Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Gryphius, Andreas: Großmüttiger Rechts-Gelehrter/ Oder Sterbender Æmilius Paulus Papinianus. Breslau, 1659.

Bild:
<< vorherige Seite


Andreae Gryphii
Kurtze Anmerckungen über seinen
PAPINIANUM.

HOchgeehrter Leser. Wie ich nimals mir
eingebildet/ daß meine Sachen einer weitläuff-
tigen Außlegung/ als wenn in dehnen sondere
Dunckelheiten oder Geheimnüsse verborgen/
bedörffend: also weiß ich daß andern/ auch weit-berühmtern
Seelen nicht wol gedeutet/ daß sie über jhre eigene Schrifften
sondere Anmerckungen an den Tag gegeben. Von Johanne
Pico Mirandula
schreibet ein bekanter Mann: Extant ejus
sacra Poemata, suis quoq; Commentariis illustrata, ne
legentibus minus clara viderentur.
Auch ist mir der Ver-
weiß nicht unbekant/ den Trajanus Boccalini unter dem Na-
men Apollinis, Johanni Paulo Lancellotto gegeben.
Nichts weniger habe ich/ mehr andern zu gefallen/ als daß ich
es hoch-nothig hilte bey disem meinem Trauer-Spil dises we-
nige erinnern wollen. Und zwar in der ersten Abhandelung
bey dem 21. Vers. Daß du die Spitz' erreicht. Papinianus
war nunmehr so hoch kommen daß vor jhn wenig oder keine
Staffeln zu dem höchsten Ehren-Thron mehr übrig. Sinte-
mal er nach unterschidenen mit ruhm geführeten Ehren-
Aembtern damals Praesectus Praetorio gewesen. Von wel-
cher hohen Verwaltung Petrus Faber Semest. l. c. I. II. III.
und die Notitia Imperii Orientis & Occidentis. Unter jh-
rer Auffsicht waren die Käyserliche Hof-Läger und milites
Praetoriani,
welche man damals auch Corporis custodes
ac stipatores
genennet/ konte also villeicht diser Ehren-
Stand mit der Würde deß Obristen Reichs-Hofemeisters ver-
glichen werden. Ego, diser Meynung ist Faber, non valde
aberraturum credo, si quis Praefectum, Praepositum aut
Comitem Palatii, vel si Majorem domus, Praefecto Prae-
torii, protectorumq; Praetorianorum comparaverit,

qui
G


Andreæ Gryphii
Kurtze Anmerckungen uͤber ſeinen
PAPINIANUM.

HOchgeehrter Leſer. Wie ich nimals mir
eingebildet/ daß meine Sachen einer weitlaͤuff-
tigen Außlegung/ als wenn in dehnen ſondere
Dunckelheiten oder Geheimnuͤſſe verborgen/
bedoͤrffend: alſo weiß ich daß andern/ auch weit-beruͤhmtern
Seelen nicht wol gedeutet/ daß ſie uͤber jhre eigene Schrifften
ſondere Anmerckungen an den Tag gegeben. Von Johanne
Pico Mirandula
ſchreibet ein bekanter Mann: Extant ejus
ſacra Poemata, ſuis quoq; Commentariis illuſtrata, ne
legentibus minus clara viderentur.
Auch iſt mir der Ver-
weiß nicht unbekant/ den Trajanus Boccalini unter dem Na-
men Apollinis, Johanni Paulo Lancellotto gegeben.
Nichts weniger habe ich/ mehr andern zu gefallen/ als daß ich
es hoch-nothig hilte bey diſem meinem Trauer-Spil diſes we-
nige erinnern wollen. Und zwar in der erſten Abhandelung
bey dem 21. Vers. Daß du die Spitz’ erreicht. Papinianus
war nunmehr ſo hoch kommen daß vor jhn wenig oder keine
Staffeln zu dem hoͤchſten Ehren-Thron mehr uͤbrig. Sinte-
mal er nach unterſchidenen mit ruhm gefuͤhreten Ehren-
Aembtern damals Præſectus Prætorio geweſen. Von wel-
cher hohen Verwaltung Petrus Faber Semeſt. l. c. I. II. III.
und die Notitia Imperii Orientis & Occidentis. Unter jh-
rer Auffſicht waren die Kaͤyſerliche Hof-Laͤger und milites
Prætoriani,
welche man damals auch Corporis cuſtodes
ac ſtipatores
genennet/ konte alſo villeicht diſer Ehren-
Stand mit der Wuͤrde deß Obriſten Reichs-Hofemeiſters ver-
glichen werden. Ego, diſer Meynung iſt Faber, non valde
aberraturum credo, ſi quis Præfectum, Præpoſitum aut
Comitem Palatii, vel ſi Majorem domus, Præfecto Præ-
torii, protectorumq; Prætorianorum comparaverit,

qui
G
<TEI>
  <text>
    <body>
      <pb facs="#f0125"/>
    </body>
    <back>
      <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
      <div n="1">
        <head> <hi rendition="#aq"> <hi rendition="#k">Andreæ Gryphii</hi> </hi><lb/> <hi rendition="#b">Kurtze Anmerckungen u&#x0364;ber &#x017F;einen</hi><lb/> <hi rendition="#aq"> <hi rendition="#g">PAPINIANUM.</hi> </hi> </head><lb/>
        <p><hi rendition="#in">H</hi>Ochgeehrter Le&#x017F;er. Wie ich nimals mir<lb/>
eingebildet/ daß meine Sachen einer weitla&#x0364;uff-<lb/>
tigen Außlegung/ als wenn in dehnen &#x017F;ondere<lb/>
Dunckelheiten oder Geheimnu&#x0364;&#x017F;&#x017F;e verborgen/<lb/>
bedo&#x0364;rffend: al&#x017F;o weiß ich daß andern/ auch weit-beru&#x0364;hmtern<lb/>
Seelen nicht wol gedeutet/ daß &#x017F;ie u&#x0364;ber jhre eigene Schrifften<lb/>
&#x017F;ondere Anmerckungen an den Tag gegeben. Von <hi rendition="#aq">Johanne<lb/>
Pico Mirandula</hi> &#x017F;chreibet ein bekanter Mann: <hi rendition="#aq">Extant ejus<lb/>
&#x017F;acra Poemata, &#x017F;uis quoq; Commentariis illu&#x017F;trata, ne<lb/>
legentibus minus clara viderentur.</hi> Auch i&#x017F;t mir der Ver-<lb/>
weiß nicht unbekant/ den <hi rendition="#aq">Trajanus Boccalini</hi> unter dem Na-<lb/>
men <hi rendition="#aq">Apollinis, Johanni Paulo Lancellotto</hi> gegeben.<lb/>
Nichts weniger habe ich/ mehr andern zu gefallen/ als daß ich<lb/>
es hoch-nothig hilte bey di&#x017F;em meinem Trauer-Spil di&#x017F;es we-<lb/>
nige erinnern wollen. <hi rendition="#fr">U</hi>nd zwar in der er&#x017F;ten Abhandelung<lb/>
bey dem 21. Vers. <hi rendition="#fr">Daß du die Spitz&#x2019; erreicht.</hi> <hi rendition="#aq">Papinianus</hi><lb/>
war nunmehr &#x017F;o hoch kommen daß vor jhn wenig oder keine<lb/>
Staffeln zu dem ho&#x0364;ch&#x017F;ten Ehren-Thron mehr u&#x0364;brig. Sinte-<lb/>
mal er nach unter&#x017F;chidenen mit ruhm gefu&#x0364;hreten Ehren-<lb/>
Aembtern damals <hi rendition="#aq">Præ&#x017F;ectus Prætorio</hi> gewe&#x017F;en. Von wel-<lb/>
cher hohen Verwaltung <hi rendition="#aq">Petrus Faber Seme&#x017F;t. l. c. I. II. III.</hi><lb/>
und die <hi rendition="#aq">Notitia Imperii Orientis &amp; Occidentis.</hi> <hi rendition="#fr">U</hi>nter jh-<lb/>
rer Auff&#x017F;icht waren die Ka&#x0364;y&#x017F;erliche Hof-La&#x0364;ger und <hi rendition="#aq">milites<lb/>
Prætoriani,</hi> welche man damals auch <hi rendition="#aq">Corporis cu&#x017F;todes<lb/>
ac &#x017F;tipatores</hi> genennet/ konte al&#x017F;o villeicht di&#x017F;er Ehren-<lb/>
Stand mit der Wu&#x0364;rde deß Obri&#x017F;ten Reichs-Hofemei&#x017F;ters ver-<lb/>
glichen werden. <hi rendition="#aq">Ego,</hi> di&#x017F;er Meynung i&#x017F;t <hi rendition="#aq">Faber, non valde<lb/>
aberraturum credo, &#x017F;i quis Præfectum, Præpo&#x017F;itum aut<lb/>
Comitem Palatii, vel &#x017F;i Majorem domus, Præfecto Præ-<lb/>
torii, protectorumq; Prætorianorum comparaverit,</hi><lb/>
<fw place="bottom" type="sig">G</fw><fw place="bottom" type="catch"><hi rendition="#aq">qui</hi></fw><lb/></p>
      </div>
    </back>
  </text>
</TEI>
[0125] Andreæ Gryphii Kurtze Anmerckungen uͤber ſeinen PAPINIANUM. HOchgeehrter Leſer. Wie ich nimals mir eingebildet/ daß meine Sachen einer weitlaͤuff- tigen Außlegung/ als wenn in dehnen ſondere Dunckelheiten oder Geheimnuͤſſe verborgen/ bedoͤrffend: alſo weiß ich daß andern/ auch weit-beruͤhmtern Seelen nicht wol gedeutet/ daß ſie uͤber jhre eigene Schrifften ſondere Anmerckungen an den Tag gegeben. Von Johanne Pico Mirandula ſchreibet ein bekanter Mann: Extant ejus ſacra Poemata, ſuis quoq; Commentariis illuſtrata, ne legentibus minus clara viderentur. Auch iſt mir der Ver- weiß nicht unbekant/ den Trajanus Boccalini unter dem Na- men Apollinis, Johanni Paulo Lancellotto gegeben. Nichts weniger habe ich/ mehr andern zu gefallen/ als daß ich es hoch-nothig hilte bey diſem meinem Trauer-Spil diſes we- nige erinnern wollen. Und zwar in der erſten Abhandelung bey dem 21. Vers. Daß du die Spitz’ erreicht. Papinianus war nunmehr ſo hoch kommen daß vor jhn wenig oder keine Staffeln zu dem hoͤchſten Ehren-Thron mehr uͤbrig. Sinte- mal er nach unterſchidenen mit ruhm gefuͤhreten Ehren- Aembtern damals Præſectus Prætorio geweſen. Von wel- cher hohen Verwaltung Petrus Faber Semeſt. l. c. I. II. III. und die Notitia Imperii Orientis & Occidentis. Unter jh- rer Auffſicht waren die Kaͤyſerliche Hof-Laͤger und milites Prætoriani, welche man damals auch Corporis cuſtodes ac ſtipatores genennet/ konte alſo villeicht diſer Ehren- Stand mit der Wuͤrde deß Obriſten Reichs-Hofemeiſters ver- glichen werden. Ego, diſer Meynung iſt Faber, non valde aberraturum credo, ſi quis Præfectum, Præpoſitum aut Comitem Palatii, vel ſi Majorem domus, Præfecto Præ- torii, protectorumq; Prætorianorum comparaverit, qui G

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/gryphius_rechtsgelehrter_1659
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/gryphius_rechtsgelehrter_1659/125
Zitationshilfe: Gryphius, Andreas: Großmüttiger Rechts-Gelehrter/ Oder Sterbender Æmilius Paulus Papinianus. Breslau, 1659, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/gryphius_rechtsgelehrter_1659/125>, abgerufen am 26.10.2021.