[Gutzkow, Karl]: Briefe eines Narren an eine Närrin. Hamburg, 1832.phen der Liebe, die durch die Räume der unendlichen Welt aufgestellt wären? Von unserer Liebe, von den wunderbaren Chiffern, mit denen sich unsere Herzen verständigen? Wie es die Nachtigall Dir wieder sagen müßte, wenn ich so in stiller Nacht unter den dunkeln Zweigen ihrem Liede lausche? Wie die funkelnden Glühkäfer und die pfauenäugigen Nachtschmetterlinge es sehen und Dir erzählen müßten, wenn ich sie bei ihrem Kosen und Schwelgen in den Blüthenkelchen so selig betrachte? Wie? Du schüttelst den Kopf? Sprechen wir nicht von den Thälern und Bergen, den blauen Himmelsfernen, den goldenen Gestirnen der Nacht, wie diese alle nur eine großartige Runenschrift für Liebende wären? wie das leise Waldesflüstern und Blätterrauschen Dir immer die Boten meiner Treue sein sollten? wie der geschwätzige Quell nur das wieder erzähle, was er von einer Blume gehört habe, die aus dem Schnabel einer Taube, die ich zu Dir sandte, gefallen? Also wirklich, das hast Du Alles vergessen? o wir reichten uns ja die Hände über Berge und Meere, und drückten sie uns meilenweit! Sprachen ja dabei von Morgenroth und goldener Hoffnung, von schöneren Tagen und herrlicher Zukunft! Im himmelblauen Gewande lagst Du in meinen Armen. Ein zweiter heiliger Christoph mußt' ich das Jesuskind meiner Liebe durch die phen der Liebe, die durch die Räume der unendlichen Welt aufgestellt wären? Von unserer Liebe, von den wunderbaren Chiffern, mit denen sich unsere Herzen verständigen? Wie es die Nachtigall Dir wieder sagen müßte, wenn ich so in stiller Nacht unter den dunkeln Zweigen ihrem Liede lausche? Wie die funkelnden Glühkäfer und die pfauenäugigen Nachtschmetterlinge es sehen und Dir erzählen müßten, wenn ich sie bei ihrem Kosen und Schwelgen in den Blüthenkelchen so selig betrachte? Wie? Du schüttelst den Kopf? Sprechen wir nicht von den Thälern und Bergen, den blauen Himmelsfernen, den goldenen Gestirnen der Nacht, wie diese alle nur eine großartige Runenschrift für Liebende wären? wie das leise Waldesflüstern und Blätterrauschen Dir immer die Boten meiner Treue sein sollten? wie der geschwätzige Quell nur das wieder erzähle, was er von einer Blume gehört habe, die aus dem Schnabel einer Taube, die ich zu Dir sandte, gefallen? Also wirklich, das hast Du Alles vergessen? o wir reichten uns ja die Hände über Berge und Meere, und drückten sie uns meilenweit! Sprachen ja dabei von Morgenroth und goldener Hoffnung, von schöneren Tagen und herrlicher Zukunft! Im himmelblauen Gewande lagst Du in meinen Armen. Ein zweiter heiliger Christoph mußt’ ich das Jesuskind meiner Liebe durch die <TEI> <text> <body> <div n="1"> <p><pb facs="#f0206" n="193"/> phen der Liebe, die durch die Räume der unendlichen Welt aufgestellt wären? Von unserer Liebe, von den wunderbaren Chiffern, mit denen sich unsere Herzen verständigen? Wie es die Nachtigall Dir wieder sagen müßte, wenn ich so in stiller Nacht unter den dunkeln Zweigen ihrem Liede lausche? Wie die funkelnden Glühkäfer und die pfauenäugigen Nachtschmetterlinge es sehen und Dir erzählen müßten, wenn ich sie bei ihrem Kosen und Schwelgen in den Blüthenkelchen so selig betrachte? Wie? Du schüttelst den Kopf? Sprechen wir nicht von den Thälern und Bergen, den blauen Himmelsfernen, den goldenen Gestirnen der Nacht, wie diese alle nur eine großartige Runenschrift für Liebende wären? wie das leise Waldesflüstern und Blätterrauschen Dir immer die Boten meiner Treue sein sollten? wie der geschwätzige Quell nur das wieder erzähle, was er von einer Blume gehört habe, die aus dem Schnabel einer Taube, die ich zu Dir sandte, gefallen? Also wirklich, das hast Du Alles vergessen? o wir reichten uns ja die Hände über Berge und Meere, und drückten sie uns meilenweit! Sprachen ja dabei von Morgenroth und goldener Hoffnung, von schöneren Tagen und herrlicher Zukunft! Im himmelblauen Gewande lagst Du in meinen Armen. Ein zweiter heiliger Christoph mußt’ ich das Jesuskind meiner Liebe durch die </p> </div> </body> </text> </TEI> [193/0206]
phen der Liebe, die durch die Räume der unendlichen Welt aufgestellt wären? Von unserer Liebe, von den wunderbaren Chiffern, mit denen sich unsere Herzen verständigen? Wie es die Nachtigall Dir wieder sagen müßte, wenn ich so in stiller Nacht unter den dunkeln Zweigen ihrem Liede lausche? Wie die funkelnden Glühkäfer und die pfauenäugigen Nachtschmetterlinge es sehen und Dir erzählen müßten, wenn ich sie bei ihrem Kosen und Schwelgen in den Blüthenkelchen so selig betrachte? Wie? Du schüttelst den Kopf? Sprechen wir nicht von den Thälern und Bergen, den blauen Himmelsfernen, den goldenen Gestirnen der Nacht, wie diese alle nur eine großartige Runenschrift für Liebende wären? wie das leise Waldesflüstern und Blätterrauschen Dir immer die Boten meiner Treue sein sollten? wie der geschwätzige Quell nur das wieder erzähle, was er von einer Blume gehört habe, die aus dem Schnabel einer Taube, die ich zu Dir sandte, gefallen? Also wirklich, das hast Du Alles vergessen? o wir reichten uns ja die Hände über Berge und Meere, und drückten sie uns meilenweit! Sprachen ja dabei von Morgenroth und goldener Hoffnung, von schöneren Tagen und herrlicher Zukunft! Im himmelblauen Gewande lagst Du in meinen Armen. Ein zweiter heiliger Christoph mußt’ ich das Jesuskind meiner Liebe durch die
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| Zitationshilfe: | [Gutzkow, Karl]: Briefe eines Narren an eine Närrin. Hamburg, 1832, S. 193. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/gutzkow_narren_1832/206>, abgerufen am 25.09.2024. |


