[Gutzkow, Karl]: Briefe eines Narren an eine Närrin. Hamburg, 1832.Du weißt ihn zu ertragen. Das ganze Leben Deines Mannes ist wie eine Sage an Dir vorübergegangen. Wie im Traume hast Du ihn ewig auf schwankendem Fahrzeuge mit dem empörten Elemente kämpfen sehen; wie er mit den lieben, treuen Gefährten im Mondenschein am Ufer des Heimathlandes anlegt. Er küßt die feindselige und doch so geliebte Scholle, mit den blitzenden Schwertern deuten sie nach den Sternen, und schwören sich ewige Treue auf Leben und Tod. Ha! ich sehe die perlende Thräne, die über die dunkle Narbensaat seines Antlitzes rinnt! Wie ihm die Blumen der Hoffnung unter dem buschigen Moose der Augenbraunen aufkeimen! Ein hehres Weib, in flatterndem Reitermantel, auf ihrem stolzen Haupte die winkende Reiherfeder ruft ihm. Er folgt auf die schneeigen Wipfel der Sierra Nevada. Von einem Abhange sieht er das wunderbare Farbenspiel des lachendsten Frühlingsgrüns, die Streiflichter der fernen Thalebenen, und Alles in die blaue Dämmerung des Mondscheins gehüllt. Hinten am äußersten Ende des Horizontes liegen in dunkler Ferne die tausendzackigen Höhen der Sierrra Morena. Hesperia deutet wehmüthig nach den Ufern des Manzanares, Dein Gatte verbirgt sein Angesicht und stirbt. Du weißt ihn zu ertragen. Das ganze Leben Deines Mannes ist wie eine Sage an Dir vorübergegangen. Wie im Traume hast Du ihn ewig auf schwankendem Fahrzeuge mit dem empörten Elemente kämpfen sehen; wie er mit den lieben, treuen Gefährten im Mondenschein am Ufer des Heimathlandes anlegt. Er küßt die feindselige und doch so geliebte Scholle, mit den blitzenden Schwertern deuten sie nach den Sternen, und schwören sich ewige Treue auf Leben und Tod. Ha! ich sehe die perlende Thräne, die über die dunkle Narbensaat seines Antlitzes rinnt! Wie ihm die Blumen der Hoffnung unter dem buschigen Moose der Augenbraunen aufkeimen! Ein hehres Weib, in flatterndem Reitermantel, auf ihrem stolzen Haupte die winkende Reiherfeder ruft ihm. Er folgt auf die schneeigen Wipfel der Sierra Nevada. Von einem Abhange sieht er das wunderbare Farbenspiel des lachendsten Frühlingsgrüns, die Streiflichter der fernen Thalebenen, und Alles in die blaue Dämmerung des Mondscheins gehüllt. Hinten am äußersten Ende des Horizontes liegen in dunkler Ferne die tausendzackigen Höhen der Sierrra Morena. Hesperia deutet wehmüthig nach den Ufern des Manzanares, Dein Gatte verbirgt sein Angesicht und stirbt. <TEI> <text> <body> <div n="1"> <pb facs="#f0058" n="45"/> <p> Du weißt ihn zu ertragen. Das ganze Leben Deines Mannes ist wie eine Sage an Dir vorübergegangen. Wie im Traume hast Du ihn ewig auf schwankendem Fahrzeuge mit dem empörten Elemente kämpfen sehen; wie er mit den lieben, treuen Gefährten im Mondenschein am Ufer des Heimathlandes anlegt. Er küßt die feindselige und doch so geliebte Scholle, mit den blitzenden Schwertern deuten sie nach den Sternen, und schwören sich ewige Treue auf Leben und Tod. Ha! ich sehe die perlende Thräne, die über die dunkle Narbensaat seines Antlitzes rinnt! Wie ihm die Blumen der Hoffnung unter dem buschigen Moose der Augenbraunen aufkeimen! Ein hehres Weib, in flatterndem Reitermantel, auf ihrem stolzen Haupte die winkende Reiherfeder ruft ihm. Er folgt auf die schneeigen Wipfel der Sierra Nevada. Von einem Abhange sieht er das wunderbare Farbenspiel des lachendsten Frühlingsgrüns, die Streiflichter der fernen Thalebenen, und Alles in die blaue Dämmerung des Mondscheins gehüllt. Hinten am äußersten Ende des Horizontes liegen in dunkler Ferne die tausendzackigen Höhen der Sierrra Morena. <ref xml:id="TEXTHesperia" target="BrN4E.htm#ERLHesperia">Hesperia</ref> deutet wehmüthig nach den Ufern des <ref xml:id="TEXTManzanares" target="BrN4E.htm#ERLManzanares">Manzanares</ref>, Dein Gatte verbirgt sein Angesicht und stirbt.</p> </div> </body> </text> </TEI> [45/0058]
Du weißt ihn zu ertragen. Das ganze Leben Deines Mannes ist wie eine Sage an Dir vorübergegangen. Wie im Traume hast Du ihn ewig auf schwankendem Fahrzeuge mit dem empörten Elemente kämpfen sehen; wie er mit den lieben, treuen Gefährten im Mondenschein am Ufer des Heimathlandes anlegt. Er küßt die feindselige und doch so geliebte Scholle, mit den blitzenden Schwertern deuten sie nach den Sternen, und schwören sich ewige Treue auf Leben und Tod. Ha! ich sehe die perlende Thräne, die über die dunkle Narbensaat seines Antlitzes rinnt! Wie ihm die Blumen der Hoffnung unter dem buschigen Moose der Augenbraunen aufkeimen! Ein hehres Weib, in flatterndem Reitermantel, auf ihrem stolzen Haupte die winkende Reiherfeder ruft ihm. Er folgt auf die schneeigen Wipfel der Sierra Nevada. Von einem Abhange sieht er das wunderbare Farbenspiel des lachendsten Frühlingsgrüns, die Streiflichter der fernen Thalebenen, und Alles in die blaue Dämmerung des Mondscheins gehüllt. Hinten am äußersten Ende des Horizontes liegen in dunkler Ferne die tausendzackigen Höhen der Sierrra Morena. Hesperia deutet wehmüthig nach den Ufern des Manzanares, Dein Gatte verbirgt sein Angesicht und stirbt.
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| Zitationshilfe: | [Gutzkow, Karl]: Briefe eines Narren an eine Närrin. Hamburg, 1832, S. 45. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/gutzkow_narren_1832/58>, abgerufen am 26.09.2024. |


