Gutzkow, Karl: Börne's Leben. Hamburg, 1840.ihre Unternehmungen finden würden. Im ererbten Besitz eines solchen Gelöbnisses mußte es Börne's Vater allerdings schmerzen, seinen Sohn auf so politisch unpraktischen Wegen wandeln zu sehen, als er später einschlug. Der Großvater kam öfters nach Frankfurt und beredete mit seinen Söhnen die Ausführung großer Aufträge, die er von seinem Hofe, von dem reichen Adel dortiger Gegend empfing. Im Revolutionskriege besorgte er für die belgisch-österreichischen Stände Lieferungen und machte dadurch, daß auch Börne's Vater wenig an seine häusliche Einrichtung gefesselt blieb, sondern fast immer auf Reisen war. Das Verhältniß des jungen Börne und seiner Geschwister zum Großvater war streng patriarchalisch. Sie waren gelehrt, ihn für einen außerordentlichen Mann zu halten und standen in ehrbietiger Entfernung, wenn sie den Gasthof zum weißen Schwanen besuchten, wo der Hofagent einzukehren pflegte. Der junge Börne, schüchtern und seiner Schweigsamkeit wegen von seinen Geschwistern geneckt, hatte sich bei einer solchen Gelegenheit einmal des in der Familie wie ein heiliger Seherausspruch verehrten Wortes vom Großvater zu erfreuen: "Laßt mir den Jungen gehen; das giebt noch einmal einen großen Mann!" Diese Prophezei- ihre Unternehmungen finden würden. Im ererbten Besitz eines solchen Gelöbnisses mußte es Börne’s Vater allerdings schmerzen, seinen Sohn auf so politisch unpraktischen Wegen wandeln zu sehen, als er später einschlug. Der Großvater kam öfters nach Frankfurt und beredete mit seinen Söhnen die Ausführung großer Aufträge, die er von seinem Hofe, von dem reichen Adel dortiger Gegend empfing. Im Revolutionskriege besorgte er für die belgisch-österreichischen Stände Lieferungen und machte dadurch, daß auch Börne’s Vater wenig an seine häusliche Einrichtung gefesselt blieb, sondern fast immer auf Reisen war. Das Verhältniß des jungen Börne und seiner Geschwister zum Großvater war streng patriarchalisch. Sie waren gelehrt, ihn für einen außerordentlichen Mann zu halten und standen in ehrbietiger Entfernung, wenn sie den Gasthof zum weißen Schwanen besuchten, wo der Hofagent einzukehren pflegte. Der junge Börne, schüchtern und seiner Schweigsamkeit wegen von seinen Geschwistern geneckt, hatte sich bei einer solchen Gelegenheit einmal des in der Familie wie ein heiliger Seherausspruch verehrten Wortes vom Großvater zu erfreuen: „Laßt mir den Jungen gehen; das giebt noch einmal einen großen Mann!“ Diese Prophezei- <TEI> <text> <body> <div> <p><pb facs="#f0070" n="28"/> ihre Unternehmungen finden würden. Im ererbten Besitz eines solchen Gelöbnisses mußte es Börne’s Vater allerdings schmerzen, seinen Sohn auf so politisch unpraktischen Wegen wandeln zu sehen, als er später einschlug. Der Großvater kam öfters nach Frankfurt und beredete mit seinen Söhnen die Ausführung großer Aufträge, die er von seinem Hofe, von dem reichen Adel dortiger Gegend empfing. Im Revolutionskriege besorgte er für die belgisch-österreichischen Stände Lieferungen und machte dadurch, daß auch Börne’s Vater wenig an seine häusliche Einrichtung gefesselt blieb, sondern fast immer auf Reisen war. Das Verhältniß des jungen Börne und seiner Geschwister zum Großvater war streng patriarchalisch. Sie waren gelehrt, ihn für einen außerordentlichen Mann zu halten und standen in ehrbietiger Entfernung, wenn sie den Gasthof zum weißen Schwanen besuchten, wo der Hofagent einzukehren pflegte. Der junge Börne, schüchtern und seiner Schweigsamkeit wegen von seinen Geschwistern geneckt, hatte sich bei einer solchen Gelegenheit einmal des in der Familie wie ein heiliger Seherausspruch verehrten Wortes vom Großvater zu erfreuen: „Laßt mir den Jungen gehen; das giebt noch einmal einen großen Mann!“ Diese Prophezei- </p> </div> </body> </text> </TEI> [28/0070]
ihre Unternehmungen finden würden. Im ererbten Besitz eines solchen Gelöbnisses mußte es Börne’s Vater allerdings schmerzen, seinen Sohn auf so politisch unpraktischen Wegen wandeln zu sehen, als er später einschlug. Der Großvater kam öfters nach Frankfurt und beredete mit seinen Söhnen die Ausführung großer Aufträge, die er von seinem Hofe, von dem reichen Adel dortiger Gegend empfing. Im Revolutionskriege besorgte er für die belgisch-österreichischen Stände Lieferungen und machte dadurch, daß auch Börne’s Vater wenig an seine häusliche Einrichtung gefesselt blieb, sondern fast immer auf Reisen war. Das Verhältniß des jungen Börne und seiner Geschwister zum Großvater war streng patriarchalisch. Sie waren gelehrt, ihn für einen außerordentlichen Mann zu halten und standen in ehrbietiger Entfernung, wenn sie den Gasthof zum weißen Schwanen besuchten, wo der Hofagent einzukehren pflegte. Der junge Börne, schüchtern und seiner Schweigsamkeit wegen von seinen Geschwistern geneckt, hatte sich bei einer solchen Gelegenheit einmal des in der Familie wie ein heiliger Seherausspruch verehrten Wortes vom Großvater zu erfreuen: „Laßt mir den Jungen gehen; das giebt noch einmal einen großen Mann!“ Diese Prophezei-
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| Zitationshilfe: | Gutzkow, Karl: Börne's Leben. Hamburg, 1840, S. 28. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/gutzkow_boerne_1840/70>, abgerufen am 25.09.2024. |


