[Gutzkow, Karl]: Briefe eines Narren an eine Närrin. Hamburg, 1832.dienste dich bestimmt, die Fahne der Lilien, der deine Unschuld doch immer treu bleiben sollte, zu verlassen. Du trittst über deine Sphäre hinaus. Ein Frauenzimmer muß gar keine Ideen haben, am allerwenigsten liberale. Die Politik der Frauen soll nicht einmal die ihrer Männer sein. Wenn es eine Zeit gab, wo die Mädchen Lorbeerkränze von Eichenlaub für die aus dem Felde zurückkehrenden Sieger wanden, und dabei recht martialische Kriegslieder anstimmten, so verzeiht man solche Tollheiten, weil man weiß, daß sie nur so zu Männern kommen wollten. Jetzt aber wären viele deiner Schwestern im Stande, und ließen Flugschriften drucken über Vertretung am Bundestage, da sie höchstens solche Begriffe nur mit Gold auf Fahnen sticken sollten, um heimkehrende Deputirte damit zu ehren. Also wenn dich der politische Kitzel doch gar zu sehr sticht, so folge dem letzten Beispiele. Nun hab' ich aber keine Heimath, in die ich zurückkehren könnte, noch weniger bin ich ein Deputirter, du mußt dich also auf Halskragen, Hemden u. dergl. beschränken. Sticke mir z. B. auf mein Sacktuch die Worte: der deutsche Bundestag--------- Dies aber nur zu gelegentlicher Berücksichtigung. Sonst benutz' ich diesen passenden Ort, dienste dich bestimmt, die Fahne der Lilien, der deine Unschuld doch immer treu bleiben sollte, zu verlassen. Du trittst über deine Sphäre hinaus. Ein Frauenzimmer muß gar keine Ideen haben, am allerwenigsten liberale. Die Politik der Frauen soll nicht einmal die ihrer Männer sein. Wenn es eine Zeit gab, wo die Mädchen Lorbeerkränze von Eichenlaub für die aus dem Felde zurückkehrenden Sieger wanden, und dabei recht martialische Kriegslieder anstimmten, so verzeiht man solche Tollheiten, weil man weiß, daß sie nur so zu Männern kommen wollten. Jetzt aber wären viele deiner Schwestern im Stande, und ließen Flugschriften drucken über Vertretung am Bundestage, da sie höchstens solche Begriffe nur mit Gold auf Fahnen sticken sollten, um heimkehrende Deputirte damit zu ehren. Also wenn dich der politische Kitzel doch gar zu sehr sticht, so folge dem letzten Beispiele. Nun hab’ ich aber keine Heimath, in die ich zurückkehren könnte, noch weniger bin ich ein Deputirter, du mußt dich also auf Halskragen, Hemden u. dergl. beschränken. Sticke mir z. B. auf mein Sacktuch die Worte: der deutsche Bundestag—-—-—- Dies aber nur zu gelegentlicher Berücksichtigung. Sonst benutz’ ich diesen passenden Ort, <TEI> <text> <body> <div n="1"> <p><pb facs="#f0065" n="52"/> dienste dich bestimmt, die Fahne der Lilien, der deine Unschuld doch immer treu bleiben sollte, zu verlassen. Du trittst über deine Sphäre hinaus. Ein Frauenzimmer muß gar keine Ideen haben, am allerwenigsten liberale. Die Politik der Frauen soll nicht einmal die ihrer Männer sein. Wenn es eine Zeit gab, wo die Mädchen Lorbeerkränze von Eichenlaub für die aus dem Felde zurückkehrenden Sieger wanden, und dabei recht martialische Kriegslieder anstimmten, so verzeiht man solche Tollheiten, weil man weiß, daß sie nur so zu Männern kommen wollten. Jetzt aber wären viele deiner Schwestern im Stande, und ließen Flugschriften drucken über Vertretung am Bundestage, da sie höchstens solche Begriffe nur mit Gold auf Fahnen sticken sollten, um heimkehrende Deputirte damit zu ehren. Also wenn dich der politische Kitzel doch gar zu sehr sticht, so folge dem letzten Beispiele. Nun hab’ ich aber keine Heimath, in die ich zurückkehren könnte, noch weniger bin ich ein Deputirter, du mußt dich also auf Halskragen, Hemden u. dergl. beschränken.</p> <p>Sticke mir z. B. auf mein Sacktuch die Worte: <ref xml:id="TEXTderdeutscheBundestag" target="BrN4E.htm#ERLderdeutscheBundestag"><hi rendition="#g">der deutsche Bundestag</hi></ref>—-—-—-</p> <p>Dies aber nur zu gelegentlicher Berücksichtigung. Sonst benutz’ ich diesen passenden Ort, </p> </div> </body> </text> </TEI> [52/0065]
dienste dich bestimmt, die Fahne der Lilien, der deine Unschuld doch immer treu bleiben sollte, zu verlassen. Du trittst über deine Sphäre hinaus. Ein Frauenzimmer muß gar keine Ideen haben, am allerwenigsten liberale. Die Politik der Frauen soll nicht einmal die ihrer Männer sein. Wenn es eine Zeit gab, wo die Mädchen Lorbeerkränze von Eichenlaub für die aus dem Felde zurückkehrenden Sieger wanden, und dabei recht martialische Kriegslieder anstimmten, so verzeiht man solche Tollheiten, weil man weiß, daß sie nur so zu Männern kommen wollten. Jetzt aber wären viele deiner Schwestern im Stande, und ließen Flugschriften drucken über Vertretung am Bundestage, da sie höchstens solche Begriffe nur mit Gold auf Fahnen sticken sollten, um heimkehrende Deputirte damit zu ehren. Also wenn dich der politische Kitzel doch gar zu sehr sticht, so folge dem letzten Beispiele. Nun hab’ ich aber keine Heimath, in die ich zurückkehren könnte, noch weniger bin ich ein Deputirter, du mußt dich also auf Halskragen, Hemden u. dergl. beschränken.
Sticke mir z. B. auf mein Sacktuch die Worte: der deutsche Bundestag—-—-—-
Dies aber nur zu gelegentlicher Berücksichtigung. Sonst benutz’ ich diesen passenden Ort,
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| Zitationshilfe: | [Gutzkow, Karl]: Briefe eines Narren an eine Närrin. Hamburg, 1832, S. 52. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/gutzkow_narren_1832/65>, abgerufen am 26.09.2024. |


