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Günther, Johann: Send-Schreiben an einen S. Theologum. Leipzig, 1711.

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ob wir Evangelischen Prediger die Unsrigen nicht lehreten die Sünde zu meiden / noch vor die begangenen Sünden Buße zu thun. Wer nur etliche mahl in unsre Predigten gehet / der wird gleich in seinem Hertzen überzeuget seyn / daß der Autor dißfalls eine handgreiffliche Unwarheit geschrieben.

Antwort auf die acht und vierzigste Betrachtung.

Diese Motive ist mehr eine harte und ungegründete Beschuldigung / als ein Zeugniß der Warheit / und ob wir gleich von unsern Christen nicht die Beobachtung der von dem Autore angeführten Menschen-Satzungen fordern / die theils wider GOttes Gebote / theils ohne GOttes Wort sind; so dringen wir doch darauf / daß sie in denen von GOtt befohlenen Wercken sich üben sollen / z. E. in der Verläugnung sein selbst / in der Creutzigung des sündlichen Fleisches / in der Nachfolge JEsu Christi etc. Wir führen sie gewiß zu keinem Müßiggange an / wenn wir sie heissen streiten wider den Teufel, der sie stets zur Sicherheit oder zum Unglauben und zum Zweifel reitzet; O was ist hier vor Kampff nöthig / daß der Glaube und die Hoffnung

ob wir Evangelischen Prediger die Unsrigen nicht lehreten die Sünde zu meiden / noch vor die begangenen Sünden Buße zu thun. Wer nur etliche mahl in unsre Predigten gehet / der wird gleich in seinem Hertzen überzeuget seyn / daß der Autor dißfalls eine handgreiffliche Unwarheit geschrieben.

Antwort auf die acht und vierzigste Betrachtung.

Diese Motive ist mehr eine harte und ungegründete Beschuldigung / als ein Zeugniß der Warheit / und ob wir gleich von unsern Christen nicht die Beobachtung der von dem Autore angeführten Menschen-Satzungen fordern / die theils wider GOttes Gebote / theils ohne GOttes Wort sind; so dringen wir doch darauf / daß sie in denen von GOtt befohlenen Wercken sich üben sollen / z. E. in der Verläugnung sein selbst / in der Creutzigung des sündlichen Fleisches / in der Nachfolge JEsu Christi etc. Wir führen sie gewiß zu keinem Müßiggange an / wenn wir sie heissen streiten wider den Teufel, der sie stets zur Sicherheit oder zum Unglauben und zum Zweifel reitzet; O was ist hier vor Kampff nöthig / daß der Glaube und die Hoffnung

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[107/0107] ob wir Evangelischen Prediger die Unsrigen nicht lehreten die Sünde zu meiden / noch vor die begangenen Sünden Buße zu thun. Wer nur etliche mahl in unsre Predigten gehet / der wird gleich in seinem Hertzen überzeuget seyn / daß der Autor dißfalls eine handgreiffliche Unwarheit geschrieben. Antwort auf die acht und vierzigste Betrachtung. Diese Motive ist mehr eine harte und ungegründete Beschuldigung / als ein Zeugniß der Warheit / und ob wir gleich von unsern Christen nicht die Beobachtung der von dem Autore angeführten Menschen-Satzungen fordern / die theils wider GOttes Gebote / theils ohne GOttes Wort sind; so dringen wir doch darauf / daß sie in denen von GOtt befohlenen Wercken sich üben sollen / z. E. in der Verläugnung sein selbst / in der Creutzigung des sündlichen Fleisches / in der Nachfolge JEsu Christi etc. Wir führen sie gewiß zu keinem Müßiggange an / wenn wir sie heissen streiten wider den Teufel, der sie stets zur Sicherheit oder zum Unglauben und zum Zweifel reitzet; O was ist hier vor Kampff nöthig / daß der Glaube und die Hoffnung

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Zitationshilfe: Günther, Johann: Send-Schreiben an einen S. Theologum. Leipzig, 1711, S. 107. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/guenther_sendschreiben_1711/107>, abgerufen am 11.04.2021.