nein, Amintas iſt begluͤckt, Weil ihn eine Braut erquickt, Die noch nichts vom Lieben wuſte. Damon. So viel Knoſpen aus den Zweigen Unſrer kahlen Linden ſteigen, Die der Fruͤhling gruͤn wird zeigen; So viel Wohlfahrt, Gluͤck und Heil Werde dieſem Paar zu Theil, Daß ſich uͤber ihr Gedeyen, Alle Pleißen-Schaͤfer freuen! Silvander. So viel Flocken auf die Erden, Und auf unſre Wollen-Heerden Dieſen Winter ſchneyen werden; So viel muͤſſen mit der Zeit, Aus Philindens Fruchtbarkeit, Aus Amintas Liebes-Flammen, Wohlgerathner Erben ſtammen! II. Ecloge Auf eine Prieſter-Hochzeit in der Lausnitz 1728. Corylas und Amaryllis. BEy Zittau, wo die Hand der guͤtigen Natur, Aus reicher Mildigkeit, die Auen, Wald und Flur Mit tauſend Gaben ſchmuͤckt, wo ſich in vollen Staͤllen, Kein raͤuberiſcher Wolf zu Schaafen darf geſellen; Wo manch vergnuͤgter Hirt, wenn ihn die Liebe zwingt, Auf ſeinem Haberrohr von ſeiner Phyllis ſingt; Wo jeder Juͤngling wuͤnſcht, die bloͤden Schaͤferinnen, Durch Hoͤflichkeit und Witz und Kuͤnſte zu gewinnen; Da liegt bey Laͤutersdorf ein angenehmer Wald, Der Faunen liebſter Platz, der Nymphen Aufenthalt, Und hier ergetzte ſich nur neulich noch, im Stillen, Der Schaͤfer Corylas mit ſeiner Amaryllen. Der Tag war angenehm, die Lufft gantz hell und warm Als dies verliebte Paar, befreyt von Leid und Harm, Des Jahres letzte Luſt vergnuͤgt genieſſen wollte, Eh ſich der kuͤhle Herbſt dem Winter naͤhern ſollte. Es

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Zitationshilfe: Gottsched, Johann Christoph: Versuch einer Critischen Dichtkunst vor die Deutschen. Leipzig, 1730, S. 400. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/gottsched_versuch_1730/428>, abgerufen am 13.04.2021.