[Gutzkow, Karl]: Briefe eines Narren an eine Närrin. Hamburg, 1832.noch nicht nachgeahmt, nicht aus Mangel leerer Wände und wegen übermäßig beschäftigter Malerpinsel, sondern man vermeidet die Ursprünge, weil sich nicht läugnen läßt, daß sie menschlich sind. Friedrich der Große, der unstreitig allein die Natur eines preußischen Staates erkannt hat, findet die meisten Bewunderer außerhalb des Landes, wenige im Lande selbst, und keine am Hofe oder auf dem Throne. Die Zukunft meiner Heimath--o wär' ich doch ein Glasmaler geworden, und könnte, wie sie sagen, beitragen zur Belebung alles Großen und Herrlichen, das untergegangen! oder auch ein Wappenschneider. Denn es wird eine Zeit kommen, wo ich, falls ich noch im Besitz meiner Kehle bin, singen werde nach dem alten Liede: Was meinst Du, soll ich ein Buch schreiben, das Schloß Marienburg oder Ideen zu einer Vergangenheit des preußischen Staates? Ich dedicire es sämmtlichen Gesellschaften zur Erforschung vaterländischer Alterthümer, deren Oberhäupter, wenn nicht lustige, doch mächtige Patrone sind. Wie Jean Paul die Capitel seiner Schriften in Jobeljahre oder Posttage oder ähnlich eintheilte, so würden in diesem Versuche die Unterabtheilungen nach Glasfenstern ausfallen. Die drei Hauptklammern noch nicht nachgeahmt, nicht aus Mangel leerer Wände und wegen übermäßig beschäftigter Malerpinsel, sondern man vermeidet die Ursprünge, weil sich nicht läugnen läßt, daß sie menschlich sind. Friedrich der Große, der unstreitig allein die Natur eines preußischen Staates erkannt hat, findet die meisten Bewunderer außerhalb des Landes, wenige im Lande selbst, und keine am Hofe oder auf dem Throne. Die Zukunft meiner Heimath—o wär’ ich doch ein Glasmaler geworden, und könnte, wie sie sagen, beitragen zur Belebung alles Großen und Herrlichen, das untergegangen! oder auch ein Wappenschneider. Denn es wird eine Zeit kommen, wo ich, falls ich noch im Besitz meiner Kehle bin, singen werde nach dem alten Liede: Was meinst Du, soll ich ein Buch schreiben, das Schloß Marienburg oder Ideen zu einer Vergangenheit des preußischen Staates? Ich dedicire es sämmtlichen Gesellschaften zur Erforschung vaterländischer Alterthümer, deren Oberhäupter, wenn nicht lustige, doch mächtige Patrone sind. Wie Jean Paul die Capitel seiner Schriften in Jobeljahre oder Posttage oder ähnlich eintheilte, so würden in diesem Versuche die Unterabtheilungen nach Glasfenstern ausfallen. Die drei Hauptklammern <TEI> <text> <body> <div n="1"> <p><ref xml:id="TEXTBisjetztBISnichtnachgeahmt" target="BrN4E.htm#ERLBisjetztBISnichtnachgeahmt"><pb facs="#f0071" n="58"/> noch nicht nachgeahmt</ref>, nicht aus Mangel leerer Wände und wegen übermäßig beschäftigter Malerpinsel, sondern man vermeidet die Ursprünge, weil sich nicht läugnen läßt, daß sie menschlich sind. Friedrich der Große, der unstreitig allein die Natur eines preußischen Staates erkannt hat, findet die meisten Bewunderer außerhalb des Landes, wenige im Lande selbst, und keine am Hofe oder auf dem Throne. Die Zukunft meiner Heimath—o wär’ ich doch ein Glasmaler geworden, und könnte, wie sie sagen, beitragen zur Belebung alles Großen und Herrlichen, das untergegangen! oder auch ein Wappenschneider. Denn es wird eine Zeit kommen, wo ich, falls ich noch im Besitz meiner Kehle bin, singen werde <ref xml:id="TEXTnachdemBISHerzbefangen" target="BrN4E.htm#ERLnachdemBISHerzbefangen">nach dem alten Liede:</ref></p> <p> <ref target="BrN4E.htm#ERLnachdemBISHerzbefangen"> <lg> <l>Viel Wappen sah’ ich rund her hangen,</l> <l>Mit Trauren ward mein Herz befangen!</l> </lg> </ref> </p> <p>Was meinst Du, soll ich ein Buch schreiben, <ref xml:id="TEXTdasSchlossBISpreussischenStaates" target="BrN4E.htm#ERLdasSchlossBISpreussischenStaates">das Schloß Marienburg oder Ideen zu einer Vergangenheit des preußischen Staates</ref>? Ich dedicire es sämmtlichen Gesellschaften zur Erforschung vaterländischer Alterthümer, deren Oberhäupter, wenn nicht lustige, doch mächtige Patrone sind. <ref xml:id="TEXTWieJeanPaulBISeintheilte" target="BrN4E.htm#ERLWieJeanPaulBISeintheilte">Wie Jean Paul die Capitel seiner Schriften in Jobeljahre oder Posttage oder ähnlich eintheilte</ref>, so würden in diesem Versuche die Unterabtheilungen nach Glasfenstern ausfallen. Die drei Hauptklammern </p> </div> </body> </text> </TEI> [58/0071]
noch nicht nachgeahmt, nicht aus Mangel leerer Wände und wegen übermäßig beschäftigter Malerpinsel, sondern man vermeidet die Ursprünge, weil sich nicht läugnen läßt, daß sie menschlich sind. Friedrich der Große, der unstreitig allein die Natur eines preußischen Staates erkannt hat, findet die meisten Bewunderer außerhalb des Landes, wenige im Lande selbst, und keine am Hofe oder auf dem Throne. Die Zukunft meiner Heimath—o wär’ ich doch ein Glasmaler geworden, und könnte, wie sie sagen, beitragen zur Belebung alles Großen und Herrlichen, das untergegangen! oder auch ein Wappenschneider. Denn es wird eine Zeit kommen, wo ich, falls ich noch im Besitz meiner Kehle bin, singen werde nach dem alten Liede:
Viel Wappen sah’ ich rund her hangen, Mit Trauren ward mein Herz befangen!
Was meinst Du, soll ich ein Buch schreiben, das Schloß Marienburg oder Ideen zu einer Vergangenheit des preußischen Staates? Ich dedicire es sämmtlichen Gesellschaften zur Erforschung vaterländischer Alterthümer, deren Oberhäupter, wenn nicht lustige, doch mächtige Patrone sind. Wie Jean Paul die Capitel seiner Schriften in Jobeljahre oder Posttage oder ähnlich eintheilte, so würden in diesem Versuche die Unterabtheilungen nach Glasfenstern ausfallen. Die drei Hauptklammern
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| Zitationshilfe: | [Gutzkow, Karl]: Briefe eines Narren an eine Närrin. Hamburg, 1832, S. 58. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/gutzkow_narren_1832/71>, abgerufen am 26.09.2024. |


