[Gutzkow, Karl]: Briefe eines Narren an eine Närrin. Hamburg, 1832.Wer doch in dieser Zeit auch ein Pferd hätte! Auf Ehre, Herr Lieutenant, beim Rennen auf der Bahn mit Hindernissen gewänn' ich den Preis. Ich bin diese Art von Bahn gewohnt. Hier ist eine Laufbahn eröffnet, wo noch Lorbeeren, silberne Becher und Ducaten zu holen sind. Unstreitig ist diese Institution, wie die Städteordnung, eine von den Grundlagen, auf die sich das Fragezeichen einer preußischen Verfassung erbauen soll. Dies Dermaleinst muß eintreten, wenn die Zeit erfüllet ist. Klagt also nicht, daß bei Euch die Pferde besser dran sind, als die Menschen. Auch Euren Talenten wird eine Bahn geöffnet werden, nur müßt Ihr eilen, Euch Schild, Lanze und Roß anzulegen, an und für sich schon vorausgesetzt, daß Ihr im Besitz von Stammbäumen seid! Weder Grundeigenthum noch gar die Intelligenz werden Eure Delegirte vertreten, sondern einzig historische Interessen. Wenn diese vorhanden sind, so werden sie mit höchster Sorgfalt wahrgenommen werden. Sind sie nicht da, so müßte ja der selige Herr v. Stein am Rhein und ein Anderer an der Nogat vor süßem Wein nicht gewußt haben, was es sagen will, wenn sie tranken "auf Wiederbelebung alles Hohen und Edlen." Ueberhaupt, Herr Buchholz, nehmen Sie sich vor den Urideen in Acht, die aus Deutschlands Wer doch in dieser Zeit auch ein Pferd hätte! Auf Ehre, Herr Lieutenant, beim Rennen auf der Bahn mit Hindernissen gewänn’ ich den Preis. Ich bin diese Art von Bahn gewohnt. Hier ist eine Laufbahn eröffnet, wo noch Lorbeeren, silberne Becher und Ducaten zu holen sind. Unstreitig ist diese Institution, wie die Städteordnung, eine von den Grundlagen, auf die sich das Fragezeichen einer preußischen Verfassung erbauen soll. Dies Dermaleinst muß eintreten, wenn die Zeit erfüllet ist. Klagt also nicht, daß bei Euch die Pferde besser dran sind, als die Menschen. Auch Euren Talenten wird eine Bahn geöffnet werden, nur müßt Ihr eilen, Euch Schild, Lanze und Roß anzulegen, an und für sich schon vorausgesetzt, daß Ihr im Besitz von Stammbäumen seid! Weder Grundeigenthum noch gar die Intelligenz werden Eure Delegirte vertreten, sondern einzig historische Interessen. Wenn diese vorhanden sind, so werden sie mit höchster Sorgfalt wahrgenommen werden. Sind sie nicht da, so müßte ja der selige Herr v. Stein am Rhein und ein Anderer an der Nogat vor süßem Wein nicht gewußt haben, was es sagen will, wenn sie tranken »auf Wiederbelebung alles Hohen und Edlen.« Ueberhaupt, Herr Buchholz, nehmen Sie sich vor den Urideen in Acht, die aus Deutschlands <TEI> <text> <body> <div n="1"> <pb facs="#f0074" n="61"/> <p> Wer doch in dieser Zeit auch ein Pferd hätte! Auf Ehre, Herr Lieutenant, beim Rennen auf der Bahn mit Hindernissen gewänn’ ich den Preis. Ich bin diese Art von Bahn gewohnt. Hier ist eine Laufbahn eröffnet, wo noch Lorbeeren, silberne Becher und Ducaten zu holen sind.</p> <p>Unstreitig ist diese Institution, wie die <ref xml:id="TEXTStaedteordnung" target="BrN4E.htm#ERLStaedteordnung">Städteordnung</ref>, eine von den Grundlagen, auf die sich <ref xml:id="TEXTdasFragezeicheneinerpreussischenVerfassung" target="BrN4E.htm#ERLdasFragezeicheneinerpreussischenVerfassung">das Fragezeichen einer preußischen Verfassung</ref> erbauen soll. Dies Dermaleinst muß eintreten, wenn die Zeit erfüllet ist. Klagt also nicht, daß bei Euch die Pferde besser dran sind, als die Menschen. Auch Euren Talenten wird eine Bahn geöffnet werden, nur müßt Ihr eilen, Euch Schild, Lanze und Roß anzulegen, an und für sich schon vorausgesetzt, daß Ihr im Besitz von Stammbäumen seid! Weder Grundeigenthum noch gar die Intelligenz werden Eure Delegirte vertreten, sondern einzig historische Interessen. Wenn diese vorhanden sind, so werden sie mit höchster Sorgfalt wahrgenommen werden. Sind sie nicht da, so müßte ja <ref xml:id="TEXTderseligeBISHohenundEdlen" target="BrN4E.htm#ERLderseligeBISHohenundEdlen">der selige Herr v. Stein am Rhein und ein Anderer an der Nogat vor süßem Wein nicht gewußt haben, was es sagen will, wenn sie tranken »auf Wiederbelebung alles Hohen und Edlen.«</ref></p> <p>Ueberhaupt, <ref xml:id="TEXTHerrBuchholz" target="BrN4E.htm#ERLHerrBuchholz">Herr Buchholz</ref>, nehmen Sie sich vor den Urideen in Acht, die aus Deutschlands </p> </div> </body> </text> </TEI> [61/0074]
Wer doch in dieser Zeit auch ein Pferd hätte! Auf Ehre, Herr Lieutenant, beim Rennen auf der Bahn mit Hindernissen gewänn’ ich den Preis. Ich bin diese Art von Bahn gewohnt. Hier ist eine Laufbahn eröffnet, wo noch Lorbeeren, silberne Becher und Ducaten zu holen sind.
Unstreitig ist diese Institution, wie die Städteordnung, eine von den Grundlagen, auf die sich das Fragezeichen einer preußischen Verfassung erbauen soll. Dies Dermaleinst muß eintreten, wenn die Zeit erfüllet ist. Klagt also nicht, daß bei Euch die Pferde besser dran sind, als die Menschen. Auch Euren Talenten wird eine Bahn geöffnet werden, nur müßt Ihr eilen, Euch Schild, Lanze und Roß anzulegen, an und für sich schon vorausgesetzt, daß Ihr im Besitz von Stammbäumen seid! Weder Grundeigenthum noch gar die Intelligenz werden Eure Delegirte vertreten, sondern einzig historische Interessen. Wenn diese vorhanden sind, so werden sie mit höchster Sorgfalt wahrgenommen werden. Sind sie nicht da, so müßte ja der selige Herr v. Stein am Rhein und ein Anderer an der Nogat vor süßem Wein nicht gewußt haben, was es sagen will, wenn sie tranken »auf Wiederbelebung alles Hohen und Edlen.«
Ueberhaupt, Herr Buchholz, nehmen Sie sich vor den Urideen in Acht, die aus Deutschlands
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| Zitationshilfe: | [Gutzkow, Karl]: Briefe eines Narren an eine Närrin. Hamburg, 1832, S. 61. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/gutzkow_narren_1832/74>, abgerufen am 26.09.2024. |


